Kreis Ludwigsburg RKH-Kliniken: Harter Konsolidierungskurs nötig

Von Jörg Palitzsch
Das Ludwigsburger Klinikum aus der Luft. Foto: Werner Kuhnle

Spätestens 2028 will Kliniken-Chef Dr. Mark Nickel ein ausgeglichenes Ergebnis vorlegen. Die Unternehmensplanung wurde im Kreistag einstimmig beschlossen.

Mit einer ganzen Reihe von Maßnahmen will der medizinische Geschäftsführer der Regionalen Kliniken-Holding (RKH), Dr. Marc Nickel, die Kliniken wieder auf Vordermann bringen. Vor der einstimmigen Verabschiedung der Unternehmensplanung im Kreistag erläuterte er, wie dies geschehen soll.

Die Kliniken, so Landrat Dietmar Allgaier in der Sitzung, seien weiterhin besonderen Belastungen ausgesetzt. Die Planungsrechnung für 2026 geht im Klinikum Ludwigsburg von einem Verlust in Höhe von 27,78 Millionen Euro aus, im Krankenhaus Bietigheim-Vaihingen von vier Millionen Euro und in Marbach von zwei Millionen Euro. Der Verlustausgleich liege mit insgesamt rund 33,8 Millionen Euro fast 15 Millionen Euro niedriger als 2024, doch es stehe noch viel Arbeit bevor, bis am Ende des von der Geschäftsleitung eingeleiteten Strategieprozesses sowie dessen stufenweiser Umsetzung wieder eine schwarze Null stehe – und damit auch die Querfinanzierung über den Landkreishaushalt beendet werden könne.

Abbau von Personal geplant

Die Neuausrichtung beziehe sich auf alle Berufsgruppen, „jeder hat eine Rolle im Unternehmen“, sagte Nickel. Früher seien „Bälle hin- und hergeschoben“ worden, „dies ist jetzt nicht mehr möglich“. Die neue Führungsstruktur werde in den Kliniken positiv aufgenommen, „ich stoße auf exzellente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sie sind freundlich und zugewandt“. Die Kostenstruktur zeigt jedoch die Schwachpunkte auf. Sach- und Personalkosten seien strukturell belastend und würden „nachhaltige Lösungen“ erfordern. Übersetzt heißt dies Personalabbau bei der Kliniken-Holding, die auch Krankenhäuser im Enzkreis und Karlsruhe betreibt und rund 8000 Beschäftigte hat. „Insgesamt ist ein Personalabbau veranschlagt. Betriebsbedingte Kündigungen sind nicht vorgesehen“, heißt es dazu kurz und knapp im Unternehmensplan.

Die Neuausrichtung, hin zu einem Konsolidierungserfolg, bindet vor allem die Führungskräfte ein. In der Gruppengeschäftsführung geht es unter anderem um die Unternehmensstrategie und Wirtschaftsplanung, bei der Klinikengeschäftsführung um die Umsetzung des Wirtschaftsplanes und die Personalführung vor Ort und bei den Chefärzten um die Steuerung von Fallzahlen, Budget und Ressourcen sowie die Optimierung wirtschaftlicher und klinischer Prozesse. Die Kliniken, so Nickel, müssten für die Bürger attraktiver werden, auch von außerhalb des Landkreises. Spätestens 2028 wolle man ein ausgeglichenes Ergebnis vorlegen.

Man müsse sich in puncto Anspruch und Realität ehrlich machen, sagte Jan Trost von den Freien Wählern. Die Erlössituation bleibe weiter angespannt, ein mutiger und harter Konsolidierungskurs sei alternativlos. Sein Rezept: Prozesse verschlanken, doppelte Infrastruktur vermeiden und eine digitale Infrastruktur. „Die Kliniken liegen aktuell auf der Intensivstation, sie brauchen aber Stabilität“, so Trost.

Eine Herkulesaufgabe

Ralf Trettner (CDU), um Kritik an den Kliniken nie verlegen, bemühte den Vergleich mit einer Fußballmannschaft. Nickel sei nun ein neuer Spielführer, der Klarheit ins Team gebracht habe. Gleichwohl seien die Herausforderungen eine Herkulesaufgabe. Besonders hob er bezahlbaren Wohnraum für Mitarbeiter hervor, bislang sei es in diesem Punkt nur bei Ankündigungen geblieben. Trettner: „Wir können auf keine einzige Pflegekraft verzichten.“ Dr. Uwe Stoll von den Grünen ging auf den Personalabbau ein, mit dem die Ziele der Konsolidierung erreicht werden sollen. Die gleichzeitig anvisierte Erhöhung des Anteils auswärtiger Patienten klinge nach einer Arbeitsverdichtung. Die finanzielle Belastung der Kliniken sei zu viel für den Landkreis, „der jetzt schon alles wegspart“, so Stoll.

Aufbruchstimmung erzeugt

Egon Beck von der SPD meinte, es gebe Hoffnung. Mit ein Grund dafür sei die von Marc Nickel erzeugte Aufbruchstimmung. „Sie arbeiten mit Zahlen, Daten und Fakten – dies war leider nicht immer so.“ Beck forderte für Marbach und Vaihingen Transparenz ein, um „überflüssige Diskussion mit einem falschen Zungenschlag“ zu vermeiden.

Ein wenig erfreuliches Bild zeichnete Cem Ercetin (LuV). Zu den Defiziten der Kliniken würden noch Bürgschaften, Kredite und Sicherheiten für bestehende Darlehen hinzukommen, ohne die Unterstützung des Landkreises wären die Häuser nicht handlungsfähig. „Dies darf kein Dauerzustand werden.“ Und nach der Schließung in Vaihingen hätten die Bürger einen Anspruch auf eine erreichbare und verlässliche Versorgung. „Der Landkreis trägt eine Mitverantwortung“, so Ercetin im Kreistag. 

 
 
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