Die Neckarbrücke in Besigheim, die Auwiesenbrücke in Bietigheim-Bissingen, die Murrbrücke in Marbach: Brücken, die gerade oder in der näheren Zukunft saniert oder gar völlig neu gebaut werden müssen, sind derzeit in aller Munde. In der ganzen Region sind Autofahrer von den entsprechenden Verkehrseinschränkungen betroffen und müssen teils lange Umleitungen nutzen. Doch wie steht es darüber hinaus um Brücken, die in der jüngeren Vergangenheit nicht so sehr im Fokus standen? Die BZ hat beim Regierungspräsidium Stuttgart (RPS) und dem Landkreis Ludwigsburg nachgefragt.
Kreis Ludwigsburg Diese Brücken müssen demnächst erneuert werden
Neben der Neckarbrücke in Besigheim und der Murrbrücke bei Marbach, gibt es im Kreis Ludwigsburg weitere Brücken, die angegangen werden müssen. Ein Überblick.
Hauptprüfung alle sechs Jahre
Soviel vorneweg: Im Abstand von sechs Jahren werden Brücken in Deutschland einer Hauptprüfung unterzogen. Dabei inspizieren Fachleute alle Stellen einer Brücke aus nächster Nähe. Drei Jahre später findet eine sogenannte „Einfache Prüfung“ statt. Sonderprüfungen können darüber hinaus durchgeführt werden nach größeren Ereignissen, die den Zustand der Brücken beeinträchtigen können. Falls erforderlich kann es darüber hinaus, wie etwa bei der Besigheimer Neckarbrücke, ein Monitoring mit Sensoren geben. Dies sei jedoch kein Standardfall, sondern in der Regel die Folge einer neuen Schadenerkenntnis, teilt Stefanie Paprotka, Pressesprecherin des RPS mit. Zusätzlich werden die Brücken durch die zuständigen Straßenmeistereien der Stadt- und Landkreise kontrolliert. In diesem Zuge finden jährliche Besichtigungen statt.
Bei der Zustandsbewertung wird nach den Kriterien Standsicherheit, Verkehrssicherheit und Dauerhaftigkeit unterschieden. Bei den meisten Brücken des aktuellen Ersatzneubauprogramms der Landesstraßenbauverwaltung handle es sich um Bauwerke mit besonderen konstruktiven Defiziten, dazu gehören auch die Murrbrücke und die Besigheimer Neckarbrücke, die mit spannungsrisskorrosionsgefährdetem Spannstahl errichtet wurden. Aus wirtschaftlichen und technischen Gründen sei eine Sanierung dieser Brücken nicht mehr möglich, so Paprotka. Stattdessen müssen die Bauwerke komplett neu errichtet werden.
Im 2025 vorgestellten Brückenerhaltungsprogramm des Landes sind diese beiden und fünf weitere Brücken im Kreis enthalten, die bis 2030 ersetzt werden sollen. Bereits abgeschlossen sind Maßnahmen an der B 27-Brücke über den Zubringer West in Ludwigsburg sowie die Brücke über den Kirbach in Hohenhaslach. Im Bau befindet sich seit Kurzem die Murrbrücke in Marbach.
Auswahl für Stufe 2 noch offen
In der Stufe 1 des Landesprogramms sind außerdem die L 1124-Brücke über die Bahn in Erdmannhausen, die L 1129-Brücke über den Neckarkanal in Freiberg-Beihingen sowie die L 1127-Brücke über die Bahn in Ditzingen vorgesehen.
In der zweiten Stufe ab 2031 sollen in Baden-Württemberg weitere 450 Brücken ertüchtigt oder erneuert werden. Die Auswahl der Brücken sei dafür jedoch noch nicht erfolgt, berichtet Stefanie Paprotka.
Der Planungsprozess, insbesondere von Ersatzbauten, sei dabei außerordentlich komplex. Gerade wenn Schienen- oder Wasserwege betroffen seien, würden teils umfangreiche Abstimmungsprozesse mit verschiedenen Beteiligten erforderlich. Darüber hinaus seien oftmals Umwelt- und Naturschutzauflagen einzuhalten. Entsprechend länger könne der Planungszeitraum ausfallen. „Gleichwohl versuchen wir, die Planung und Ausführung soweit möglich zu beschleunigen und neue Ereignisse und Entwicklungen entsprechend zu berücksichtigen“, sagt Paprotka.
Zwei Brücken im Kreis
Ein eigenes Sanierungsprogramm für Brücken gibt es im Landkreis indes nicht. Von den 59 Brücken in dessen Zuständigkeit stehen in den kommenden Jahren voraussichtlich nur zwei größere Maßnahmen an: Einerseits die Neckarbrücke in Hessigheim, an der frühestens 2028 mit den Arbeiten begonnen werden könne. „Aktuell wird untersucht, welche Lösung langfristig wirtschaftlicher ist: ein Ersatzneubau oder eine weitere Sanierung der bestehenden Brücke“, teilt der Pressesprecher des Landkreises, Dr. Andreas Fritz, mit. Dazu kommt die Brücke über den Beutemühlbach in Steinheim-Höpfigheim, die ab 2029 im Zusammenhang mit der geplanten Sanierung der Ortsdurchfahrt erneuert werden soll.
Und auch die alte Neckarbrücke am Kreisverkehr in Benningen werde in den kommenden Jahren das Ende ihrer Nutzungsdauer erreichen, so Fritz. Diese Brücke wird demnach voraussichtlich in etwa zehn Jahren saniert werden müssen.
