Schlagen, Türen knallen, beschimpfen, erniedrigen, bedrohen, mobben oder stalken: Häusliche Gewalt kennt viele Formen. Die Gewaltprävention der Sozialberatung Ludwigsburg richtet sich an Täter und Täterinnen. 2025 haben die Fachbereichsleiterin Britta Graf und Sozialpädagogin Sandra Metz-Höger mit 1,25 Stellen insgesamt 137 Person begleitet. 80 Prozent davon waren Männer, 20 Prozent Frauen. 34 Prozent der Klienten kamen freiwillig zur Beratung, 66 Prozent auf Anweisung des Jugendamts, der Staatsanwaltschaft oder des Amtsgerichts. „Der Schwerpunkt liegt auf der Einzelberatung“, sagt Graf.
Kreis Ludwigsburg „Die Scham ist am Anfang hoch“
Die Gewaltprävention der Sozialberatung Ludwigsburg richtet sich an Täter und Täterinnen. In Einzelgesprächen und bei Gruppenangeboten lernen sie, Konflikte ohne Gewalt zu lösen.
Verantwortung statt Schuld
Individuelle Gewaltmuster und alternative Handlungsstrategien stehen bei den Gesprächen im Mittelpunkt, die 2024 von 107 Personen wahrgenommen wurden. „Die Scham ist am Anfang hoch“, sagt Britta Graf. Zu Beginn der Gespräche gehe es darum, Vertrauen aufzubauen. „Es geht nicht um Schuld, es geht um Verantwortung“, betont Graf. Gewalt sei oft ein Ausdruck von Hilflosigkeit, denn es sei unmännlich, keine andere Antwort auf Konflikte zu finden als Gewalt.
Der Betroffene müsse zu der Einsicht kommen, bei sich selbst etwas ändern zu wollen. In den sechs bis acht Gespräche gehe es darum, über Gefühle und Bedürfnisse zu sprechen, eine andere Art von Kommunikation kennenzulernen und zu lernen, Grenzen zu setzen. „Ein Konflikt ist immer beidseitig“, sagt Graf, weshalb es oft auch Paarberatungen gibt, an denen auch beide Beraterinnen teilnehmen. Wenn die Gewalt von Frauen ausgeht, richte sie sich oft eher gegen die Kinder, sei weniger körperlich, sondern bewege sich zum Beispiel durch Liebesentzug oder Erniedrigung eher auf der psychischen Ebene. „Männer zeigen Gewalt durch Frauen weniger an“, sagt Graf.
„In der Beratung arbeiten wir lösungsorientiert“, sagt sie. Die Vergangenheit bekomme zwar ihren Platz, aber es gehe vor allem darum, Ziele für den Alltag zu formulieren und auch umzusetzen. „Aber Paare warten oft zu lange, bis sie sich Hilfe holen“, sagt die Sozialarbeiterin. Daher gehe es für manche darum, sich zu trennen, sodass jeder erst einmal nach sich schauen könne.
Motivation und Reflexion
Das 50-stündige Anti-Gewalt-Gruppentraining richtet sich ausschließlich an Männer. Am 23. Durchgang nehmen derzeit sechs Klienten teil. „Es geht darum, gewalttätige Verhaltensmuster zu erkennen und alternative Handlungsstrategien zu erlernen und umzusetzen“, sagt Sandra Metz-Höger. Dafür brauche es Zeit, Motivation, Unterstützung und Möglichkeiten zur Reflexion. Bei den Treffen, die von ihr und einem männlichen Kollegen geleitet werden, werden Geschlechterrollen angesprochen, aber auch die eigene Opfererfahrungen der Klienten.
„Ein großer Block betrifft die Kommunikation“, sagt Metz-Höger. Während Frauen vor allem auf der Beziehungsebene kommunizieren, würden Männer eher die Sachebene wählen. Bei dem Gruppenangebot gehe es darum, Ziele zu entwickeln und diese im Alltag umzusetzen. Komfortzone, Angstzone, Lernzone und Entwicklungszone: „Unser Anliegen ist es, den Teilnehmern zu erklären, worin die Unterschiede liegen, dass wir die ‚Komfortzone’ verlassen müssen, um uns zu verändern – und warum das so schwer ist“, sagt Metz-Höger. Um diesen Prozess langfristig zu unterstützen, wurde vor zwei Jahren eine Nachsorgegruppe eingerichtet, die sich einmal im Monat trifft.
Erstgespräch innerhalb von 14 Tagen
Das Beratungsteam hat an sich den Anspruch ein Erstgespräch innerhalb von 14 Tagen zu ermöglichen. „Wie es aktuell läuft, ist künftig aber nicht mehr zu halten“, sagt Graf. Die Finanzierung, die vom Land, Kreis und dem Verein Sozialberatung getragen wird, verschlechtere sich, derzeit kämpft die Gewaltprävention mit einem Defizit von 54.000 Euro pro Jahr. „Wir sind auf den guten Willen des Vereins angewiesen“, sagt Britta Graf und lobt die Zusammenarbeit am Runden Tisch Häusliche Gewalt des Landkreises: „Wir wollen niederschwellige Hilfe anbieten.“ Wenn diese ausbleibt, wären die Folgekosten etwa für Kinder durch kostenintensive Jugendhilfemaßnahmen wesentlich höher.
„Mir haben die vielen Einzelstunden, das Training und nicht zuletzt die die ins Leben gerufene Nachsorgegruppe wirklich sehr weitergeholfen“, hat ein Klient zu Weihnachten an das Beratungsteam geschrieben: „Ich weiß durchaus, dass es noch immer ein langer Weg für mich ist.“
