Kreis Ludwigsburg Die Jugendfeuerwehr ist „das Rückgrat der Feuerwehr“

Von Petra Neset-Ruppert
Bereits in der Jugendfeuerwehr bereiten sich die Jugendlichen auf die Arbeit in der Aktiven Wehr vor. Ihr Können zeigen sie bei Wettbewerben oder auch bei Festen, wie die Jugendfeuerwehr Freudental bei einer Schauübung. Foto: /Martin Kalb

Die Jugendfeuerwehren verzeichnen ein Mitgliederhoch. Auch im Kreis steigen die Zahlen kontinuierlich. Warum die Jugendarbeit so wichtig ist.

Mehr als 40.000 Mitglieder zählen die Jugendfeuerwehren in ganz Baden-Württemberg mittlerweile. Ein Rekordhoch, so die Mitteilung des Innenministerium Baden-Württembergs. Spiegeln sich diese Rekordzahlen auch im Kreis wieder und was bedeuten die hohen Mitgliederzahlen in der Jugend? Die BZ hat mit Wehren im Kreis gesprochen.

Ab zehn Jahren können Kinder teilweise bereits bei den Jugendfeuerwehren mitmachen. Bis sie 17 beziehungsweise 18 Jahre alt sind bleiben sie in dieser Gruppe und können danach zu der Aktiven Wehr wechseln. Für viele Wehren im Kreis ist die Jugendfeuerwehr daher ein wichtiger Bestandteil, um neue aktive Mitglieder zu gewinnen.

Kirchheim

Die Freiwillige Feuerwehr Kirchheim geht noch einen Schritt weiter. Seit drei Jahren gibt es dort eine Kinderfeuerwehr. Dort können Kinder bereits ab sechs Jahren mitmachen. „Die Idee kam aus der Mannschaft“, sagt der Kirchheimer Kommandant Christian Scherb. Da er selbst keine zeitlichen Kapazitäten mehr dafür hatte fragte er Stephanie Sojka an. Sie ist ausgebildete Erzieherin und hat eigentlich mit der Feuerwehr nichts am Hut. Trotzdem nahm sie das Angebot an und organisiert seither die Kinderfeuerwehr gemeinsam mit weiteren aktiven Feuerwehrfrauen. „Bei der Kinderfeuerwehr geht es erstrangig um den Spaß“, betont Sojka.

So werden zum Beispiel Schutzengel aus alten Feuerwehrschläuchen für die Aktiven gebastelt oder man trifft sich zu einem Backhausfest für die Kinder und ihre Familien. Und so lernen die Kinder schon früh das kennen, was die Feuerwehr ausmache: die Gemeinschaft.

Aktuell sind es 22 Kinder, die sich in der Kinderfeuerwehr engagieren. „Seit wir angefangen haben, gibt es eine Warteliste. Das Angebot ist sehr beliebt“, sagt Kommandant Scherb. Eigentlich hatte er damals mit Blick auf die lange Zeit, die es brauche bis die Kinderfeuerwehr zur aktiven Wehr komme Zweifel an dem Projekt gehabt, doch mittlerweile sind bereits elf Kinder aus der Kinder- in die Jugendfeuerwehr gewechselt. Und nicht nur das: „Durch die Kinderfeuerwehr kamen bereits vier Mütter zur Feuerwehr“, sagt Scherb.

Rund 50 Prozent der Jugendfeuerwehr landen bei den Kirchheimern anschließend auch in der aktiven Wehr. „Zur Zeit sind wir ganz gut aufgestellt. Wir haben 50 Aktive und insgesamt 90 in allen Altersgruppen“, sagt der Kirchheimer Kommandant. Die Nachwuchsgewinnung sei eine kontinuierliche Aufgabe. „Wir haben in Kirchheim so viele Vereine und es gibt ein großes Angebot, da ist es schön zu sehen, dass die Kinderfeuerwehr so gut angenommen wird“, sagt Scherb.

Freudental

Auch in Freudental gibt es ein vielfältiges Angebot für Jugendliche. Deshalb hat sich die Freiwillige Feuerwehr Freudental vor einiger Zeit dazu entschieden das Eintrittsalter für die Jugendfeuerwehr von zwölf auf zehn Jahre zu senken. „Dennoch spüren auch wir den Konkurrenzdruck durch Sportvereine und andere Freizeitangebote“, sagt Jugendwart Michael Kelleni. Langfristig hielten sich die Mitgliederzahlen der Freudentaler Jugendfeuerwehr auf einem relativ stabilen Niveau, so der Jugendwart.

Meist finden die Jugendlichen über persönliche Kontakte zur Jugendfeuerwehr, aber auch bei Festen und mit Infoständen, macht die Freudentaler Feuerwehr auf das Angebot aufmerksam. Eine Mischung aus Theorie und Praxis sowie Freizeitaktivitäten bieten die Freudentaler ihrer Jugendfeuerwehr. Auch die Vermittlung sozialer Werte „im Sinne der Werteformel ‚KaReVeTo’ der Jugendfeuerwehr Baden-Württemberg: Kameradschaft, Respekt, Verantwortung und Toleranz“, bereitet die Jugendlichen auf den aktiven Dienst vor.

