Die wirtschaftliche Situation unserer Unternehmen bleibt extrem angespannt“. Dieses Fazit zog Michael Prochaska, Personalchef von Stihl in Waiblingen, am Freitag in den Räumen von Filterspezialist Mann+Hummel in Ludwigsburg. Prochaska ist Vorsitzender der Arbeitgebervereinigung Südwestmetall, deren Bezirksgruppen Ludwigsburg und Rems-Murr sich zu Beginn des Jahres zusammengeschlossen haben.
Kreis Ludwigsburg Ein „trübes Bild“ in der Metallbranche
Der Verband Südwestmetall stellte bei Mann+Hummel eine Umfrage unter den Betrieben vor. Die Branche kämpft mit multiplen Krisen.
Eine Umfrage unter den 269 Mitgliedsbetrieben der Bezirksgruppe zeigt ein „trübes Bild“, wie Prochaska sagte. Mehr als 30.000 Arbeitsplätze sind im vergangenen Jahr in der Metall- und Elektroindustrie von Baden-Württemberg verloren gegangen. Wer noch investiert, setzt sein Geld häufig im Ausland ein. „Auftragslage, Erträge, Beschäftigung und Investitionen stehen weiter unter Druck“, fasste Prochaska die Ergebnisse der Umfrage zusammen. Seit dem zweiten Halbjahr habe sich die Situation lediglich „graduell“ verbessert, in der Region sei davon allerdings noch nichts zu spüren.
Kaum Rückenwind
Dennoch: Es gibt noch Unternehmen mit „Substanz, Durchhaltevermögen und Anpassungsfähigkeit“, stellte Prochaska fest. Dazu gehört Sata aus Kornwestheim. Der Spezialist für Lackierpistolen konnte seinen Umsatz im vergangenen Jahr von 95 auf fast 110 Millionen Euro steigern. Trotz des Erfolgs bleibt der Sata-Chef skeptisch, ob sich das Wachstum, das einer Innovation geschuldet ist, fortsetzen lässt. Aus keiner Region, in der Sata aktiv ist, spüre er Rückenwind, weder in Europa noch in den USA, so der Geschäftsführer. Klaus Gehrig, der langjährige Geschäftsführer von Ziemann Holvrieka in Ludwigsburg, kämpft mit zwei langfristig negativen Trends.
Zollpolitik und politische Unruhen wie aktuell in Mexiko verunsicherten die Kunden. Als Spezialist für den Bau von Brauereianlagen bekommt Ziemann die zunehmend negative Einstellung dem Alkohol gegenüber zu spüren. Ziemann versuche darauf mit Diversifizierung zu reagieren und ist jetzt auch im Anlagenbau für nicht-alkoholische Getränke tätig.
An Gehrigs Schilderung zeigte sich beispielhaft, wie deutsche Unternehmen in internationalen Verbünden weiter an Aufgaben verlieren. Das Unternehmen mit 240 Mitarbeitern in Ludwigsburg ist seit 2012 Teil einer chinesischen Firmengruppe. Aufgabe des deutschen Standorts seien vor allem Entwicklung und Prozessmanagement. Produktionsverlagerungen sind in vielen Teilen der Branche seit Langem zu beobachten. „Doch auch das Engineering wandert ab“, sagte Gehrig.
Hohe Arbeitskosten
Die hohen Arbeitskosten werden in der Umfrage am häufigsten als eines der strukturellen Probleme genannt, mit denen die Metall- und Elektroindustrie zu kämpfen hat. Hanno Höhn, Geschäftsführer von Mann+Hummel, nannte weitere Problemfelder, die sich seiner Ansicht nach gegenseitig verstärken. Die „überbordende Bürokratie“ gehört für ihn ebenso dazu wie fehlende Planungssicherheit und hohe Energiepreise. Um Arbeitskosten wettbewerbsfähig zu halten, sei es notwendig, die Sozialversicherungsbeiträge auf 40 Prozent zu deckeln.
Vor allem beim Abbau bürokratischer Hemmnisse sieht Höhn die Bundesregierung in der Pflicht. Dafür müsse sich auch die künftige Landesregierung einsetzen. „Keine immer neuen Berichtspflichten, Dokumentationsauflagen und Genehmigungsschleifen, die Zeit, Personal und Ressourcen binden, ohne Wertschöpfung zu schaffen“, forderte er. Genehmigungsverfahren müssten vereinfacht und beschleunigt werden, Investitionen dürften nicht an „langwierigen, komplexen und oft schwer kalkulierbaren Verfahren scheitern.“
Doch stattdessen werden Unternehmen mit dem am Donnerstag im Bundestag verabschiedeten Tariftreuegesetz mit neuen Nachweispflichten überzogen. Das beklagte Michael Kempter, der Geschäftsführer von Südwestmetall. Unternehmen, die mit dem Bund Geschäfte machen, müssen künftig nachweisen, dass sie sich an tarifliche Standards halten.
