Wie wirkt sich der Krieg im Nahen Osten auf die Urlaubsziele der Bürger und Bürgerinnen aus dem Landkreis Ludwigsburg aus? Die BZ hat sich bei Reisebüros umgehört, was die derzeitigen Reisetrends sind. Und mit Eric Reiter von 3B-Tourismus darüber gesprochen, wie sich das alles auf den Tourismus im Landkreis Ludwigsburg auswirkt.
Kreis Ludwigsburg Die Reiselust scheint ungebrochen
Reisen in Zeiten von Spannungen in der Straße von Hormus, möglichem Kerosinmangel und hohen Spritkosten: Was sind die Urlaubstrends im Kreis und wie steht der Kreis als Reiseziel da?
Europa als beliebtes Reiseziel
„Im Trend liegen europäische Destinationen“, sagt Susanne Prahst-Flego vom Freudentaler Reisebüro. Ob Griechenland oder Spanien. Auch die Türkei sei nach wie vor ein beliebtes Reiseziel, allerdings sei zu bemerken, dass dieses Reiseziel ein bisschen zurückhaltender gebucht wird. „Einerseits ist es auch in der Türkei teurer geworden, andererseits liegt es näher am Krisengebiet“, sagt Prahst-Flego. Von einer Zurückhaltung bei Fernreisen habe das Reisebüro nicht viel bemerkt, nur, dass auf Direktflüge Wert gelegt werde. Vor allem Sri Lanka wird gerne gebucht. „Wir sind Sri-Lanka-Spezialisten mit vielen Kontakten dorthin“, berichtet sie. Dazu veranstalte das Reisebüro auch regelmäßige Info-Abende, den nächsten am 8. Juni.
Was derzeit nicht gebucht wird, aber in den letzten Jahren der Renner war, ist Dubai: „Das ist zu Pfingsten eigentlich ein tolles Reiseziel, in diesem Jahr allerdings nicht unbedingt.“ Es liege zwar keine Reisewarnung mehr vom Auswärtigen Amt vor, es werde aber dringend davon abgeraten. „Aktuell ist das kostenlose Stornieren von bereits gebuchten Reisen dorthin möglich“, so die Reisebüro-Mitarbeiterin. Die Sorge, dass pauschal gebuchte Reisen nun unsicher seien, will Prahst-Flego den Urlaubern nehmen: „Die Veranstalter stehen in der Pflicht, die Kunden heim zu transportieren.“ Flugpreiserhöhungen aufgrund von Kerosinmangel habe es bislang nicht gegeben.
Auch das Reisebüro Am Eck in Bietigheim-Bissingen vermittelt derzeit vor allem Reisen nach Europa. Deutschland, Österreich, Griechenland, Türkei, die Kanaren oder insgesamt der Mittelmeerraum werden derzeit gerne gebucht, berichtet Geschäftsführerin Nicola Vogel. „Derzeit ist Albanien im Kommen“, ergänzt Mitarbeiterin Teresa Vogel. Aber auch der Norden, etwa Finnland und Norwegen, seien beliebt. „Wir haben ein riesiges Portfolio.“
Kurzer Dämpfer zu Kriegsbeginn
Ob das Reisebüro eine geringere Nachfrage verspüre seit dem Iran-Krieg? „Zu Beginn der Krise gab es einen kurzen Dämpfer“, berichtet das Am-Eck-Team. Jedoch habe sich der Markt schnell wieder stabilisiert. Nachzahlungen aufgrund von Kerosinzuschlägen sind dem Reisebüro ausschließlich bei Flusskreuzfahrten begegnet. Apropos Kreuzfahrten: die sind schwer im Kommen. „Vor allem auch bei Familien“, sagt Teresa Vogel.
Aber auch die Nachfrage nach Fern-, Studien- und Gruppenreisen sei ungebrochen. Eine eigene Gruppenreise nach Namibia bietet das Reisebüro Am Eck an. „Eine von uns sechs begleitet die Gruppe. Wir haben in Namibia tolle Kontakte“, so Nicola Vogel. Auch bei Alleinreisenden seien das beliebte Touren.
Und wie sieht es mit dem Landkreis als Reiseziel aus? Eric Reiter vom Tourismusverband 3B blickt positiv auf die Saison: „Ich glaube nicht, dass weniger Touristen ins 3B-Land kommen“, sagt er. Hauptzielgruppe seien Tagesgäste. „Viele Fahrradfahrer kommen“, sagt Reiter. Das liege am guten Radfahrnetz entlang der Enz, des Neckars und der Fachwerkstraße, aber auch an der guten Bahnanbindung. Auch die Wohnmobilstellplätze im Kreis werden rege genutzt.
Am Wochenende waren Vertreter von 3B-Tourismus auf den Heimattagen Baden-Württemberg. Dort hätten viele geäußert, dass sie in diesem Jahr eher kurzfristig planen würden. „Ausflüge werden aber nach wie vor unternommen. Manche sind unentschlossen, aber trotzdem unternehmungslustig“, sagt der 3B-Chef. Er sehe das als Chance für den Kreis als Ausflugsziel.
