Wieder hat das Geständnis zur milden Strafe geführt. Das Stuttgarter Landgericht hat in nur zwei Tagen Verhandlung einen Afghanen wegen Handeltreibens mit großen Mengen verschiedener Rauschgifte zu der Freiheitsstrafe verurteilt und dabei das umfassende Geständnis des Mannes in der Strafzumessung gewürdigt.
Kreis Ludwigsburg Knapp vier Jahre Haft für Dealer
Sein Geständnis bringt einem 19-Jährigen ein relativ mildes Strafmaß. Er war bei einer Razzia festgenommen worden.
Nach der Anklage war der 29-Jährige, der aus Afghanistan stammt und im Jahre 2019 nach Deutschland kam, wegen Handeltreibens mit sehr großen Mengen Cannabis, Marihuana und Kokain beschuldigt. Er soll Mitglied einer Gruppierung sein, die vornehmlich im Landkreis Ludwigsburg, Vaihingen und Waiblingen größere Rauschgiftmengen an Abnehmer mit großen Gewinnen verkaufte. Anlässlich einer Großfahndung und Razzia der Polizei am 7. Januar wurde er – zusammen mit weiteren Beschuldigten – an seinem Wohnort Schwieberdingen festgenommen. Er war über einen internationalen Haftbefehl ausgeschrieben, und bei der Einreise aus Dubai verhaftet worden. Für den Vertrieb und Handel mit über 120 Kilo verschiedener Drogen und Drogen-Substanzen muss der Mann jetzt aufgrund eines strafrechtlichen Deals zwischen Gericht und Staatsanwaltschaft nur drei Jahre und zehn Monate ins Gefängnis.
Die Aktivitäten beginnen vor fünf Jahren
Die Aktivitäten des 29-Jährigen begannen laut den Urteilsfeststellungen im Dezember vor fünf Jahren bis zum Februar des folgenden Jahres. Da hatte der Angeklagte innerhalb dieser drei Monate 120 Kilo Marihuana und 44 Kilo Kokain bester Qualität erworben und mit Gewinn an Abnehmer im Kreisgebiet und auf der Szene in Stuttgart und anderen Orten des Mittleren Neckarraumes abgesetzt. Bei der Festnahme der Gruppierung hatte die Polizei bei Haus- und Wohnungsdurchsuchungen in Schwieberdingen, Vaihingen, Waiblingen, Stuttgart und Göppingen nicht nur größere Mengen Rauschgift, hohe Bargeldsummen, sondern auch Sprengstoff, und an die 50 Hieb- und Stichwaffen sowie zwei hochpreisige Fahrzeuge sicherstellen können. Der Prozess gegen die weiteren Gruppenmitglieder soll im Herbst dieses Jahres beginnen. Die Wohnung des jetzt verurteilten 29-Jährigen diente laut Urteil auch als Bunker der Drogen. Die Erlöse aus dem Handel bezeichnet das Gericht mit mehreren hunderttausend Euro.
Staatsanwalt: Sehr große Mengen an Rauschgift
Die Richter des Stuttgarter Landgerichts haben neun Fälle von Handeltreiben mit den Drogen festgestellt. Dabei ging es jeweils um Mengen im Bereich zwischen einem bis 20 Kilo im Einkaufswert von 300 bis 70.000 Euro. Drei weitere angeklagte Fälle wurden eingestellt. Festgestellt haben die Richter am Landgericht auch, dass die Übergaben der Rauschgiftpakete in Schwieberdingen und in Ludwigsburg stattgefunden hatten. Die Namen der Lieferanten konnte der Angeklagte nicht nennen.
Der 29-Jährige hatte bereits am ersten Verhandlungstag vor nun vier Wochen das Angebot der Richter akzeptiert, er könne bei einem vollumfänglichen Geständnis mit einer Freiheitsstrafe rechnen, die nicht über vier Jahre hinausgehen.
Dabei hatte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer aber darauf hingewiesen, dass es sich um sehr große Mengen Rauschgift handelte und der Angeklagte nach seinem letzten Deal im Februar 2022 weitere fünf Jahre unentdeckt blieb, bis schließlich die französische Polizei die Handy-Verschlüsselungen der ganzen Gruppierung knackte und zahlreiche Festnahmen grenzüberschreitend vornehmen konnte, in denen sich auch der Angeklagte verfing. Neben der Verhängung der drei Jahre und zehn Monate ordnete das Gericht noch die Einziehung des Wertes von Taterträgen in Höhe von genau 299.125 Euro bei dem 29-Jährigen an.
