Kreis Ludwigsburg Kinder und Hitze: Darauf sollte man achten

Von Petra Neset-Ruppert
Auf die Jüngsten muss man bei Hitze besonders achten. Neben der Abkühlung im Schatten ist auch ausreichendes Trinken essenziell, um gut durch die heißen Tage zu kommen. Foto: /dpa/Andreas Arnold

Der Kinderarzt Dr. Oliver Harney aus Bietigheim-Bissingen erklärt wie Eltern den Nachwuchs gut durch die heißen Tage bringen können.

Wenn die Temperaturen auf dem Thermometer steigen und das Landratsamt Hitzewarnungen herausgibt, dann müssen alle Kreisbewohner auf sich achten. Doch was ist mit den Jüngsten? Wie schützt man Kinder bei diesen extremen Temperaturen? Und wie kommt man mit ihnen gut durch die heißen Tage? Der Bissinger Kinderarzt Dr. Oliver Harney hat der BZ erklärt, worauf Eltern achten sollten.

„Bei Säuglingen muss man sich am wenigsten Gedanken machen. Die haben einen viel schnelleren Instinkt und wenn sie Durst oder Hunger haben, melden sie sich sofort“, kann Harney schon mal alle frischgebackenen Eltern mit Säuglingen beruhigen. Auf Einjährige müsse man hingegen mehr achten, sagt der Mediziner.

Im Spiel kann da auch mal das Trinken vergessen werden, allerdings laufe man als Eltern auch Gefahr, dem Kind das Getränk zu häufig anzubieten, sodass viele Kleinkinder dann auch gerne mal aus Protest das Trinken verweigern. „Lieber sollte man beim Trinken eine Routine entwickeln und das spielerisch vermitteln. Dadurch entsteht dann kein Gegenreflex“, erklärt der Kinderarzt.

Woran erkennt man, dass Kinder zu viel Hitze und Sonne abbekommen haben? „Eltern haben da eigentlich immer ein gutes Gefühl dafür und merken, wann sich die Kinder nicht mehr wohlfühlen“, betont Harney. Meist werden Kinder besonders quengelig oder sie werden lethargisch und schlafen außerhalb ihrer regulären Schlafzeiten ein. Das können alles Warnsignale sein. „Körperlich ist es schwer festzustellen, ob das Kind zu viel Hitze und Sonne abbekommen hat, denn wer achtet denn schon genau auf das regelmäßig Urin lassen oder untersucht die Schleimhäute“, sagt der Kinderarzt. Deshalb gilt bei ihm die Devise: „Wenn ich glaube, dass mein Kind zu wenig getrunken hat, dann darf es trinken, was es will. Hauptsache man bekommt Flüssigkeit in das Kind, auch wenn es die Fanta oder das süße Apfelschorle ist.“

Als Eltern mit gutem Beispiel vorangehen

Flüssigkeit können die Jüngsten auch nicht nur über Getränke, sondern auch über andere Lebensmittel aufnehmen. Wassermelonen und Gurken enthalten zum Beispiel sehr viel Wasser. Auch mit einem Wassereis könne man ganz unkompliziert Kindern Flüssigkeit zuführen. Bei den Getränken kann man den Kindern auch mit dünn gemischten Fruchtsaftschorlen oder selbst gemachtem Eistee das Trinken attraktiver machen. „Natürlich sollte das Standardgetränk das Wasser sein. Da müssen wir auch als Eltern mit gutem Beispiel vorangehen. Aber ab und an einen anderen Geschmack anbieten ist auch in Ordnung“, sagt Harney.

Von fertigen Eistees rät er jedoch ab: „Neben dem hohen Zuckergehalt ist in den meisten Eistees auch Koffein enthalten. Das ist ein selbstgekochter kalter Früchtetee die bessere Wahl.“

Kinder müssen auch ein Durstgefühl entwickeln

Wovon der Kinderarzt jedoch abrät ist, die Kinder ständig mit einer Trinkflasche herumlaufen zu lassen. „Da wird das ständige trinken und nuckeln zu einer Beschäftigung und die Kinder können kein Durstgefühl entwickeln“, so Harney. Lieber sollten Eltern in regelmäßigen Abständen gemeinsam mit den Kindern trinken und eine Flasche Wasser parat haben, wenn die Kinder sich mit Durst melden.

Wer von Anfang an und auch das ganze Jahr über das „richtige Verhalten in der Sonne“ mit den Kindern übt, hat es in extremen Hitzeperioden leichter, denn dann wissen die Kinder bereits selbst: In der Sonne wird nur mit Hut gespielt und das auch nicht zu lange. Regelmäßige Pausen drinnen im Kühlen und das obligatorische Eincremen mit Sonnenschutz gehören dann einfach dazu. „Ganz einfach kann man dann den Spielfokus in den Schatten verlegen und vielleicht sogar eine Art Siesta etablieren“, sagt der Bissinger Kinderarzt.

Wichtig sei es auch bei Säuglingen, einen Hitzestau zu vermeiden, also nicht zu warm anziehen und kein Tuch über den Kinderwagen legen: „Da staut sich sonst die Hitze und das ist wirklich schlecht. Die paar Sonnenstrahlen, die ein Baby so abbekommt, sind nicht schlimm, das Gesicht ist ja meistens sowieso im Schatten.“ Im Kinderwagen müsse die Luft zirkulieren. Das sei am wichtigsten. Und natürlich dürfe man Kinder und Säuglinge weder eine Sekunde, noch eine Minute mal eben kurz im Auto lassen, da bei starker Sonneneinstrahlung innerhalb kürzester Zeit das Fahrzeug zur Hitzefalle wird.

Am ehesten kämen Jugendliche mit den Folgen eines Sonnenstichs oder einer Dehydrierung in die Kinderarztpraxis. „Sie vergessen am ehesten mal das Trinken“, weiß der Kinderarzt. Eltern sollten gemeinsam mit den Jugendlichen einen Blick auf die Tagesaktivitäten an heißen Tagen haben. Reicht da eine Flasche Wasser, wenn man den ganzen Tag im Freibad ist? Vielleicht wird dann nur der halbe Tag draußen verbracht und die andere Hälfte im Kühlen und ohne Sonne.

Gerade wenn Jugendliche einen Sonnenstich erleiden, ist die Regeneration besonders wichtig: „Ein Sonnenstich bedeutet Veränderungen am Gehirn, da sich dort Wassereinlagerungen bilden. Davon muss man sich ausreichend erholen und ausruhen.“

 
 
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