Kreis Ludwigsburg Hitzewellen belasten auch die Kliniken

Von Yannik Schuster
Bei extrem heißen Temperaturen kommt es immer wieder zu hitzebedingten medizinischen Notfällen. Für die Krankenhäuser ergibt sich dadurch eine Mehrbelastung. Foto: picture alliance/dpa/Frank Hammerschmidt/

Die RKH-Kliniken im Kreis Ludwigsburg mussten während der zurückliegenden Hitzeperiode bis zu 20 Prozent mehr Patienten versorgen. Ein Todesfall wurde dabei verzeichnet.

Die vergangene Hitzewelle liegt nur wenige Wochen zurück, da lässt sich schon die nächste am Horizont erahnen. Alleine im Juni geht das Robert-Koch-Institut davon aus, dass rund 5000 Menschen in Deutschland an den Folgen der extrem hohen Temperaturen gestorben sein sollen. Die BZ hat bei den RKH Kliniken nachgefragt, wie sie jene Zeit erlebt haben und wie sie sich auf kommende Hitzeperioden vorbereiten.

Tatsächlich sei die zusätzliche Belastung aufgrund der längeren Hitzewelle Ende Juni bis Anfang Juli vor allem an den Wochenenden sehr hoch gewesen, teilt Pressesprecher Alexander Tsongas mit. In den Notaufnahmen wurde demnach an den Wochenenden ein erhöhtes Patientenaufkommen um zehn bis 20 Prozent gemessen. Darüber hinaus gab es auch in den Kliniken des Kreises einen Todesfall, der mit der Hitze in Verbindung zu bringen sei.

Hitzewellen sind für die Kliniken grundsätzlich kein neues Phänomen, auch wenn die Zahl der Patienten in diesem Jahr geringfügig höher gewesen sei. Eine genaue Ermittlung der Fallzahlen sei allerdings schwierig, weil nicht immer eindeutig festzustellen sei, ob Symptome auf die Hitze oder aber andere Faktoren zurückzuführen sind, erklärt Tsongas.

250 Kilo medizinisches Eis

Ankommende Patienten werden entsprechend ihrer Diagnose – häufig einem Kreislaufzusammenbruch, Dehydrierung oder aber beispielsweise Herz-Kreislauf-, Lungen- oder Nierenerkrankungen – behandelt. Darüber hinaus sagt Tsongas: „Seit 15. Juli bevorraten wir in der Zentralen Notaufnahme 250 Kilogramm medizinisches Eis, sowie Wasserkühlsäcke für Patienten und Wasserkühlwannen, um bei schwer überhitzten Patienten notfallmäßig von außen in die Temperaturregulation eingreifen zu können.“

Grundsätzlich folgen die Krankenhäuser dem Hitzeaktionsplan und dem Maßnahmenplan des Landkreises, der auch für Privatpersonen gilt. In der Praxis bedeutet das: Nachts und früh morgens lüften, Fenster tagsüber schließen und abdunkeln, Einsatz von Ventilatoren, Reduzierung von Wärmequellen, Kühlung durch feuchte Tücher und Kühlpacks. Man stelle Getränke bereit und ermutige Patienten aktiv zum Trinken, sagt Tsongas. Außerdem reiche man leichte und wasserreiche Kost. Außerdem müsse die Dosis verabreichter Medikamente mit Einfluss auf den Elektrolyt- und Wasserhaushalt des Körpers und die Thermoregulation überprüft werden. Die Mitarbeiter erhalten darüber hinaus kostenloses Mineralwasser.

In Sachen Klimatisierung gibt es jedoch Nachholbedarf. Zwar seien einige Räume, etwa Röntgen, Eingriffs- oder Behandlungsräume entweder mit Klimaanlagen ausgestattet oder innenliegend und somit weniger von der Hitze betroffen. Die stationären Patientenzimmer jedoch seien nicht klimatisiert. Nun würde eine umfassende bauliche Klimaanpassung der Krankenhäuser enorme Investitionskosten verursachen. Nach der dualen Krankenhausfinanzierung wären dafür die Bundesländer verantwortlich. „Krankenhausverbände weisen seit Jahren darauf hin, dass die von den Ländern bereitgestellten Investitionsmittel den tatsächlichen Bedarf nicht decken. Sie fordern deshalb ein zusätzliches, zweckgebundenes Förderprogramm des Bundes, um die notwendige Klimaanpassung der Krankenhäuser voranzubringen“, sagt Alexander Tsongas. Bis es soweit ist werden wohl auch kommende Hitzewellen zur Belastung für Patienten und Mitarbeiter.

 
 
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