Die Musik und die Küche waren immer an meiner Seite“, sagt Peter Anchico-Valencia. Der derzeitige Azubi im Hotel und Restaurant Adler in Asperg kommt aus Esmeraldas in Ecuador, war ein Jahr lang Au-pair in Sachsenheim, sang im Bietigheim-Bissinger Chor „Chorporation“ und kocht jetzt im zweiten Lehrjahr im Adler. Wie kam es zu diesem Lebenslauf?
Kreis Ludwigsburg „Ich schneide im Rhythmus des Lieds“
Peter Anchico-Valencia verschlug es von Ecuador über Sachsenheim und Bietigheim-Bissingen nach Asperg. Dort kocht er nun singend im Hotel und Restaurant Adler.
Aufgewachsen sei er viel mit Vater und Schwester, von ihr lernte Anchico-Valencia, wie man Kochbananen schält und welche verschiedenen Möglichkeiten es gibt, sie zu verarbeiten. Als seine Mutter, die zuvor in Spanien war, nach Hause kam, lernte er bei ihr weiter. Seine Mutter eröffnete ein Restaurant, Kochbananen waren hier die Spezialität. „Meine Schwester und meine Mutter haben mir alles übers Kochen beigebracht“, erzählt er.
Das erste Mal gesungen hat der Azubi auf einer Familienparty – Karaoke. Danach habe seine Mutter gefragt, warum er nicht singe. Ein Probebesuch im Chor verlief erfolgreich, und so verbrachte Anchico-Valencia das Jahr nach der Schule kochend und singend: morgens im Restaurant, abends im Chor. Am Wochenende sang er auf Konzerten.
Gesangsstudium und Musiklehrer
In den nächsten Jahren studierte Anchico-Valencia Gesang und Musikpädagogik, unterrichtete Gesang und Musikerziehung. Er spielte in Opern und Musicals mit, besuchte zwei Chöre.
Aber es zog ihn raus in die Welt: „In Ecuador habe ich immer an die Zukunft gedacht. Ich wollte eine neue Kultur und neue Leute kennenlernen.“ Im Internet sah er Bilder der Mauer in Berlin und von Schloss Neuschwanstein, und dachte sich daraufhin: „Warum nicht?“ Seine Familie unterstützte sein Vorhaben. Und so verschlug es ihn über eine Au-pair-Agentur zu einer Familie nach Sachsenheim, genauer gesagt nach Häfnerhaslach. Das Gespräch mit der Familie lief gut, die Aufgaben und die Zeiteinteilung haben dem 28-Jährigen gefallen.
Im ersten Monat als Au-pair habe er mit den zwei- und vierjährigen Kindern noch Englisch gesprochen. Aber die Kinder müssen ihn verstehen, sagte die Mutter dann, und so absolvierte Anchico-Valencia einen Deutschkurs.
Chormitglied in Bietigheim
Die Gastfamilie war es auch, die ihn ermutigte, in der Freizeit etwas zu unternehmen, um Kontakt zu knüpfen. Also besuchte Anchico-Valencia den Bietigheim-Bissinger „Chorporation“-Chor. „Es war ein schönes Verhältnis“, sagt er über die Beziehung zur Gastfamilie, mit der er immer noch in Kontakt steht. Im Frühling 2025 endete sein Au-pair-Jahr. Eigentlich wollte er in seinem erlernten Beruf arbeiten, aber sein Abschluss als Musiklehrer wurde in Deutschland nicht anerkannt. „Am Anfang hat mich das frustriert. Ich hatte das Gefühl, ich habe viel gelernt für nichts.“
Er solle etwas Neues finden, sagte seine Familie, und seine Gastfamilie half ihm, eine Ausbildung zu finden. Er bewarb sich über das Arbeitsamt beim Hotel und Restaurant Adler in Asperg, wurde angenommen, und durfte seine Ausbildung früher – im April 2025 – beginnen, um nicht vor deren Beginn noch mal zurück in die Heimat reisen zu müssen, wie Eigentümer Christian Ottenbacher erklärt. Wenn Anchico-Valencia in der Küche des Adlers kocht, muss er dazu singen. „Am Anfang kam das manchen komisch vor, aber später fanden sie es gut. Das macht Stimmung“, sagt der Azubi. Zumal er gar nicht anders kann: „Wenn ich koche, kann ich nicht ruhig sein. Ich schneide im Rhythmus des Lieds.“ Singen und Kochen seien beides Kunstarten, findet er. Zweiteres war am Anfang noch schwierig, mit all den neuen Vokabeln und Gerichten, dazu noch der schwäbische Dialekt. Aber er lerne alles, und es mache ihm Spaß.
Einblicke auf Instagram
In Zukunft möchte er eigene Events veranstalten, bei denen er kocht und singt. Momentan betreibt Anchico-Valencia das schon im Kleinen auf Social Media. Seit etwa drei Monaten zeigt er dort Gerichte, vor allem mit Kakao und Kochbananen, und singt während der Zubereitung für seine Zuschauer. Auch darüber möchte er mehr mit den Deutschen in Kontakt kommen und ihnen „etwas Neues zeigen“. Sein Instagram-Name „chococao.vibes“ beruht dabei auf seinem Spitznamen „Choco“, den ihm seine Freunde in seinem Heimatland gegeben haben.
Social Media Vollzeit zu machen, wenn es funktioniert, könne er sich vorstellen. Außerdem werde sein Gesangsabschluss vielleicht doch noch anerkannt, daran arbeite er gerade. Aber jetzt wolle er erst einmal in der Gegenwart bleiben. Eins steht für Anchico-Valencia jedoch fest: „Ecuador ist mein Herz, aber ich will in Deutschland bleiben.“
