Kreis Ludwigsburg Mit „Kaufe jetzt, bezahle später“ ins Schuldenloch

Von Jörg Palitzsch
Damit junge Menschen nicht in die Schuldenfalle tappen, gibt es eine spezielle Schuldnerberatung im Kreis die Menschen bis 25 Jahre betreut. Foto: /Kalb Martin

Die Jugendschuldnerberatung im Landkreis Ludwigsburg stößt an ihre Grenzen. Die Nachfrage übersteigt die Kapazitäten deutlich. 

Die Angebote für Jugendliche sind verlockend: Mit „Kaufe jetzt, bezahle später“ und der Möglichkeit für Ratenzahlungen werden die jungen Käufer zu unkontrolliertem Konsum verleitet, der direkt ins Schuldenloch führt. Hauptursachen sind oft Handyschulden, Online-Shopping, Abos und soziale Drucksituationen, wobei der Überblick über die Ausgaben nach und nach verloren geht.

Ein geringes Einkommen in der Ausbildung oder Arbeitslosigkeit verstärkt das Risiko der Überschuldung, hält der Bericht fest, der in der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses vorgelegt und von Schuldnerberater Alexander Hönes erläutert wurde.

Verantwortungsvoller Umgang mit Geld

Im Landkreis wird vor allem an Schulen, hier besonders an den Berufsschulen, gegen diesen Trend gearbeitet. Die Schuldenprävention für Kinder und Jugendliche im Kreis Ludwigsburg hat sich nach den pandemiebedingten Rückgängen wieder deutlich erholt. Bereits seit 2007 gibt es Präventionsangebote an Schulen, die darauf abzielen, frühzeitig den verantwortungsvollen Umgang mit Geld zu vermitteln.

Im Jahr 2025 konnte das Niveau der Unterrichtsbesuche nahezu wieder an die Zeit vor der Pandemie anknüpfen. Insgesamt gab es 46 Unterrichtseinheiten, an denen 56 Klassen mit 967 Schülerinnen und Schülern teilnahmen. Besonders auffällig ist die positive Entwicklung bei mehrtägigen Projekten wie „Bank und Jugend“, deren Angebot im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt werden konnte.

Diese Entwicklung ist demnach auf überarbeitete Inhalte sowie eine intensivere Zusammenarbeit mit Schulen und Netzwerkpartnern zurückzuführen. Die Kombination aus praxisnahen Lerninhalten und verstärkter Vernetzung trage dazu bei, junge Menschen frühzeitig für finanzielle Risiken zu sensibilisieren und Überschuldung vorzubeugen.

Zehn Beratungsplätze reichen nicht aus

Parallel dazu zeigt sich jedoch ein wachsender Bedarf bei der Jugendschuldnerberatung. Dieses Angebot richtet sich speziell an junge Menschen bis 25 Jahre und wurde im Jahr 2020 entwickelt, bevor Anfang 2021 die ersten Beratungen starteten. Ziel ist es nicht nur, bestehende Schulden zu regulieren, sondern auch Kompetenzen im Umgang mit Geld zu vermitteln, um langfristig ein schuldenfreies Leben zu ermöglichen. Allerdings übersteigt die Nachfrage mittlerweile die vorhandenen Kapazitäten deutlich. Für das Jahr 2025 standen zehn Beratungs- und Begleitungsplätze zur Verfügung – tatsächlich befanden sich jedoch durchschnittlich 14 junge Erwachsene gleichzeitig in Betreuung. Dieser erhöhte Bedarf konnte zeitweise nur durch zusätzliche Unterstützung aus der allgemeinen Schuldnerberatung aufgefangen werden. Auch aktuell liegt die Zahl der betreuten Personen weiterhin bei etwa 14, was die anhaltend hohe Nachfrage unterstreicht. Während Präventionsmaßnahmen greifen und wieder mehr junge Menschen erreichen, steigt gleichzeitig der Bedarf an individueller Unterstützung. Fachleute sehen darin einen klaren Hinweis darauf, dass finanzielle Bildung allein nicht ausreicht – vielmehr brauche es ein dauerhaft starkes Beratungsangebot, um betroffene Jugendliche und junge Erwachsene zu unterstützen.

 
 
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