Kreis Ludwigsburg Kliniken stehen vor einer Herkulesaufgabe

Von Jörg Palitzsch
Dunkle Wolken über dem Ludwigsburger Klinikum. Foto: /Martin Kalb

Die Kreisräte mahnten bei den Entscheidungen zur Verbesserung der finanziellen Situation der Krankenhäuser Eile an.

Für Jan Trost, FW-Kreisrat, liegen die Kliniken bereits auf der Intensivstation. Trost ist Bürgermeister in Marbach, wo der verlustreiche Kliniken-Standort wie auch in Vaihingen an einen Investor verkauft werden soll, der Gesundheitsleistungen anbietet. Dieser Vorgang sei in „konkreter Bearbeitung“, versicherte Marc Nickel, medizinischer Geschäftsführer der RKH-Gesundheit in der jüngsten Sitzung des Kreistages.

Angezweifelt wurde dies vom Pleidelsheimer Bürgermeister und CDU-Kreisrat Ralf Trettner. Bislang sei nichts passiert. „Bringen Sie den Ball über die Linie“, so seine Forderung an Nickel und Axel Hechenberger, den kaufmännischen Geschäftsführer. Beide sind nach Allein-Geschäftsführer Jörg Martin die neue Doppelspitze bei den Kliniken und stehen wahrlich vor einer Herkulesaufgabe.

Trettner: Lage „desaströs“

Die Lage sei angesichts eines Defizits von 48 Millionen Euro „desaströs“, so der Befund von Trettner. Dabei habe der Landkreis schon in besseren Zeiten bis zu 15 Millionen Euro an Zinslasten für die Kliniken bezahlt. Die Kliniken würden die Kommunen fünf Punkte Kreisumlage kosten, seien aber eine unverzichtbare Einrichtung in der Verantwortung des Kreises. Jetzt sei es jedoch an der Zeit, sich von liebgewonnenen Aufgaben zu trennen und genau hinzuschauen, welche medizinischen Bereiche zum Defizit beitragen. Der Kreis hat sich selbst ein Konsolidierungsprogramm auferlegt, einsparen will man 56 Millionen Euro. Entsprechende Zahlen werden kommenden Freitag präsentiert, Trettner forderte ähnlich schnelle Bemühungen bei den Kliniken.

Auch Egon Beck von der SPD beklagte, in Vaihingen und Marbach habe man nicht rechtzeitig die Konsequenzen gezogen. Jetzt verfüge man nicht mehr über viel Zeit. Während Viola Noack (FDP) die Kliniken als „angeschlagenen Patienten“ bezeichnete, warf Nadja Schmidt (LuV) der Geschäftsführung eine kurzsichtige Personalpolitik vor. Und gekürzt werde immer noch, „denken sie um“, so ihr eindringlicher Appell.

Wunder Punkt: Notaufnahme

Marc Nickel skizzierte in der Sitzung, wie er die Kliniken aus der Misere führen will. Als Potenziale zur Optimierung nannte er die Intensivstation, die mit Neueinstellungen wieder eine hohe Leistungsfähigkeit erhalten soll. Ein wunder Punkt ist auch die Notaufnahme in Ludwigsburg, die von Menschen frequentiert werde, die gar kein Notfall sind. 67 Prozent seien zu hoch, man wolle 50 Prozent anstreben, so Nickel.

Auch die Zahl der Zeitarbeitskräfte, einer der größten Kostenverursacher, soll gesenkt werden, ebenso die hohe Verweildauer in der Ludwigsburger Klinik. Offen ist die Frage, ob im Landkreis ein Großklinikum die Kliniken in Ludwigsburg und Bietigheim ersetzen soll, ein Gutachten soll darüber Klarheit schaffen. Unter dem Strich werde man hinterfragen, wo, wie und wann man kürze, so Marc Nickel.

Landrat Allgaier nannte die Schwierigkeiten der Klinken ein „strukturelles Problem“. 80 Prozent der Häuser in der ganzen Bundesrepublik seien unterfinanziert. Im Landkreis Ludwigsburg verfüge man über Fachkräfte mit einer hohen Qualität. Jetzt müsse man schauen, wo man medizinische Leistungen konzentriere, auch in diesem Punkt sei Eile angesagt.

Die Jahresabschlüsse 2024 der RKH Regionale Kliniken Holding und Services GmbH sowie der RKH-Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim gGmbH wurden einstimmig beschlossen. Bei der Entlastung des Aufsichtsrates gab es vier Enthaltungen.

 
 
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