Es sind häufig die gleichen Probleme, mit denen die Betriebsräte der Metall- und Elektrobetriebe der Region aktuell zu kämpfen haben: Auf Auftragsrückgang oder andere wirtschaftliche Probleme folgen Forderungen an die Mitarbeiter. Das wurde am Mittwoch bei der Betriebsrätekonferenz und der folgenden Delegiertenversammlung der IG-Metall Ludwigsburg-Waiblingen in Remseck deutlich. Dort ging es um die sozialpolitischen Auswirkungen von Personalabbau und Verlagerungen.
Kreis Ludwigsburg Metaller stehen im „Abwehrkampf“
Unternehmen in der Schieflage, Beschäftige unter Druck: Das ist die Situation, mit der sich die IG Metall der Region derzeit konfrontiert sieht.
Wie es um die Metall- und Elektrobetriebe steht, fasste Hans-Jürgen Urban zusammen. „Viele Firmen haben ihre Planzahlen nicht erreicht. Sie gehen an das Personal heran“, sagte das Vorstandsmitglied der IG Metall mit Sitz in Frankfurt. Die Zulieferbetriebe würden sich einer Preisforderung nach der anderen ausgesetzt sehen. Die Gewerkschaft und die Betriebsräte führten einen „Abwehrkampf“ in Form von Vereinbarungen mit den Unternehmen.
Das gehe zu Lasten der Mitarbeiter. Für Susanne Thomas von der IG Metall Ludwigsburg-Waiblingen leben die Beschäftigten in einer Zeit „in der sie Geld mitbringen müssen, um beschäftigt zu bleiben“.
Beispiele lieferten die Betriebsräte aus der Region. Anika Holtermüller, eine Ingenieurin, die bei einem Ingenieurdienstleister beschäftigt ist, berichtete von der Forderung eines großen Konzerns nach Preisnachlässen in Höhe von 60 Prozent. Ihr Büro sei dazu gedrängt worden, Ingenieur-Dienstleistungen in Billigländer zu vergeben, nach Indien beispielsweise oder nach Marokko. „Wir werden sukzessive in die Arbeitslosigkeit getrieben“, sagte sie.
Prekäre Situation
Bei Valeo Wischer in Bietigheim hat sich der Betriebsrat mit der Geschäftsführung auf die Verschiebung von Tariferhöhungen und Reduzierung von Pausen geeinigt, berichtete Betriebsrätin Susanne Neff. Das 2004 abgeschlossene „Pforzheimer Abkommen“ zwischen den Tarifparteien erlaubt die Abkehr von Tarifen, wenn ein Unternehmen in Schieflage gerät. Solche Vereinbarungen helfen „in zugespitzten Krisensituationen“, sagte IG Metall-Funktionär Urban. Tarifverträge seien eben nicht nur Schutzinstrumente sondern regelten auch das Prozedere für schwierige Zeiten.
Für einige Unternehmen ist die wirtschaftliche Situation durchaus prekär. Diesen Eindruck hat Andre Kaufmann, Gewerkschaftssekretär aus Ludwigsburg, bei der Betriebsversammlung eines Bietigheimer Unternehmens in dieser Woche gewonnen. Auch dort werden Forderungen an die Beschäftigten gestellt, mehr als 200 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Einseitig funktioniere das nicht, stellte Andre Kaufmann klar: „Das muss mit uns verhandelt werden.“
Aus Sicht der Betriebsräte und Gewerkschafter fehlt es vielen Führungskräften an Innovationskraft und strategischem Denken in dieser schwierigen Situation. Gewinne würden abgeschöpft, statt damit neue Produkte zu schaffen, warf Sabine Grau, frühere Betriebsrätin bei Bessey in Bietigheim, den Unternehmen vor. „Mit dem Geld der Beschäftigten gehen sie ins Ausland“, sagte sie. „Die Stimmung ist schwierig.“
Energiekosten senken
Unter dem wirtschaftlichen Druck sind zuletzt laut Urban 120.000 bis 130.000 Arbeitsplätze verloren gegangen. Er hält es für falsch, dass die Unternehmen sich auf die Senkung der Arbeitskosten konzentrieren. „Auf eine Innovationskrise kann man nicht mit Arbeitsplatzabbau reagieren“, sagte er. Die Vorstände und Geschäftsführungen machten ihre Jobs nicht, sie versagten in strategischer Hinsicht.
Die IG Metall erwartet dreierlei von der Bundesregierung: Wer in den deutschen Binnenmarkt will, solle auch hier Teile produzieren. Die Energiekosten müssten gesenkt werden. Dazu habe die Gewerkschaft Vorschläge vorgelegt, „die auf Umsetzung warten“. Und drittens dürften die Menschen nicht verunsichert werden durch die Drohung mit dem Abbau von Sozialleistungen. Das „soziale Sicherungsversprechen“ müsse erneuert werden, beispielsweise in der Rentenkommission. Die alleinige Diskussion über die Kosten „entfremdet die Menschen von der Politik“.
