Seit 2018 ist Anselm Laube Teil der dreiköpfigen Geschäftsführung der Ludwigsburger Energieagentur (LEA). Als er in der Barockstadt anfing, hatte sich nach vielen Jahren der Arbeit ein Klimaschutzkonzept im Landkreis etabliert und das zu einer Zeit, in der es noch kaum Impulse aus der Gesellschaft wie beispielsweise die Freitagsdemonstrationen engagierter Jugendlicher („Fridays for Future“) gab, sagt er. „Man hat sich viele gute Gedanken gemacht. Man wollte“, lobt Laube im Gespräch mit der BZ das 2015 vom Kreistag verabschiedete Klimaschutzkonzept an sich. „Aber man hat sich ein wenig verhoben.“
Kreis Ludwigsburg LEA-Chef bewertet neuen Klimaplan
Anselm Laube, Geschäftsführer der Ludwigsburger Energieagentur, spricht mit der BZ über das neue Klimaschutzkonzept des Kreises.
Der Klimafahrplan sei ein „dreibändiges Monster“ gewesen, um das sich nur 1,5 Stellen im Landratsamt gekümmert hätten. Parallel hätten sich auch einzelne Kommunen, etwa Ludwigsburg oder Tamm, auf den Weg gemacht und Klimaschutzkonzepte erstellt. Das Andocken an das sperrige Kreis-Konzept sei jedoch schwierig gewesen. Auch habe man sehr weit in die Zukunft gedacht, „das führte dazu, den Klimaschutz nicht ernst zu nehmen“, stellt Laube fest.
Neue Rahmenbedingungen
Seitdem ist viel passiert, das Bewusstsein für den Klimaschutz ist erstarkt. Über die Jahre haben sich auch die Rahmenbedingungen verändert, zum Beispiel stand das Ziel des 2015er-Kreis-Konzepts, Klimaneutralität bis 2050, im Widerspruch zum Ziel des Landes Baden-Württemberg, Klimaneutralität bis 2040 zu erreichen.
Eine Dekade später, am 15. Juli dieses Jahres wurde nach knapp zwei Jahren der Konzepterstellung im Kreistag ein überarbeitetes Klimaschutzkonzept für den Landkreis beschlossen (die BZ berichtete). Im Gespräch mit der BZ erklärt Anselm Laube, was sich verändert hat, was ihm am neuen Fahrplan gefällt und wo er noch Überarbeitungsbedarf sieht.
Am auffälligsten ist wohl die Form des neuen Klimaschutzkonzepts. Statt eines „Papiertigers“, wie Laube die 2015er-Version des Klimaplans bezeichnet, hat man sich für eine agile Gestaltung entschieden. Auf dem digitalen, interaktiven Dashboard „ClimateView“ kann jeder, der Interesse hat, die Ziele, den Fortschritt und die Ergebnisse des kommunalen Klimaschutzes mitverfolgen. Doch nicht nur die Nachvollziehbarkeit ist dadurch mehr gewährleistet, das Konzept kann so auch flexibler auf neue Entwicklungen reagieren – und „es sagt unverblümt, was einen Effekt hat“, so Laube. Und das sei ganz klar die Energiewende, Strom aus erneuerbaren Energien zu gewinnen (siehe Infobox).
Laut Landratsamt liegt der Schwerpunkt des neuen Konzepts auf den Handlungsfeldern des Landkreises selbst, zum Beispiel beim Teilkonzept der klimaneutralen Verwaltung. Bei eigenen Liegenschaften etwa wird der Kreis aktiv, stattet seine Gebäude beispielsweise mit Photovoltaikanlagen aus, elektrisiert den Fuhrpark. Auch nimmt der Kreis (wie bereits viele Kommunen auch) am European Energy Award teil. Dadurch erhält er Unterstützung durch Fachleute, seine Energieeffizienz zu steigern, erneuerbare Energien auszubauen und den Klimaschutz lokal voranzubringen. Außerdem unterstützt der Kreis die Kommunen im eigenen Zuständigkeitsbereich, etwa im Baurecht. Er erstellt Leitfäden und wirkt „nicht blockierend, sondern unterstützend ein“, beschleunigt Vorhaben, die dem Klimaschutz dienen im möglichen Rahmen, „bietet proaktiv Unterstützung an“, erklärt Laube.
Die dritte Säule seien freiwillige Leistungen und Unterstützungsangebote des Kreises wie Moderation und Motivation der Kommunen im Hinblick auf den Klimaschutz. Auch Kampagnen und Öffentlichkeitsarbeit können sich positiv auf die Bemühungen der Kommunen um den Klimaschutz auswirken. Einzelne Kommunen betrachtet der Kreis jedoch nicht, er will darauf hinwirken, dass die Städte und Gemeinden aktiv werden.
„Die 32 Maßnahmen, die der Landkreis erarbeitet hat, sind nicht die, die die Welt retten. Sie zeigen aber nüchtern auf, welche Möglichkeiten der Kreis hat“, sagt Laube. Derzeit sind übrigens 23 der Maßnahmen, die auf dem „ClimateView“-Dashboard aufgelistet werden, in der Umsetzung, neun noch nicht gestartet und noch keine abgeschlossen.
Große ÖPNV-Maßnahmen fehlen
Bei all dem Lob gibt es für den LEA-Geschäftsführer aber auch einen Wermutstropfen beim neuen Klimaschutzkonzept: „Mit der Mobilität tut sich der Kreis sehr schwer.“
Laube wohnt in Karlsruhe und hat in Freiburg studiert – beides sehr fahrradfreundliche Städte. Im Vergleich dazu hinke der Kreis hinterher. Ein Grund: „Die Automobilindustrie ist in der Region sehr stark. Es fehlen die großen Maßnahmen.“ Er meint unter anderem die Stadtbahn „Lucie“, über die viel zu lange diskutiert würde, aber auch die Reaktivierung der Bottwartalbahn oder die Verlängerung der S-Bahn-Linie über Bietigheim-Bissingen hinaus.
Zuversicht fehle dem Kreis
Laube spricht von einem „Mangel an Zuversicht“. Solange der ÖPNV-Ausbau nicht mit einer Belastung des motorisierten Individualverkehrs einhergehe, „werden wir in der Verkehrswende nicht vorankommen“, ist Laube überzeugt.
Das Ersetzen von Verbrennern durch E-Fahrzeuge helfe zwar dabei, die Klimaziele zu erreichen, jedoch verringere es nicht den Ressourcenverbrauch, der übermäßig und vor allem für die Mobilität genutzt würde. „Die Elektrifizierung des Autos ist ein Shortcut, weil wir aufgrund des rasant voranschreitenden Klimawandels nicht mehr die Zeit haben, den Klimaschutz als Anstoß zu nehmen, die Gesellschaft zu gestalten und gesellschaftliche Diskussionen zu führen“, findet Laube.
Weitere Informationen
Energiewende im Fokus des neuen Kreis-Klimaschutzkonzepts
Mehr als 80 Prozent der nötigen CO2-Einsparung komme durch die Energiewende, daher gefalle Anselm Laube, dass der Fokus des Kreises auch auf den Ausbau erneuerbarer Energien gelegt wird und nicht auf „hübsche Greenwashing-Projekte“. „Das Dokument hat eine bemerkenswerte Klarheit“, sagt der LEA-Chef zum Klimaschutzkonzept von 2025.
Zur Ludwigsburger Energieagentur (LEA)
Die Energieagentur Kreis Ludwigsburg (LEA) wurde 2006 als gemeinnütziger Verein für den Klimaschutz im Kreis gegründet.
