Kreis Ludwigsburg Kindermangel in der Betreuung?

Von Lisa Lorenz
Noch sind die meisten Kinderbetreuungsplätze abgedeckt. Für Tageseltern kann jedoch schon der Wegfall von wenigen Kindern existenzbedrohend sein. Foto:  

Der Geburtenrückgang macht sich auch im Kreis bemerkbar. Vor allem die U3- Betreuung berichtet von freien Plätzen. In einer Krise befinden sich die Betreuungen aber noch nicht.

Jährlich werden weniger Kinder geboren. Konnten Kindertagesstätten und Tageseltern sich noch vor ein paar Jahren nicht vor Anfragen retten, sieht es mittlerweile anders aus. Besonders für Tageseltern, die weniger Kinder betreuen als Kitas, können freie Plätze schnell zur Existenzbedrohung werden. Noch scheint die Krise aber nicht da zu sein, vielmehr berichten Städte und Tageseltern von weniger, aber noch genügend Anfragen und ein paar freien Plätzen.

„Die Anfragen nach Betreuungsplätzen in der Kindertagespflege sind bundesweit rückläufig“, teilt Marianne Harr vom Landratsamt Ludwigsburg mit. Mögliche Gründe seien einerseits der Geburtenrückgang, andererseits aber auch der Ausbau von Krippen und Kitas in den Kommunen und wirtschaftliche Gründe der Eltern. Jedoch gebe es auch einzelne Kommunen im Landkreis Ludwigsburg mit weiterhin hoher Nachfrage nach Plätzen.

Auf die Frage, seit wann die Situation besteht, antwortet Harr, dass die Zahlen in der Kinderbetreuung bereits seit 2019 rückläufig sind. Speziell im Vergleich zum Vorjahr 2025 würden in 2026 63 Kinder weniger in einer Kindertagespflege betreut werden. Am Stichtag, dem 1. März 2026, seien 176 Tagespflegeplätze im Landkreis frei gewesen. „Allerdings können nicht alle dieser Plätze bei Elternanfragen tatsächlich berücksichtigt werden, da manche Kindertagespflegepersonen keine Auslastung mit der maximal möglichen Belegung von fünf Plätzen anstreben. Es handelt sich also um eine rein rechnerische, grobe Differenzrechnung.“

Ob Tageseltern im Landkreis wegen zu wenig Anfragen bereits ihre Tätigkeit aufgeben mussten, könne nicht gesagt werden – es gebe zwar Pflegestellen mit freien Plätzen und auch Tageseltern, die ihren Beruf aufgegeben haben. Die Gründe dafür seien aber vielfältig und auch subjektiv. Maßnahmen wie beispielsweise eine verkürzte Öffnungszeit würden eher nicht durchgesetzt, da die Attraktivität des Betreuungsangebots und auch das Einkommen der Tageseltern darunter leiden würden.

Tagesmutter bestätigt Rückgang

„Ich kann bestätigen, dass die Anfragen zurückgehen“, sagt Tagesmutter Sabine Britsch aus Erligheim. Allerdings gebe es immer noch so viele Anfragen, dass ihre Tagespflege bis Ende 2027 voll belegt sei. Seit 20 Jahren ist sie bereits Tagesmutter. In dieser Zeit war das immer wieder Thema, wenn es einen geburtenschwachen Jahrgang gab. Aber es sei auch immer wieder aufwärts gegangen. „Vielleicht müssen wir jetzt einfach durch diese ‚Saure-Gurken-Zeit’, und danach kommen wieder mehr Anfragen“, vermutet Britsch. Den Geburtenrückgang sieht sie allerdings nicht als primäre Ursache an. Tageseltern seien vielmehr nicht präsent genug, die Eltern würden nicht wissen, dass sie die Kosten nicht komplett selbst übernehmen müssen. Außerdem seien viele neue Kitas entstanden sowie Tageseltern angeworben worden, obwohl es schon genug gegeben habe.

