Kreis Ludwigsburg Gutachter: Für das Opfer stand es „Spitz auf Knopf“

Von Petra Häussermann
Das Landgericht in Stuttgart. Foto: /Oliver Bürkle

Vor dem Landgericht Stuttgart belastet ein rechtsmedizinisches Gutachten die Angeklagten zusätzlich.

Das Opfer im Fall des versuchten Totschlags schwebte in akuter Lebensgefahr und wäre ohne weitere Hilfe innerhalb kurzer Zeit gestorben. Das berichtete der rechtsmedizinische Gutachter am Donnerstag im Prozess am Landgericht Stuttgart.

„Das Verletzungsbild sagt mir, es stand Spitz auf Knopf“, sagte Gutachter Tobias Marx weiter, „denn der Durchstich im Oberschenkel hat einen Muskelast durchtrennt und eine kürzere Schlagader getroffen. Das blutet unglaublich und macht den Betroffenen innerhalb von Minuten handlungsunfähig.“ Sämtliche Verletzungen des Opfers sprechen dem Experten zufolge für eine erhebliche Dynamik des Geschehens und ließen sich mit dessen Schilderungen zum Tatablauf gut nachvollziehen.

Der mutmaßliche Tathergang

Sechs Männern im Alter zwischen 25 und 42 Jahren wirft die Staatsanwaltschaft Stuttgart vor, Ende September 2025 gemeinschaftlich handelnd sich an dem vermeintlichen Nebenbuhler des jüngsten Angeklagten zu rächen. Sie überfielen den 36 Jahre alten Mann, der damals mit der Ex-Freundin des jüngsten Angeklagten zusammen war, in seiner Sozialunterkunft in Neckarweihingen und attackierten ihn mit einem Hammer, Messern und Möbelstücken.

Die beherzte Erste Hilfe seines Nachbarn, der ebenfalls von den Tätern überfallen und geschlagen worden war, und eine Notoperation im Klinikum Ludwigsburg retteten sein Leben.

Während der bisherigen neun Verhandlungstage hatten einzelne Angeklagte nach und nach Erklärungen durch ihre Verteidigerinnen und Verteidiger abgeben lassen und mehr oder weniger eine Beteiligung eingeräumt, aber keinerlei Reue gezeigt. Am Donnerstag sorgte nun der 37 Jahre alte Angeklagte für eine Überraschung: Er habe seinen Freund, dem älteren Bruder des jüngsten Angeklagten, gesagt, das sei die Sache nicht wert, als dieser von der geplanten Abreibung erzählte.

Er bestätigte, dass in Chatnachrichten die Wortwahl drastisch gewesen sei, „das ist immer so bei uns“, ernst genommen habe er das aber nicht, das Opfer umzubringen. Als man sich zur Tat verabredete, habe er zwar per Whats App erklärt, er mache mit, doch niemand habe ihn abgeholt und so sei er dann ziemlich betrunken bei seinem Zimmernachbarn auf dem Stuhl eingeschlafen.

Langes Vorstrafenregister

Der 37-Jährige sitzt seit seiner Festnahme im November 2025 genauso wie der 26 Jahre alte Bruder und ein weiterer, 42 Jahre alter Kumpel in Untersuchungshaft. Alle drei wohnten in Kornwestheim. Zwei weitere Angeklagte sind der Bruder der Frau, um die der Streit der beiden Männer kreiste, und ein 34-Jähriger. Die meisten Angeklagten sind vor Gericht keine Unbekannten und haben ein langes Vorstrafenregister. Die 19. Strafkammer wird entgegen früheren Planungen das Verfahren nicht im Juli beenden können, sondern hat weitere Verhandlungstage bis Ende September angesetzt.

Zu Beginn des langen Prozesstages hatte die Hauptsachbearbeiterin der Polizei Ludwigsburg über zwei Stunden lang Rede und Antwort gestanden, welche Erkenntnisse die Polizei im Laufe der Ermittlungen gewonnen hatte, wie man auf die Spur der Verdächtigen kam und welche Hinweise aus der Auswertung von Standort- und Handydaten sowie der Auslesung von Navigationsdaten gewonnen werden konnten.  Petra Häussermann

 
 
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