Die Straftaten im Einzugsgebiet des Polizeipräsidiums Ludwigsburg sind 2025 deutlich zurückgegangen. Das ging aus der polizeilichen Kriminalstatistik hervor, die vergangene Woche veröffentlicht wurde (die BZ berichtete). Polizeivizepräsidentin Silke Kübler warnte im Rahmen eines Pressegesprächs jedoch: „Ich sehe keinen Anlass zur Entwarnung.“ Denn trotz eines teilweise spürbaren Rückgangs der Fallzahlen 2025 sei etwa bei den Rohheitsdelikten (davon machen 60 Prozent Körperverletzungen aus), Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung oder der häuslichen Gewalt ein steigender Langzeittrend zu verzeichnen.
Kreis Ludwigsburg „Kein Anlass zur Entwarnung“
Trotz eines Rückgangs zahlreicher Delikte im Jahr 2025 stellt Polizeivizepräsidentin Silke Kübler einen wenig erfreulichen Langzeittrend fest.
Zahlen nicht immer aussagekräftig
Weniger aussagekräftig sei in diesem Zusammenhang jedoch der Anstieg der Tötungsdelikte. Bei den 35 Fällen in den Landkreisen Böblingen und Ludwigsburg sei es in 80 Prozent der Fälle beim Versuch geblieben, wie Achim Böskens, Leitender Kriminaldirektor der Kriminalpolizeidirektion, berichtete. Insgesamt seien demnach vier Menschen durch bewusste Gewalttaten ums Leben gekommen. Auf der anderen Seite jedoch verzeichne man einen vergleichsweise niedrigen Wert an gefährlichen Körperverletzungen. Da es sich hierbei um einen fließenden Übergang zu den Tötungsdelikten handle, könne man insgesamt von einem Rückgang der Gewalttaten sprechen.
Für die Kriminalpolizei sei das Jahr 2025 nichtsdestotrotz ein außergewöhnliches und herausforderndes gewesen, so Böskens. Das liege unter anderem an drei versuchten Tötungsdelikten, in deren Zusammenhang die eigens ins Leben gerufene Soko Frost (die BZ berichtete) bislang acht Festnahmen getätigt hat. Aber auch andere Einsatzgruppen in den Landkreisen Ludwigsburg und Böblingen haben die Polizei auf Trab gehalten.
Im Bereich der Sexualstraftaten sei die Statistik ob des großen Dunkelfelds ohnehin nur eingeschränkt aussagekräftig. Das Gros der Fälle würden hierbei exhibitionistische Handlungen, die Verbreitung pornografischer Inhalte sowie sexuelle Belästigung ausmachen. Überfallartige Übergriffe ohne Beziehung zwischen Täter und Opfer seien sehr selten. Im vergangenen Jahr ist nur ein Fall aus Kornwestheim bekannt.
Keinen Rückgang stellt die Polizei bei der Verbreitung kinder- und jugendpornografischer Inhalte fest. Wobei es sich bei einem Großteil der Fälle um das Verschicken von Bildern unter Gleichaltrigen handle. Pädophile Erwachsene seien deutlich seltener.
Warum die allgemeine Aufklärungsquote so deutlich zurückgegangen ist, untersuche man laut der Polizeivizepräsidentin derzeit. Eine mögliche Erklärung sei, das unter dem Rückgang von Delikten wie Diebstählen, bei denen man häufig gleich einen Täter mitgeliefert bekomme, auch die Aufklärungsquote leide.
Unfallbilanz fällt positiv aus
Grundsätzlich erfreulich seien die Zahlen der Unfallbilanz. Zwar habe man mehr Unfälle mit Personenschaden zu verzeichnen, die Anzahl Schwerverletzter liege jedoch auf dem niedrigsten Wert der vergangenen zehn Jahre, führte Erwin Grosser, Leitender Polizeidirektor der Schutzpolizeidirektion, aus. Seit 2016 habe man hier einen Rückgang um rund 40 Prozent zu verzeichnen. Tragisch sei die gestiegene Anzahl im Verkehr Getöteter. Einen Trend leitet Grosser daraus aber nicht ab. Bisweilen handele es sich schlicht um unglückliche Umstände. Eine Entwicklung, die man hingegen sehr wohl zur Kenntnis nehme, ist die steigende Zahl an Unfällen mit motorisierten Zweirädern. Unter anderem mit Blick auf die Motorradfahrer stellte Grosser fest, dass diese entgegen bisheriger Trends wieder mehr werden. Eine gute Entwicklung konstatierte er mit Blick auf den Rückgang der Unfälle mit Fahrradfahrern. Mit der Fahrradgruppe der Polizei versuche man, weiter mit den Radfahrern ins Gespräch zu kommen.
Für das Jahr 2026 will die Polizei die Themen Geschwindigkeit und Ablenkung besonders in den Fokus rücken.
