Kreis Ludwigsburg Extremisten sind auch im Kreis aktiv

Von Uwe Mollenkopf
Hakenkreuz-Schmiererei auf einem Lkw 2025 in Korntal-Münchingen. Foto: /7aktuell.de/Alexander Hald

Im Verfassungsschutzbericht 2025 für Baden-Württemberg, der am Freitag vorgestellt wurde, tauchen auch mehrmals Fälle im Kreis auf – vom rechtsradikalen „III. Weg“ bis zur Antifa.

Als „Frühwarnsystem der Demokratie“ bezeichnet der neue Landesinnenminister Manuel Hagel (CDU) das Landesamt für Verfassungsschutz im Vorwort zu dessen Jahresbericht für das Jahr 2025. Am Freitag stellte er den Bericht zusammen mit Verfassungsschutzpräsidentin Beate Bube in Stuttgart vor. Die BZ hat sich angesehen, was die Verfassungsschützer an rechtsextremen, linksextremen und sonstigen Umtrieben im Landkreis Ludwigsburg beobachtet haben.

Beim Rechtsextremismus hat der Verfassungsschutz eine deutliche Zunahme der Partei „Der III. Weg“ im ganzen Land registriert, wovon auch der Landkreis nicht verschont blieb. In Tamm organisierte die Partei Anfang März 2025 einen Infostand zu ihrer Kampagne „Unsere Heimat ist nicht ihr Wirtschaftsstandort!“, heißt es im Verfassungsschutzbericht. Und bei der nächsten Kampagne unter dem Titel „Unsere Alternative heißt Revolution!“ wurden unter anderem auch in Bietigheim-Bissingen Flugblätter verteilt. Die Kleinstpartei mit landesweit 90 Mitgliedern strebt laut Verfassungsschutzbericht einen „Deutschen Sozialismus“ an, bei dem es sich um eine Umschreibung für den Nationalsozialismus handle.

Video in sozialen Medien

Ebenfalls als rechtsextremistisch gilt laut Verfassungsschutzbericht die „Identitäre Bewegung“ (IB). Diese bewerte die aktuelle Zuwanderungssituation als Teil einer Verschwörung der Medien, Parteien und Eliten und vertrete das Konzept einer millionenfachen „Remigration“ nach Martin Sellner. Unter anderem habe die IB am 12. April 2025 in den sozialen Medien ein Video veröffentlicht, in dem Aktivisten ihr Engagement gegen die geplante Landeserstaufnahmeeinrichtung (LEA) für Asylbewerber auf dem Schanzacker bei Ludwigsburg begründeten. Zuvor hätten IB-Aktivisten bereits an einer – nicht-extremistischen – Demonstration gegen die LEA teilgenommen.

Die Aufmerksamkeit der linksextremistischen Szene lag laut dem Verfassungsschutzbericht Anfang 2025 vor allem auf den Bundestagswahlen. Die „Antifaschistische Initiative Heidelberg“ habe am 18. Februar 2025 von einer Teilnahme an Protesten gegen die AfD und ihre „Steigbügelhalter von CDU und FDP“ berichtet. Dabei kam es unter anderem in Ludwigsburg zu linksextremistisch motivierten Sachbeschädigungen an von der CDU genutzten Räumlichkeiten. Linksextremistische Gruppen versuchten laut dem Verfassungsschutzbericht Wähler zu beeinflussen, unter anderem durch viele Störaktionen an AfD-Infoständen, so auch in Kornwestheim. Die Zerstörung von AfD-Wahlplakaten sei unter anderem in einem Instagram-Beitrag der „Antifa Vernetzung Ludwigsburg“ am 8. Februar 2025 gezeigt worden.

Antifa lehnt System ab

Die Umtriebe dieser Gruppierung führten zudem im März 2025 zu einer Anfrage der FDP im Landtag. In seiner Antwort erklärte das Innenministerium, das Personenpotenzial der Gruppe bewege sich im unteren zweistelligen Bereich.

Laut einem neueren Zwischenbericht des Verfassungsschutzes von diesem Jahr waren Linksextremisten auch vor der Landtagswahl im März aktiv. So gab es ein Instagram-Posting der „Antifa Vernetzung Ludwigsburg“, mit dem laut Verfassungsschutz die Ablehnung des aktuellen politischen Systems einer repräsentativen Demokratie sinnbildlich zum Ausdruck gebracht wurde.

Ebenfalls im Visier des Verfassungsschutzes in Sachen Linksextremismus steht die „Deutsche Kommunistische Partei“ (DKP). Von deren Jugendverband, der „Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend“ (SDAJ), gibt es auch eine Ortsgruppe in Ludwigsburg. Eines ihrer Betätigungsfelder ist laut dem Bericht der „Antimilitarismus“. So gab es von der SDAJ Ludwigsburg dazu eine Aktion auf Instagram.

Zum islamischen Extremismus zählt der Verfassungsschutzbericht verschiedene türkeibezogene Organisationen. Dazu zählen die „Islamische Gemeinschaft Milli Görüs“ (IGMG) und die in Ludwigsburg vertretene Saadet Partisi („Partei der Glückseligkeit“, SP). Als sogenannte legalistische Organisation ziele ihr strategisches Vorgehen auf Einflussnahme durch Teilhabe ab. „Legalistische Islamisten werben mit scheinbar gemäßigten und gesellschaftskompatiblen Positionen um potenzielle Fürsprecher bei Behörden sowie in Politik und Medien und kooperieren mit verschiedenen christlichen Kirchengemeinden“, stellt der Verfassungsschutz fest. Ihre unverbrüchliche Loyalität gelte jedoch der muslimischen Weltgemeinschaft. Ein zentrales Element ihrer Propaganda sei „die fortgesetzte Verbreitung einer Opfererzählung unter den eigenen Anhängern“, denen eine Diskriminierung eingeredet werde.

Antiwestliche Ideologie

Im Kreis Ludwigsburg warben die IGMG und der Moscheebauverein EMUG mit einer Spendenkampagne um finanzielle Unterstützung für den Erwerb eines Gebäudes für die Zentrale des Regionalverbands Württemberg in Kornwestheim. Im Oktober 2025 gab der IGMG-Regionalverband Württemberg dann den Erwerb eines ehemaligen Firmengebäudes in Kornwestheim bekannt.

Ferner führt der Bericht eine Gedenkveranstaltung des in Ludwigsburg ansässigen SP-Regionalvereins Stuttgart vom Februar auf. Dabei sei auch ein hochrangiger Parteifunktionär aus der Türkei gewesen. In der SP-Tageszeitung „Millî Gazete“ würden antiwestliche und antisemitische Aspekte als Teil der Ideologie immer wieder hervortreten.

 
 
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