Ich bin ein Kind des Ostens“, sagt Reno Geisler, der Kandidat der AfD im Wahlkreis Bietigheim-Bissingen für den Landtag, von sich. 1972 in Brandenburg an der Havel geboren, wuchs Geisler in der DDR auf. Sein Vater sei nicht so systemkonform gewesen, die Familie wollte weg, stellte einen Ausreiseantrag, erzählt er. In einer Art Kurzschlusspanik sei der Vater dann über Ungarn in den Westen geflohen. Kurz vor der Grenzöffnung sei schließlich die Familienzusammenführung gelungen, mit seiner Mutter kam Reno Geisler im Trabi nach Westdeutschland. Zuerst nach Hannover, dann, weil sein Vater einen Cousin auf dem Hardt- und Schönbühlhof hatte, nach Markgröningen.
Kreis Ludwigsburg Merkel-Jahre führen zum politischen Engagement
Reno Geisler, der AfD-Kandidat im Wahlkreis Bietigheim-Bissingen, spricht über seine Herkunft aus dem Osten, Hobbys und Motivation.
Begeistert vom Wasser
Als Kind sei es für ihn in der Regel in den Ferien an die Ostsee gegangen, auch rund um Brandenburg an der Havel gibt es viel Wasser. Das hat Geisler geprägt. „Ich bin total wasseraffin“, sagt er. Deshalb sei er auch später mit seiner Frau und den beiden Söhnen in den Ferien bevorzugt an die Ostsee gefahren. In der Freizeit ist Geisler dem Wasser ebenfalls treu geblieben: Er ist als Ausbilder für Motor- und Segelboote in Lauffen am Neckar aktiv. Im Moment habe er dieses Hobby angesichts des Wahlkampfs aber erst mal auf Eis gelegt.
Politik sei für ihn zunächst kein Thema gewesen, sagt Geisler. „Bis 2016 war ich eigentlich völlig unpolitisch.“ Er sei vor allem seiner Arbeit nachgegangen. Geisler hat im Osten eine Lehre als Heizungsbauer angefangen und diese im Westen abgeschlossen. Dann schloss er noch eine Lehre als Groß- und Außenhandelskaufmann an. Zunächst arbeitete er im Elektrogroßhandel, seit fast 30 Jahren ist er nun im Baustoffgroßhandel tätig, wo er inzwischen Verkaufsleiter ist. Doch die Flüchtlingspolitik unter Kanzlerin Angela Merkel ab 2015 – die Geisler auch aufgrund ihrer DDR-Vergangenheit kritisch sieht – habe dazu geführt, dass er politisch aktiv wurde, so der Kandidat.
Das habe ihn zur AfD gebracht, wo zunächst noch das Thema Euro-Rettung bestimmend war. Er habe bei der Bundestagswahl 2017 beim Plakatieren mitgeholfen, ebenso bei Stammtischen und Infoständen. Erst 2019 sei er dann Mitglied geworden.
Vorfall an der Schule
Ausschlaggebend dafür, dass er sein Engagement verstärkte, sei ein Vorfall vor zweieinhalb Jahren gewesen, der ihn richtig aufgeregt habe, berichtet Geisler. Damals habe sich die Situation in der Klasse seines Sohnes nach Ankunft von zwei Syrern zum Negativen verändert. Vorher habe es dort auch schon viele Schüler mit Migrationshintergrund gegeben, aber nun sei eine problematische Situation entstanden. Sein Sohn sei aus der Whatsapp-Gruppe geworfen und gemobbt worden, weil man ihm fälschlicherweise unterstellt habe, etwas gegen den Islam gesagt zu haben. Schließlich sei er aus einer Gruppe heraus auch tätlich angegangen worden, was die Täter auch noch gefilmt hätten. Er habe das Gespräch mit den Eltern der Schüler dieser Gruppe gesucht, berichtet Geisler, und festgestellt, dass über die Hälfte kein Deutsch verstand. „Ich konnte denen nicht mal sagen, was passiert ist.“ Nur ein Junge sei gekommen und habe sich bei meinem Sohn entschuldigt. „Da habe ich gesagt, irgendwas läuft hier schief“, so Geisler zu seiner Motivation, politisch noch aktiver zu werden.
Er kandidierte und wurde in den AfD-Kreisvorstand gewählt, ebenso in den Markgröninger Gemeinderat. Als ihn der AfD-Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Martin Hess fragte, ob er bei der Landtagswahl antreten wolle, um etwas zu verändern, habe er zugesagt.
Auf der Strecke sei durch sein AfD-Engagement ein anderes Hobby geblieben, die ehrenamtliche Tätigkeit im Fußball, erzählt Geisler. Er sei im Markgröninger Fußballverein für die Kasse zuständig gewesen, habe dann aber das Amt niedergelegt, „weil man keinen AfD-Kandidaten oder AfD-Mitglied im Vorstand haben möchte“.
Reno Geisler steht auf der Landesliste der AfD auf Platz 46. Auf einen Einzug in den Landtag könne er hoffen, wenn seine Partei auf 23 oder 24 Prozent der Stimmen komme, sagt er. Man habe ausgerechnet, dass die AfD in diesem Fall aufgrund des neuen Wahlrechts mit Ausgleichs- und Überhangmandaten mindestens 50 Leute ins Parlament schicken könne. Bei der jüngsten Umfrage kam die Partei auf 20 Prozent.
Im Landtag wolle er sich insbesondere für die Themen Bauen und Infrastruktur einsetzen, sagt der AfD-Kandidat, was auch sein beruflicher Hintergrund nahelege. Er kritisiert insbesondere, dass die CO2-Bepreisung die Zement- und Betonproduktion verteuere und fordert diesbezüglich ein Umsteuern.