Eltern träfen außerdem mittlerweile andere Entscheidungen, betreuen ihr Kind beispielsweise selbst, auch aus finanziellen Gründen. Dennoch: Von ein paar Tageseltern im Kreis habe sie bereits gehört, dass sie wegen fehlender Anfragen aufgehört haben. Und auch Britsch weiß: „Als Tagesmutter lebe ich davon, zahle meine Rechnungen damit. Wenn keine Anfragen mehr kommen, brauche ich etwas anderes.“ Zwar sollten auch Kitas voll besetzt sein, aber wenn dort ein oder zwei Plätze freibleiben, ist nicht direkt die Existenz der Erzieher gefährdet. „Ich darf maximal fünf Kinder gleichzeitig betreuen. Vier sollten es schon sein, sonst bleibt unterm Strich nichts übrig. Mit zwei Kindern könnte ich nicht überleben“, erläutert die Tagesmutter.

Weniger Nachfrage für U3-Plätze

In Sachsenheim ist nicht bekannt, dass Tageseltern nicht genug Kinder für ihre Plätze finden, wie Pressesprecher Arved Oestringer mitteilt. Es sei zwar ein Geburtenrückgang prognostiziert, man rechne danach aber auch wieder mit einem Anstieg, sodass Planungen bezüglich städtischer Einrichtungen nicht beeinträchtigt seien. Oestringer sieht einen besonders hohen Rückgang an Platznachfragen bei den Krippenplätzen: In der Stadt Sachsenheim gebe es für dieses Jahr noch 36 Krippen- und 24 Kindergartenplätze zu vergeben.

Auch hier vermutet man diverse Gründe – darunter neue mögliche Betreuungsmodelle der Eltern, beispielsweise durch Arbeiten von zuhause aus. Weitere Ursachen sieht der Pressesprecher im demografischen Wandel und in der wirtschaftlichen Lage. Tageseltern in Sachsenheim, deren Existenz bedroht ist oder die aufhören mussten, seien nicht bekannt. Aber: „Im Kinderhaus Pfiffikus wurden die Betreuungszeiten von zehn auf sechs Stunden ab September reduziert“, sagt Oestringer. Die Auswirkungen scheinen also auch die größeren Einrichtungen erreicht zu haben.

Auch in Bönnigheim ist das Problem nicht bekannt, teilt Birgit Papendorf von der Stadtverwaltung mit. Jedoch: Im U3-Bereich habe es einen Rückgang der Anmeldezahlen gegeben, auf diesen habe man aber schnell reagiert und das Betreuungsangebot angepasst. Besonders ein- und zweijährige Kinder seien rückläufig, außerdem werde öfter eine fünfstündige Betreuung gewünscht.

„Die Veränderung ist nicht abrupt eingetreten, sondern hat sich nach und nach in den Anmeldezahlen bemerkbar gemacht.“ Hier gebe es immer Schwankungen, die Situation könne sich also auch jederzeit wieder verändern. Deshalb überprüfe man fortlaufend den Bedarf. Zur Zeit seien es zehn freie Plätze in der Kinderbetreuung Ü3, Gründe dafür seien vor allem Wegzüge aus dem Stadtgebiet – man rechnet im nächsten Kindergartenjahr damit, alle Plätze wieder zu belegen.

Papendorf sieht den Rückgang, wie auch Tagesmutter Britsch, nicht hauptsächlich in weniger Geburten begründet: „Eltern entscheiden kurzfristiger und entscheiden sich nach der Vergabe der Krippenplätze oftmals noch um, zum Beispiel für kürzere Betreuungszeiten, oder sagen den Krippenplatz ab.“ In Bietigheim-Bissingen gibt es weder bei Tageseltern, noch in den städtischen Einrichtungen leere Plätze wegen zu wenigen Kindern, sagt Pressesprecherin der Stadt Anette Hochmuth.

Wartelisten werden abgebaut

Seit etwa zwei Jahren seien die Zahlen bei den Kindern rückläufig, wodurch man Wartelisten habe abbauen können. Dazu hätten auch die im letzten und in diesem Jahr eröffneten Kinderhäuser beigetragen. „Da wir jedoch nach wie vor Engpässe bei der Zahl der pädagogischen Fachkräfte haben, müssen wir dennoch die Gruppen konzentrieren und können nicht ausweiten.“

Deshalb sei die Schließung einer Einrichtung mit zwei Gruppen geplant (die BZ berichtete), so Hochmuth. Als Ursache sieht man in Bietigheim-Bissingen einerseits den demografischen Wandel, andererseits auch weniger Zugezogene aus anderen Ländern nach Deutschland.

 
 
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