Kreis Ludwigsburg Gerüstet für eine zweite Welle

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Wie die Abläufe in einer Corona-Praxis aussehen, zeigen zwei Mitarbeiter des Bietigheimer Arztes Dr. Stefan Göpfert. Gegenüber der BZ erklärt der Hausarzt, dass die Corona-Praxis gut laufe, da die allgemeinen Infekte zunehmen, die Zahl der Corona-Erkrankten sei aber sehr gering. Die Stadt hat ihm bis September erlaubt, die Corona-Praxis in einem Container vor seiner eigentlichen Praxis zu betreiben.⇥ Foto: Helmut Pangerl

Mehr Schutzkleidung, Corona-Praxen, eine funktionierende Teststelle und mehr Personal im Gesundheitsamt – die Verantwortlichen im Kreis sehen sich auf steigende Fallzahlen vorbereitet.

Ende Februar meldete das Gesundheitsamt den ersten Corona-Fall im Landkreis. Seither beherrscht die Pandemie das öffentliche Leben. Die BZ hat nach mehr als fünf Monaten Corona und angesichts der Gefahr einer zweiten Welle etwa durch Urlaubsrückkehrer nach dem Stand der Dinge bei Medizinern in der Region gefragt.

Wie ist das Gesundheitsamt personell aufgestellt: Gibt es mehr Mitarbeiter als zu Beginn der Krise?

Frank Wittmer, Pressesprecher des Landratsamts: Die meisten Tätigkeiten während der Hochzeit der Coronapandemie stammten aus anderen Bereichen des Gesundheits- und des Veterinäramtes sowie des gesamten Landratsamtes. Diese sind wieder in ihr originäres Aufgabenfeld zurückgegangen. Derzeit haben wir noch drei zusätzliche so genannte Scouts, welche die Fallermittlungen durchführen. In Kürze werden wir noch einige wenige zusätzliche Stellen für  Ärzte vom Land zugewiesen bekommen. Neun weitere Mitarbeiter  sind im Team Kontaktpersonenüberwachung. Urlaubssperre gibt es keine, im Gegenteil, wir sind bestrebt, in der Interimsphase zur nächsten Welle so viel wie möglich an Urlaub und Überstunden abzubauen.

Wie arbeiten die Mitarbeiter des Gesundheitsamts?

Das Landratsamt hat für das Thema Corona eine Organisation im Gesundheitsamt mit unterschiedlichen Teams aufgebaut. Darin arbeiten Mitarbeiter, die zusätzlich eingestellt wurden. Diese Teams übernehmen den Kontakt zu den Infizierten, zu Kontaktpersonen und koordinieren zum Beispiel Flächentestungen in den Pflegeheimen oder bedienen die Bürgerhotline. Zugleich wird auch ein Pool an internen Mitarbeitern aus anderen Bereichen aufgebaut, die für den Fall stärker ansteigender Zahlen in den Teams eingesetzt werden können. Entscheidungs- und Koordinationsstrukturen sind so vorbereitet, dass sie schnell wieder eingesetzt werden können, zum Beispiel der Verwaltungsstab. Auch sind weitere EDV-Programme eingeführt worden, die zum Beispiel den Transport von Informationen an die Kommunen und damit an die Ortspolizeibehörden einfacher sicherstellen können.

Wie sieht es bei den Kliniken aus: Wie viele Betten werden für Covid-19-Patienten vorgehalten?

Alexander Tsongas, Sprecher der RKH Kliniken im Kreis: Die RKH Kliniken haben derzeit eine stationäre Belegung von rund 80 Prozent. Insofern stehen derzeit genügend Betten für Covid-19-Patienten zur Verfügung und wir können jederzeit und schnell wieder in einen Krisenmodus umschwenken. Im Falle einer zweiten Welle wird wieder das RKH Klinikum Ludwigsburg das Covid-19-Zentrum sein.

Wie sieht es mit der Schutzkleidung für Klinikmitarbeiter derzeit aus?

Die RKH Kliniken haben die Lagerhaltung für Schutzkleidung mit einer Reichweite von rund drei Monaten aufgestockt.

Gibt es für die Mitarbeiter einen Urlaubsstopp?

Es gibt keinen Urlaubsstopp. Auch in den zurückliegenden Jahren war es üblich, dass Mitarbeiter die Zeit der Sommerferien nutzen, um Überstunden abzubauen.

Rechnen Sie durch die Sommerferien und Urlaubsrückkehrer wieder mit einem Anstieg der Covid-19-Patienten in den Krankenhäusern?

In der Tat ist nach den Sommerferien und den damit verbundenen Rückkehrern aus Risikoländern mit einem Anstieg der Infektionsrate zu rechnen. Ob es dadurch zu einem Anstieg der stationären Covid-19-Patienten in den Krankenhäusern kommt, werden wir sehen.

Wie viele Corona-Praxen gibt es aktuell im Landkreis?

Dr. Carola Maitra, Vorsitzende der Kreisärzteschaft:  Aktuell gibt es 16 Corona-Schwerpunktpraxen im Landkreis, die von niedergelassen Ärzten und Hausärzten betrieben werden. Daneben ist die Abstrichstelle am Klinikum in Ludwigsburg, die seit Übernahme vom Landkreis Anfang Mai vom MVZ Dr. Kolepke in Ludwigsburg betrieben wird, sehr gut ausgelastet. Viele Hausärzte übernehmen zudem in ihren eigenen Praxen Abstriche bei Patient. 6 von 7 an Covid-19 erkrankten Patient konnten so in der Vergangenheit ambulant versorgt werden.  Sollte es zu einer zweiten Corona-Infektwelle kommen, befinden sich weitere Praxen  in der Vorbereitung der Versorgung, so dass weiterhin die vollständige Versorgung gewährleistet ist.

Wie sieht es mit der Auslastung der Praxen aus?

Nach anfänglich starker Auslastung gingen die Patientenzahlen in den Corona-Schwerpunktpraxen mit der geringer werdenden Infekthäufung zurück. In den letzten drei Wochen beobachten wir aber wieder einen deutlichen Anstieg.  Grundsätzlich müssen wir davon ausgehen, dass immer noch ein nur geringer Teil der Bevölkerung nach einer Infektion zumindest teilweise vor einer Infektion geschützt ist. Mit der Öffnung der Kitas, Kindergärten und Schulen besteht natürlich auch wieder eine erhöhte Kontakthäufung, die zwangsläufig mit einer gewissen Infektgefährdung einhergeht. Darüber hinaus können Reiserückkehrer aus verschiedenen Ländern zu einem Infektionseintrag in die Bevölkerung beitragen. Glücklicherweise sind wir im Landkreis Ludwigsburg aber immer noch in einer guten Situation und sehen relativ wenige Corona-positive Patienten.

 Wie sind die Ärzte mittlerweile in Sachen Schutzkleidung bestückt?

Nachdem am Anfang der Corona-Pandemie die fehlende Schutzkleidung ein sehr großes Problem der Versorgung darstellte, gibt es inzwischen eine ausreichende Versorgung mit Schutzmasken, Schutzkitteln, Brillen und Handschuhen. Auch in der Bevölkerung stehen ausreichend Masken zur Verfügung. Der Markt hat sich dahingehend erholt, dass es inzwischen wieder Möglichkeiten gibt, Schutzkleidung in ausreichender Menge zu kaufen. Inzwischen haben die niedergelassene Ärzte und auch die regionalen Krankenhäuser die Vorratshaltung von Schutzkleidung anpassen können und  die Lager wieder auffüllen können, so dass es so eine Situation wie am Anfang der Pandemie hoffentlich nicht mehr geben wird.

 
 
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