Die Zahlen der Kirchenaustritte sind kürzlich bekannt gegeben worden. Bei der katholischen Kirche sind im Dekanat Ludwigsburg 1655 Menschen ausgetreten, etwas mehr als 2024 (1596). Im evangelischen Kirchenbezirk Ludwigsburg sind 2025 1053 Menschen ausgetreten (2024: 1041). Auch wenn jeder, der austritt, „einer zu viel ist“, bezeichnet der katholische Dekan Alexander König die Lage als „relativ stabil“. Der evangelische Dekan für den Kirchenbezirk Vaihingen-Ditzingen, Prof. Dr. Johannes Zimmermann, geht davon aus, dass die oft angeführte Kirchensteuer „der Rationalisierung des Austritts dient“, sagt er.
Kreis Ludwigsburg Jeder der austritt, „ist einer zu viel“
Die Kirchenaustritte in der katholischen und evangelischen Kirche sind relativ stabil. Die Dekane machen die Entfremdung dafür verantwortlich. Doch es gibt auch Wiedereintritte.
Dekan König hat den Eindruck, dass es vor zwei bis drei Jahren vor allem die Engagierten gewesen seien, die die Kirche frustriert verlassen hätten. Mittlerweile würden vor allem diejenigen austreten, die mit der Kirche nichts weiter verbinden. Aber da die Kirchensteuer mit der Einkommenssteuer eingezogen wird, würden viele diese Posten wie andere Mitgliedschaften etwa im Fitnessstudio regelmäßig auf den Prüfstand stellen. „Dennoch ist es schade, dass sie die Reißleine ziehen“, sagt König.
„Die Taufe gilt“
Sein theologischer Blick darauf ist ein etwas anderer: „Die Taufe gilt“, sagt der Theologe. Damit sei man auch Teil der Kirche. Dieses Prinzip würde ihn auch leiten, wenn er Verstorbene beerdigt, obwohl sie ausgetreten sind – wenn er von den Angehörigen darum gebeten werde. Es sei etwas anderes, wenn er wisse, dass der Verstorbene das nicht gewollt hätte.
Den Austritten stehen vereinzelte Wiedereintritte gegenüber. 2025 waren es im katholischen Dekanat 28 (2024: 42). Das seien Menschen, die wieder zur Gemeinde dazugehören wollten oder die den Austritt bereuten. Während ein Austritt über das Standesamt läuft, ist ein Wiedereintritt kein Problem, bürokratisch innerhalb der Kirche jedoch etwas aufwendiger, sagt König. Der Gläubige wendet sich dazu an die Gemeinde, der Pfarrer schreibt einen begründeten Antrag.
Austrittswillige werden nicht nach den Gründen für ihre Entscheidung gefragt. Dennoch wird ihnen ein Gespräch angeboten. Von einzelnen bekomme er eine Rückmeldung, sagt König. Eine Frau habe ihm zum Beispiel gesagt, dass es nichts mit ihm oder der Kirchengemeinde zu tun habe. Aber die Ansicht der Kirche über Frauen sei für sie nicht mehr tragbar. „Ich habe Achtung davor, wenn sich Menschen melden“, sagte König.
Ob die Kirche aufgrund der Umstrukturierungen zu Raumschaften für Gläubige an Attraktivität verliert, davon geht Alexander König nicht aus: „Die Kirchen bleiben erst einmal erhalten, die Kirchengemeinden werden größer“, sagt er. Damit bleibe ein Treffpunkt für die Gemeindemitglieder erhalten. „Aber die Menschen werden weniger, das tut uns allen weh“, sagt König. Trotz dieses Trends gebe es wieder viele Taufen. Er habe den Eindruck, dass junge Eltern ihren Kindern „alles Gute mitgeben wollen“.
Die evangelische Kirche
Im evangelischen Kirchenbezirk Ludwigsburg stehen 390 Taufen in 2025 den 330 in 2024 gegenüber. Wiederaufnahmen von Gläubigen gab es im vergangenen Jahr 54 (2025: 36). Doch das sind nur vorläufige Zahlen, sagt der Sprecher der Landeskirche, Dan Peter. Die endgültigen Zahlen liegen erst im Sommer vor. Er geht davon aus, dass auf fünf Austritte etwa ein Eintritt oder eine Erwachsenentaufe kommt. Vor allem Jüngere zwischen 1995 und 2005 würden verstärkt wieder in die Kirche eintreten, so sein Eindruck. Er hat das Wiedereintrittstelefon betreut, über das man der Kirche unkompliziert wiederbeitreten könne und war fasziniert von den Gesprächen. Einige meinten, dass sich der Austritt nicht richtig angefühlt hätte, sagt er.
Angebote gegen Einsamkeit
Der Dekan für den evangelischen Kirchenbezirk Vaihingen-Ditzingen, Prof. Dr. Johannes Zimmermann, ist davon überzeugt, dass der Hauptgrund für die Kirchenaustritte in der Entfremdung von der Kirche liegt. Diese sei weniger stark bei ehrenamtlich Engagierten zu beobachten, die die Kirche zu einer Volkskirche machen würden. Obwohl Vaihingen früher ein Oberamt war, „sind wir als Volkskirche sehr gut aufgestellt“, sagt Zimmermann. Dabei gebe es auch Angebote gegen Einsamkeit. Er wünsche sich, dass diese Angebote auch wahrgenommen werden.
Übernahme einer Patenschaft, berufliche Gründe oder weil man den Austritt als voreilig empfindet: Der Vaihinger Dekan bemüht sich darum, Kirchenwiedereintritte in der Öffentlichkeit sichtbarer zu machen. „Wir ermutigen Menschen dazu, diesen Schritt auch öffentlich zu machen“, sagt er. Manche würden dieses Angebot annehmen – wie der Vaihinger Oberbürgermeister Uwe Skrzypek-Muth, der vor Kurzem der Kirche in einem Gottesdienst wieder beigetreten ist.
