Kreis Ludwigsburg Digitalisierung auf dem Hof

Von Michaela Glemser
Florian Petschl, stellvertretender Bauernverbandsvorsitzender(links) und Christian Hangstörfer zeigen einen 20 Jahre alten Traktor, der mit neuester Digitalsensorik nachgerüstet wurde. Jetzt ist damit präzises und effizientes Düngen möglich. Foto: /Martin Kalb

Landwirte wollen sich im Vorfeld des Bauerntags den Herausforderungen der Zukunft stellen – so auch Christian Hangstörfer aus Gündelbach.

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or einiger Zeit waren der Weinbau und die Rinderzucht noch wichtige Standbeine des landwirtschaftlichen Betriebs von Christian Hangstörfer aus Gündelbach. Doch inzwischen hat der junge Landwirt diese beiden Betriebszweige aufgegeben und lieber in modernste Landmaschinentechnik investiert.

Trecker, die bei der Feldarbeit mit Hilfe von GPS-Technik automatisch gelenkt werden, oder Sensoren, die selbsttätig erkennen, wenn eine Behandlung des Bodens oder der Pflanzen mit Düngemitteln notwendig ist: Hangstörfer hat ein Unternehmen gegründet, das sich auf das sogenannte „Precision Farming“ konzentriert und Trecker beispielsweise mit modernen Lenksystemen nachrüstet.

Neues zu wagen war nicht leicht

„Seit rund zehn Jahren sind wir auf dem Markt tätig und unsere Kunden kommen aus ganz Baden-Württemberg. Es war nicht leicht, neue Wege zu gehen, und hat auch Diskussionen in unserer Familie verursacht, in der seit Generationen bestimmte Betriebszweige gepflegt werden und plötzlich neuen Ideen weichen sollten“, erzählte der Gündelbacher, der auch noch Ackerbau mit Getreide, Raps und Mais betreibt sowie eine Weinstube und einen Hotelbetrieb mit 24 Zimmern sein Eigen nennt. Junge Landwirte, welche die Betriebe der älteren Generationen übernehmen, müssen neuen Ideen gegenüber aufgeschlossen sein, auch wenn dies manchmal Mut erfordert und mit Risiken behaftet ist. Dies weiß auch der Vorsitzende des Bauernverbands Heilbronn-Ludwigsburg, Stefan Kerner, der im Vorfeld des diesjährigen Bauerntags am Freitag, 6. Februar, ab 13.30 Uhr im Bürgerhaus Möglingen, zum Pressetermin auf dem Hof von Hangstörfer in den Vaihinger Stadtteil eingeladen hatte. „Wir Landwirte dürfen aufgrund der aktuell herausfordernden Zeiten die Köpfe nicht in den Sand stecken. Wir müssen bereit sein, neue Wege zu gehen und Altes auch loslassen können“, betonte Kerner. Die Marktlage ist derzeit für alle landwirtschaftlichen Erzeugnisse schwierig.

Michael Kinzinger vom Berghof in Enzweihingen beispielsweise hat für 100 Kilogramm seiner Herbstkartoffeln vor zwei Jahren noch Marktpreise bis zu 40 Euro erzielt, inzwischen sind es gerade einmal 15 bis 17 Euro. „In Norddeutschland ist die Anbaufläche für Kartoffeln deutlich ausgeweitet worden. Zudem gab es 2025 eine überdurchschnittliche gute Herbstkartoffelernte. Auch die Konkurrenzprodukte aus dem Ausland lassen die Preise hierzulande sinken“, benannte Kinzinger einigen Ursachen für den Preisverfall.

„Mercosur“ wird kritisch beäugt

Daher stehen die Landwirte dem viel diskutierten Mercosur-Abkommen für eine Freihandelszone mit südamerikanischen Staaten auch kritisch gegenüber. „Wir sind nicht gegen dieses Abkommen, aber die eingeführten Lebensmittel müssen auch nach den gleichen Standards und Bedingungen wie hierzulande produziert werden“, unterstrich Florian Petschl, stellvertretender Vorsitzender des Bauernverbands Heilbronn-Ludwigsburg.

Weiterhin sollten die eingeführten Lebensmittel eindeutig nach den Herkunftsländern ausgewiesen werden, denn ein Ei aus der Ukraine, das in Deutschland gefärbt werde, lande schließlich mit dem Vermerk „in Deutschland verarbeitet“ im Supermarktregal.

„Wertschätzung muss wachsen“

„Das verwirrt viele Verbraucher. Die Wertschätzung für Produkte aus heimischem Anbau muss wieder wachsen. Dies muss auch politisch gefördert werden“, machte Vorsitzender Kerner deutlich. Er wünscht sich von den Politikern im Land transparente und verlässliche Verordnungen, auf welche eine Generation von Landwirten zählen könne, und die sich nicht von Legislaturperiode zu Legislaturperiode änderten.

„Es ist wichtig, dass erkannt wird, dass die Landwirtschaft in Deutschland nach wie vor systemrelevant ist. Die Landwirte sind bereit zu Veränderungen, aber sie brauchen dafür auch eine verlässliche Unterstützung von der Politik“, stellte Kerner klar. Auch in der Familie von Landwirt Hangstörfer haben diese Veränderungen einige Zeit und vieler Gespräche bedurft. „Mein Vater ist noch mit dem Ackerbau mit dem Pferdefuhrwerk aufgewachsen. Heute bestelle ich mit zwei Klicks auf dem Smartphone Saatgut, das am anderen Tag auf dem Hof steht. Es gibt viele Entwicklungen in der Landwirtschaft, denen wir uns stellen müssen“, so Hangstörfer.

Der Referent des Bauerntags, Dr. Ralf Schaab von der Andreas-Hermes-Akademie, will die Landwirte für die künftigen herausfordernden Zeiten motivieren. „Wir erhoffen uns von seinem Vortrag neue Ideen für unsere Landwirte vor Ort“, so Kerner. Nach den aktuellen Zahlen des Bauernverbands Heilbronn-Ludwigsburg gab es im Jahr 2024 im Bereich des Landkreises Ludwigsburg 1381 landwirtschaftliche Betriebe, deren Größe durchschnittlich 24,8 Hektar umfasste. Der überwiegende Teil dieser Flächen wurde als Ackerland genutzt und dies zu 38,4 Prozent für den Getreideanbau. Bei den Betrieben mit Tierhaltung dominierte die Rinderzucht mit 60,6 Prozent.

 
 
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