Kreis Ludwigsburg Haustiere und Hitze: „Das ist ein Riesenproblem“

Von Lisa Lorenz
Dr. Friedrich Lindner mit einem seinem Isländer vor der Tierarztpraxis Wilhelmshof. An mehr tierischen Patienten mit Durchfall, der häufig Überhitzung als Ursache hat, merkt er, wie sich die hohen Temperaturen der vergangenen Wochen auf die Tiere auswirken. Foto: /Oliver Bürkle

Wie man seinem Haustier den heißen Sommer erträglicher machen kann und auf welche Symptome man achten sollte, erklärt Tierarzt Dr. Friedrich Lindner.

Den Menschen macht die Hitze der vergangenen Wochen zu schaffen, das haben die meisten am eigenen Leib erfahren. Den gängigen Haustieren (Hund, Katze, Nager, Pferd) geht es derweil nicht anders: „Haustiere kommen nicht mit der Hitze zurecht. Sie sind vom Menschen abhängig und müssen entsprechend gehalten werden“, sagt Dr. Friedrich Lindner. Der Fachtierarzt für Pferde ist Gründer der Tierarztpraxis Wilhelmshof in Bietigheim-Bissingen.

Wasserhaltiges Futter

„Die Hitze ist ein Riesenproblem“, sagt er, zum Beispiel deshalb, weil viele Arten nicht schwitzen können, darunter Hunde, Katzen und Nager. Sie müssen über die Maulhöhle die Temperatur ausgleichen. Bei Nagern haben es Wildkaninchen unter Umständen leichter als zuhause gehaltene, denn erstere können sich in ein kühles Loch verkriechen. Für die Abkühlung im Käfig kann ein feuchtes Tuch über ihn gelegt werden – natürlich ohne, dass sich Luft darunter stauen kann. Damit die Tiere hydriert bleiben, könne man bei der Fütterung auf wasserhaltiges Obst und Gemüse wie Äpfel, Gurke und Paprika achten.

Hunden und Katzen kann man mehrere Tränkstellen anbieten, außerdem könne man auf Nassfutter umstellen, dieses enthält mehr Flüssigkeit als Trockenfutter. Neben genügend Wasser seien Schatten und kühle Stellen essenziell für das Überleben der Tiere während der Hitze. So könne man dem Tier Kühlpads, eingewickelt in ein Handtuch, anbieten. Pferden und Hunden kann man mit Wasser die Beine kühlen, oder das Tier baden beziehungsweise abspritzen. „Alles, was kühl ist, leitet Wärme ab“, erklärt Lindner.

Im Haus sollten die Tiere deshalb einen kühlen Platz, beispielsweise auf Fliesen im Hausflur, haben. Niemals dürfe das Tier im Auto gelassen werden, „das ist das Übelste“ – aber auch in Zimmern sollte darauf geachtet werden, die Rollläden unten zu lassen und das Tier nicht in einem von der Sonne erhitzten Zimmer zu lassen.

Früh morgens Gassi gehen

Mit dem Hund muss man aber dennoch nach draußen: Gassi sollte man bei Hitze früh morgens und spät abends gehen. „Der Asphalt ist heiß, darauf kann man mit dem Hund nicht laufen.“ Es gebe zwar auch Schuhe für Hunde – Theorie und Praxis würden hier aber nicht immer Hand in Hand gehen. Ist man mit dem Hund unterwegs, sollte darauf geachtet werden, ihn nicht aus verdreckten Pfützen trinken zu lassen, „die sind voller Keime“. Müssen Hund, Katze oder Nager im Auto transportiert werden, sollte man auch das bei möglichst geringer Hitze planen – und die Klimaanlage nur mäßig laufen lassen, sodass die Differenz zwischen der Temperatur im Auto und der draußen nicht zu groß ist. Die Zugluft kann die Bindehaut der Tiere reizen. Das gilt auch für Ventilatoren: Wenn die Tiere es mögen, sei es in Ordnung, so Lindner, aber es könnte zu Bindehautproblemen kommen.

Umgang mit Hitze ist typabhängig

Bei den Hunden vertragen verschiedenen Rassen Hitze unterschiedlich: Kurzhaar-Rassen seien im Vorteil gegenüber Rassen mit langem Fell und Unterwolle, diese seien mehr belastet. Auch würden Hunde aus südlicheren Ländern häufig mehr Hitze abkönnen. Aber der Umgang mit der Hitze sei auch typabhängig: „Es gibt Hunde, denen macht es nichts aus.“

Pferde halten die Hitze von den Haustieren mit am besten aus, benötigen aber ebenfalls Schatten, auf der Weide zum Beispiel durch Bäume oder einen Unterstand, und jederzeit Zugang zu Wasser. Auf den Weiden gibt es gerade ein weiteres Problem: „Da steht nichts mehr“. Aufgrund der Trockenheit wächst kein neues Gras nach, was bedeutet, dass Pferde zusätzlich Heu bekommen. Dieses enthält weniger Wasser als Gras, die Pferde müssen also mehr trinken.

Im Gegensatz zu den anderen Haustieren schwitzen Pferde wie Menschen am gesamten Körper. Dann kann man sie mit einem Schweißmesser abziehen. Wie beim Gassigehen werden Pferde bei heißen Temperaturen am besten morgens oder abends geritten oder bewegt, „dann sind sie auch leistungsfähiger“. Bloß dunkel sollte es noch nicht beziehungsweise nicht mehr sein, denn das passe nicht zu ihrem Tagesrhythmus und sei dann „nicht so angenehm“. Als Hitzeschutz könne Pferden auch eine dünne Decke aufgelegt werden; im Gegensatz zu Hunden, „die wollen das eher nicht“. Wenn es dem Pferd beim Reiten zu heiß wird, zeige es das durch vermehrtes Schwitzen und früher einsetzende Ermüdung an.

Mehr Durchfallerkrankungen

Ähnlich bei Hunden: „Der Hund zeigt an, wenn es ihm reicht.“ Die Grenze, wie viel Hitze welches Tier aushält, sei wie beim Menschen individuell. Bei Hunden, Katzen und Nagern sei Hecheln das erste Zeichen, dass dem Tier warm ist. Weitere Anzeichen für eine Überhitzung seien körperliche Erschöpfung des Tiers sowie Erbrechen oder Durchfall. Gerade Durchfallerkrankungen seien häufig der Hitze geschuldet. Dass sie gerade zunehmen, merke Lindner auch in seiner Praxis.

 
 
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