Die Kartoffelpreise auf extremer Talfahrt, Kartoffelkrise macht Landwirte arm, vermeldete das Fachmagazin „Agrarheute“. Um bis zu 60 Prozent sind bundesweit die Kartoffelpreise gefallen, die Kosten für Produktion und Ernte übersteigen bei Weitem die Erlöse, vermeldet das Agrarmagazin weiter. Die Bietigheimer, Sachsenheimer und Bönnigheimer Zeitung hat im Landkreis nachgefragt, wie sich der Kartoffelmarkt hier zeigt.
Kreis Ludwigsburg „Eine Überproduktion gibt es hier nicht“
Bundesweit wird von einer Kartoffelkrise mit Preisverfall berichtet. Die BZ hat im Landkreis Ludwigsburg nachgefragt.
Michael Kinzinger, stellvertretender Vorsitzender des Bauernverbands Heilbronn-Ludwigburg, der zusammen mit seiner Familie den landwirtschaftlichen Betrieb Kinzinger Berghof in Vaihingen-Enzweihingen betreibt, sagt, dass bis auf sehr gute Preise für Rindfleisch, die Preise in der Landwirtschaft für Getreide, Raps oder Mais „auf ein Niveau gefallen sind, dass ein wirtschaftliches Handeln nicht mehr möglich sei“. Eine Besonderheit sei der Kartoffelanbau in Baden-Württemberg, bei dem es keine Probleme gebe. Auf 5500 Hektar werden im Land Kartoffeln angebaut, und dabei gebe es keine enorme Flächenausweitung, erklärt Kinzinger. „Diese 5500 Hektar sind eigentlich zu wenig Kartoffeln für die rund zehn Millionen Verbrauer mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 25 Kilogramm in Baden-Württemberg“, sagt der stellvertretende Vorsitzende des Bauernverbands Heilbronn-Ludwigsburg. Baden-Württemberg sei eigentlich ein Einfuhrland und auf nationale Exporte von Kartoffeln angewiesen.
Anbaufläche erweitert
Zwei Probleme für den bundesweiten Preisverfall bei den Kartoffeln erkennt Kinzinger: So kommen zum einen französische und ägyptische Kartoffeln auf den den deutschen Markt. Zusätzlich wurde die Anbaufläche in Deutschland von durchschnittlich 260.000 Hektar auf 300.000 Hektar in diesem Jahr erhöht. „Dies ist eigentlich nicht erklärbar, vielleicht liegt es daran, dass Kartoffeln bisher einen stabilen Preis hatten“, so Kinzinger. Nach seinen Recherchen wurden 2025 in Deutschland geschätzt 13 Millionen Tonnen Kartoffeln geerntet, bei einem Bedarf von rund zehn Millionen Tonnen.
Hinzu komme, dass bis vor Kurzem China Kartoffeln aus Europa importiert habe und jetzt diese Feldfrucht selbst anbaue. „Die Produktionskosten sind in Deutschland so extrem gestiegen, dass wir mit anderem Ländern nicht mehr mithalten können“, resümiert der Vaihinger Landwirt. In seinem Betrieb habe es in diesem Jahr eine leicht überdurchschnittliche Ernte gegeben, da es 2025 nicht zu heiß gewesen sei. Einen größeren Aufwand gab es durch notwendige Bewässerung im Frühjahr und die aufwendigere Sortierung bei der Ernte „und dies alles kollidiert mit dem höheren Mindestlohn“, merkt Kinzinger an.
In seinem Kinzinger Berghof werden rund 30 Prozent der Ernte im eigenen Hofladen verkauft, der Rest an den Lebensmitteleinzelhandel. „Preislich sind wir in der Region auf konstantem Niveau“, sagt Kinzinger und ergänzt: „Hier gibt es die Überproduktion eigentlich nicht.“
Verträge mit Großhändler
„Tatsächlich sind wir nicht ganz so davon betroffen“, sagt Christine Bahya vom Bönnigheimer Hofgut Bellevue auf BZ-Nachfrage. In ihrem landwirtschaftlichen Betrieb würden grundsätzlich nur Kartoffeln angebaut, deren Vermarktung gesichert sei. „Was nicht für unsere Direktvermarktung vorgesehen ist, ist in Menge, Sorten und Erntezeitraum mit dem Großhändler abgesprochen. Für die Lagerkartoffeln haben wir dieses Jahr einen Festpreis vereinbart, sind daher nicht von dem Preisverfall betroffen“, sagt die Bönnigheimer Landwirtin.
Im Bereich der Frühsorten allerdings habe auch sie deutliche Preisabfälle hinnehmen müssen. „Aber in der Biogasanlage landet nichts und wir haben alles geerntet“, merkt Bayha an.
