Müssen die beteiligten Kommunen bald mehr Geld für die Musikschule Bietigheim-Bissingen zahlen? Wenn es nach OB Jürgen Kessing und seiner Verwaltung geht, dann schon. Er hat den Kommunen nun eine deutliche Erhöhung ihrer Beteiligung vorgeschlagen. Noch sei das keine verbindliche Summe, sondern ein Vorschlag für Gespräche, heißt es aus dem Rathaus. Das Defizit der Musikschule Bietigheim-Bissingen lag zuletzt bei 1,34 Millionen Euro. Aus diesem Grund soll im kommenden März auch die nächste Erhöhung der allgemeinen Musikschulgebühren erfolgen, kündigt Presseamtsleiterin Anette Hochmuth an. Was sagen Sachsenheim, Freudental, Ingersheim, Löchgau und Tamm dazu? Die BZ hat nachgefragt.
Kreis Ludwigsburg Kommunen müssen mehr bezahlen
Die Stadt Bietigheim-Bissingen will den Betrag der Partnergemeinden für die Musikschule beträchtlich erhöhen – in Ingersheim beispielsweise um das Doppelte.
3300 Schüler und 65 Lehrer
Die Musikschule wurde 1974 gegründet. Ihre Aufgabe: die schulische Musikerziehung der Jugend und die Förderung des Laienmusizierens. Von Anfang an beteiligten sich die Gemeinden Bissingen (vor dem Zusammenschluss mit Bietigheim), Freudental, Ingersheim, Löchgau und Tamm finanziell an der Einrichtung. Sachsenheim stieß erst 1975 dazu. Mit 463 Schülern und zehn Lehrkräften ging die Musikschule damals laut BZ-Archiv an den Start – 2024 zählte sie rund 3300 Schüler und 65 Lehrer.
Nun hat Bietigheim-Bissingen angekündigt, ihren Beitrag für die Mitgliedschaft der Gemeinde Ingersheim von 50.000 auf über 100.000 Euro im Jahr verdoppeln zu wollen. „Das ist aus meiner Sicht komplett ausgeschlossen“, sagte Bürgermeister Simone Lehnert in der vergangenen Gemeinderatssitzung.
Auch auf die Gemeinde Freudental ist die Stadt Bietigheim-Bissingen laut Bürgermeister Alexander Fleig zugekommen. „Bei uns würde sich der Betrag von aktuell 8000 bis 10.000 Euro pro Jahr, bisher wurde das je nach Schülerzahl berechnet, auf 15.000 Euro erhöhen“, so Fleig. Aktuell, so sagt er „haben wir Kommunen ja dem neuen Modell noch nicht zugestimmt und man wird hier eine gemeinsame Lösung finden müssen“. Die Stadt Bietigheim-Bissingen, so Fleig, möchte künftig nicht nur die gestiegenen Kosten an die Partnergemeinden weitergeben, sondern auch „weitere Kosten abrechnen, die bisher nicht in der Abrechnung waren“ und laut Stadt Bietigheim-Bissingen der Musikschule zuzurechnen seien.
Die Freudentaler Verwaltung, so Fleig, werde im Haushalt 2026 vorsorglich einen höheren Betrag ansetzen, dann werde im Gemeinderat beraten. Alternativen zur Musikschule Bietigheim-Bissingen seien schwierig zu finden, da laut Fleig die Musikschulen in Besigheim und Bönnigheim dieselben Kosten verlangten.
Insgesamt sei er mit der Arbeit der Musikschule sehr zufrieden und die Zusammenarbeit klappe hervorragend. Es findet seit Jahren immer mehr Unterricht auch vor Ort in Freudental statt, das werde von den Eltern sehr geschätzt.
Mit einer deutlich höheren Summe rechnet auch Martin Bernhard, Bürgermeister in Tamm. Nach einem ersten Gespräch habe Bietigheim noch Informationen nachliefern wollen, daher liege die konkrete Summe noch nicht vor. Dann müsse Tamm gegenrechnen, welche Räume die Stadt der Musikschule zur Verfügung stellt. Schließlich müsse der Gemeinderat über die Kosten beraten und entscheiden. „Die Musikschule leistet ausgezeichnete Arbeit“, sagte Bernhard. Rund 50 Kinder werden derzeit in Tamm vorwiegend an Blasinstrumenten unterrichtet. Schlechte Zeiten würden aber auch die Chance bieten, etwas anderes auf die Beine zu stellen – zum Beispiel gemeinsam mit den Musikvereinen.
Verhandlungen laufen
Die Gemeinde Löchgau, so teilt Bürgermeister Robert Feil mit, befinde sich auch noch in Abstimmungen mit der Stadt Bietigheim-Bissingen. Finale höhere Beiträge seien noch nicht festgesetzt. Wie die Gemeinde damit umgehe, werde nach Festsetzung durch die Stadt Bietigheim-Bissingen im Löchgauer Gemeinderat beraten.
Die Abrechnung der Stadt Sachsenheim für das Jahr 2024 beträgt nach Auskunft von Pressesprecher Arved Oestringer rund 128.000 Euro. Aufgrund der derzeit laufenden Verhandlungen über eine neue Abrechnungssystematik könne er jedoch keine weiteren Informationen mitteilen. Nur so viel: „Mit einer Verringerung der Kosten ist nicht zu rechnen.“