„Mittlerweile stammt der Großteil unserer aktiven Mitglieder aus der Jugendfeuerwehr. Damit stellt sie einen zentralen - wenn nicht sogar den wichtigsten - Baustein der Nachwuchsgewinnung für die aktive Feuerwehr dar“, betont der Jugendwart. 

Tamm

Auch in Tamm ist die Jugendfeuerwehr ein wichtiger Bezugspunkt für die Gewinnung aktiver Feuerwehrmänner und -frauen. Sie sei „das Rückgrat der Feuerwehr“, betont Kommandant Sebastian Richter. „Die Entwicklung der letzten fünf Jahre ist durchweg positiv, auch wenn es nach Corona einen kleinen Einbruch gab. Aktuell haben wir 16 Jugendliche und davon ein Mädchen. Auf die letzten zehn Jahre gesehen konnten knapp 20 Übertritte in die Einsatzabteilung verzeichnet werden“, sagt Tamms Kommandant.

Beim Eintritt mit 17 Jahren in die aktive Wehr erhält „jedes neue Mitglied, egal ob Jugendfeuerwehr oder nicht, einen Paten zur Seite, der die ersten zwei Jahre als Ansprechpartner und kleiner Mentor fungiert“, erklärt Richter. Im neuen Feuerwehrhaus in der Kirschenau steht der Jugendfeuerwehr in Zukunft dann auch mehr Platz zur Verfügung: „Wahrscheinlich wird es neue Angebote geben. Weitere Infos dazu, wird es im Verlauf des Jahres geben“, verspricht Richter.

Sachsenheim

Aktuell gibt es bei der Freiwilligen Feuerwehr Sachsenheim insgesamt 45 Mitglieder der Jugendfeuerwehr. In den vergangenen fünf Jahren ist diese, der Entwicklung in Baden-Württemberg folgend, stetig gewachsen. „Was uns sehr freut, dass auch immer mehr Mädchen den Weg in die Jugendfeuerwehr finden. Aktuell haben wir neun Mädchen bei uns“, erklärt Jugendfeuerwehrwart Domenik Gruner.

Anders als in Freudental und Tamm ist die Jugendfeuerwehr in Sachsenheim jedoch nicht der Hauptbezugspunkt für die Gewinnung der Aktiven Wehr. „Rein nur dafür ist sie aber auch nicht da“, so Gruner. Die Sachsenheimer Jugendfeuerwehr bildet eine einzelne Abteilung aus allen sechs Ortsteilen und übt zentral momentan in Hohenhaslach.

Bietigheim-Bissingen

Eine Routine an einem vollausgestatteten Normfahrzeug erhalten die Mitglieder der Bietigheim-Bissinger Jugendfeuerwehr. Durch einen „glücklichen Zufall“ und großzügige Spenden kam die Bietigheim-Bissinger Wehr zu dem Jugendfeuerwehrfahrzeug, dass von den Einbauten so umgebaut wurde, dass die Kinder und Jugendlichen ab zehn Jahren auch gut rankommen.

40 Mitglieder umfasst derzeit die Jugendwehr, die sowohl in Bissingen als auch in Bietigheim sich übt und trifft. Michelle Jung, die Jugendwartin der Bietigheim-Bissinger Wehr, kümmert sich mit einem Team aus zwölf Betreuern um die Ausbildung der Feuerwehrmädchen und -jungs. Rund 35 Stunden pro Monat investiert sie in diese ehrenamtliche Arbeit und obendrauf kommen noch Übungs- und Einsatzstunden für Jung, die auch Gruppenführerin ist.

So wichtig die Jugendarbeit sei, das müsse man eben auch immer mit einkalkulieren, erklärt Kommandant Frank Wallesch, es kostet auch zusätzlich Zeit, die die Ehrenamtlichen investieren. Doch dass die Jugendfeuerwehren wichtig sind, steht für ihn außer Frage. Denn für Erwachsene sei die Hemmschwelle häufig recht groß, mit der Feuerwehr in Kontakt zu kommen. Von der Jugend in die aktive Wehr kommen rund die Hälfte der jugendlichen Mitglieder.

Dass die Kinder und Jugendlichen auch einen altersentsprechenden realistischen Blick auf die Arbeit bei der Feuerwehr bekommen, ist ihnen wichtig. „Beim 24-Stunden-Übungstag lernen sie dann, dass man auch mitten beim Essen oder in der Nacht zum Einsatz gerufen wird“, sagt Jung. Die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen macht ihr viel Spaß. „Wenn man sieht wie sie immer weiter dazulernen und dann später bei den Aktiven sind. Das ist schon toll“, erklärt Jung ihr ehrenamtliches Engagement.

 
 
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