Für viele Reisende dürfte es eine Hiobsbotschaft gewesen sein, als sie am vergangenen Montag von der Insolvenz des Reiseanbieters FTI erfahren haben. Vielerorts macht sich Verunsicherung breit. Finden gebuchte Reisen überhaupt statt? Bleibt man auf den Kosten sitzen? Die BZ hat bei Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg mit Sitz in Suttgart nachgefragt, was die FTI-Insolvenz nun für Kunden bedeutet. Die BZ hat außerdem bei Reisebüros in der Region nachgefragt, wie diese mit der Situation umgehen.
Kreis Ludwigsburg Fällt der Sommerurlaub ins Wasser?
Die Insolvenz des Reiseunternehmens FTI betrifft auch Verbraucher und Reisebüros in der Region. Die BZ hat nachgefragt, was Kunden jetzt tun können.
Pauschal- und Individualreisen
Man muss zwischen einer Pauschal- und einer Individualreise unterscheiden, sagt Oliver Buttler, Abteilungsleiter Telekommunikation, Internet, Verbraucherrecht bei der Verbraucherzentrale. Bei den Pauschalreisen gilt: „Über den Reiseversicherungsfonds sind Pauschalreisen abgesichert“, sagt Buttler. Dieser Fonds war nach der Insolvenz der Thomas Cook-Tochtergesellschaften 2019 gegründet worden. Doch noch hat die FTI Pauschalreisen ab dem 6. Juni nicht abgesagt, aber erst dann könne die Versicherung zum Tragen kommen. Kunden bekommen die Pauschalreise dann, sollte sie vom Veranstalter nicht wie geplant ermöglicht werden, erstattet. Für diese Rückführung solle man die FTI über die Hotline oder deren E-Mail-Adresse kontaktieren.
Bei bereits angetretenen Reisen bemühe sich FTI, diese wie geplant bis zum Ende stattfinden zu lassen. Auch soll eine Rückreise zum ursprünglichen Abflugort organisiert werden. Buttler empfiehlt auch hier eine Kontaktaufnahme mit dem Kundenservice.
Kein Schutz bei Einzelleistungen
Wurden jedoch nur Einzelleistungen bei FTI gebucht, beispielsweise ein Hotelaufenthalt nach dem 5. Juni, wird diese storniert. Einzelleistungen fallen nämlich nicht unter den gesetzlichen Absicherungsschutz und sind somit nicht durch den Deutschen Reisesicherungsfonds abgesichert. „Die insolvenzbetroffenen Leistungen fallen aus, Betroffene müssen woanders neu buchen“, sagt Buttler.
In jedem dieser Fälle rät er aber, erst einmal abzuwarten und sich bei FTI zu informieren. „Pauschalreiseurlauber sind noch glimpflich davongekommen. Ärgerlich ist das Ganze zu Anfang der Urlaubssaison natürlich trotzdem.“ Neben Reisen bei FTI Deutschland fallen auch die von FTI in Österreich und der Niederlande ins Wasser. Das gleiche gilt für „5vorFlug“, „Bigxtra Touristik“ sowie für die Mitfahrzeugs-Marken „DriveFTI“, „Cars&Campers“ und „Meeting Point Rent-a-Car“.
„Hat FTI nur als Vermittler fungiert und die Reise wurde beispielsweise bei TUI gebucht, ist sie nicht gefährdet“, sagt Buttler. Seiner Ansicht nach wäre es sinnvoll, den Vorkassenzahlung abzuschaffen, „dann müsste man zwar am Flughafen viel Geld auf einmal bezahlen, wäre aber stets abgesichert.“ Auch das Vorkassenprinzip ganz abzuschaffen findet er sinnvoll, das Geld könnte man bis zum Reisebeginn auf einem getrennten Konto parken.
In Reisebüros eher nicht angeboten
Das Bietigheim-Bissinger Reisebüro am Eck hat nur eine Handvoll Kunden, die unmittelbar betroffen seien. „Schon seit längerer Zeit haben wir Angebote von FTI nicht mehr forciert, weil wir wussten, dass es dem Unternehmen nicht gut geht“, sagt Claudia Adinolfi. „Wir konnten das nicht mehr guten Gewissens anbieten.“ Die betroffenen Kunden habe man unmittelbar informiert, zwei davon haben ihre Reise bereits angetreten. In diesen Fällen wird diese auch wie geplant durchgeführt. Aber auch den Reisebüros bricht die Provision weg, erklärt Adinolfi. Büros, die viel mit dem insolventen Anbieter gearbeitet haben, stünden nun vor großen Schwierigkeiten. „FTI war schon immer sehr günstig, jetzt sieht man, dass es nicht funktioniert hat“, sagt Adinolfi. Ein Strukturproblem in der Reisebranche sieht sie jedoch nicht, andere Anbieter hätten sich nach der Pandemie wieder erholt, FTI sei da ein besonderer Fall.
Ähnlich sieht Axel Jaschinski vom Sommer Tours Reisebüro in Bietigheim-Bissingen die Situation. FTI sei nicht mit anderen Reiseanbietern wie Thomas Cook, die vor einigen Jahren bereits Insolvenz angemeldet hatten, vergleichbar. Auch er habe nur wenige Kunden, die betroffen seien, habe er doch schon seit längerem vor der Buchung bei FTI gewarnt. „Es bestand ein gewisses Risiko.“
