Kreis Ludwigsburg Mieter müssen mehr zahlen

Von Frank Ruppert
Heizen wird teurer. Foto: dpa/Hauke-Christian Dittrich

Experten rechnen für den Herbst mit viel Beratungsbedarf und vielen Härtefällen.

Wegen der explodierenden Gaspreise werden nach Einschätzung des Deutschen Mieterbunds Millionen Haushalte ihre Heizkosten nicht zahlen können. Unter anderem wird deswegen ein Kündigungsmoratorium gefordert, für den Fall dass die Mietnebenkosten nicht beglichen werden können.

Mieterbund

Eckhard Bohn, Vorsitzender des Mieterbunds für Stadt und Kreis Ludwigsburg, kann die Forderung seines Dachverbands nur unterstützen. „Die Zahlen der Beratungen wegen der Nebenkosten steigen bei uns seit Jahren kontinuierlich“, sagt Bohn. Derzeit sei es wegen der Urlaubszeit aber eher ruhig. Bohn rechnet aber mit einem beratungsintensiven Herbst.

Er sieht auch die Gefahr, dass gerade im teuren Wohnungsmarkt des Kreises die weitere Preissteigerung manchen Mietern zu viel sein könnte. „Wir rufen natürlich zu einer Verständigung mit den Vermietern auf“, erklärt der Mieterbund-Chef.

Vermieterseite

Mehr als 20 000 Wohnimmobilien, eigene und fremde, verwaltet die Bietigheimer Wohnbau. Auch dort rechnet mit einem starken Anstieg der Nebenkosten, weil die Heizkosten einen hohen Anteil davon ausmachten. „Die Auswirkungen der gestiegenen Energiepreise werden im folgenden Jahr zum Tragen kommen. Aktuell haben wir daher noch keine Stundungen oder ähnliches“, sagt Julian Obergfell, Abteilungsleiter Mietverwaltung und Vermietung.

Generell seien viele Wohnanlagen der Wohnbau mit Fernwärmeheizungen erschlossen. Dass diese nicht ausschließlich mit Erdgas betrieben würden, sei ein klarer Vorteil. Und dennoch: „Wir werden unseren Mietern vor Beginn der Heizperiode Anregungen zur Anpassung des eigenen Heizverhaltens zukommen lassen“, kündigt Obergfell an.

Energieversorger

Auch wer nicht mit Gas heizt muss mit höheren Kosten für Strom rechnen. So haben die Stadtwerke Bietigheim-Bissingen (SWBB) bereits Abschlagszahlungen erhöht. „Es betrifft überwiegend alle Grund- und Ersatzversorgungskunden, rund 25 Prozent und einige Sondervertragskunden“, erklärt SWBB-Sprecherin Nadine Reiber.

Die Preisanpassung in der Grund- und Ersatzversorgung Gas erfolgte von 8,12 Cent pro Kilowattstunde auf 15,36 Cent. Die Abschlagszahlungen in der Grundversorgung Gas wurden um 89 Prozent und in der Grundversorgung Strom um 31 Prozent angepasst, teilen die SWBB mit. Bislang habe es dazu nur vereinzelt Nachfragen gegeben. Sollte das Geld bei Kunden knapp werden, bitte man die Betreffenden aktiv mit der SWBB eine Lösung zu suchen im Rahmen eines Ratenzahlplans. „Und Energie so weit als möglich einzusparen“, so Reiber weiter.

Schuldnerberater

„Ich rechne ganz sicher mit einem ,schweren Herbst’ und Winter. Die Menschen leiden jetzt schon unter der hohen Inflation. Unser Tafelladen beispielsweise erfährt gerade wieder massiven Zulauf“, erklärt Heike Krieg von der Schuldnerberatung der Diakonischen Bezirksstelle Vaihingen/Enz. Klienten sprächen das Thema gestiegener Nebenkosten besorgt an. Bei ALG-II-Empfängern würden die Heizkosten zwar vom Jobcenter übernommen, aber für die Haushaltsenergie gebe es feste Sätze. „Wenn der tatsächliche Abschlag höher ist, als diese vorgesehene Pauschale, dann muss die Familie sich die Mehrkosten zum Beispiel vom Essen abknapsen“, sagt Krieg.

Wer mit seinem Verdienst knapp über der Grenze von Sozialleistungen liege, komme durch höhere Abschläge schnell in einen Anspruchsbereich von ALG-II oder der Grundsicherung. Das wüssten viele jedoch nicht. „Hier wird der Beratungsbedarf enorm steigen und es wird auch zu Energiesperren kommen“, sagt die Schuldnerberaterin.

 
 
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