Kreis Ludwigsburg Nachwuchsproblem bei Blutspendern

Von Quelle: DRK-Blutspendedienst
Die Blutspendeaktion des DRK in Tripsdrill Ende Juli ist mit 3800 Spendern die größte in Deutschlands. Prominente wie Eberhard Gienger gehen dort mit gutem Beispiel voran und spenden dringend benötigtes Blut. Foto: /Oliver Bürkle

Vor allem im Sommer geht die Zahl der freiwilligen Spendern von Blut wegen der Ferien zurück. Insgesamt jedoch vermelden die Blutspendedienste auch ein rückläufige Blutspenderzahl. 

Nichts ist schlimmer als dass ein Patient mit Blutverlust ins Krankenhaus eingeliefert wird und keine Blutkonserve vorrätig ist. Damit dies nicht passiert, haben Professor Dr. Hannsjörg Baum, der Ärztliche Direktor des Instituts für Laboratoriumsmedizin und Transfusionsmedizin am Krankenhaus Bietigheim, und sein Team eine „überwiegend gut gefüllte Blutbank“, wie Baum sagt, bei den RKH-Kliniken. „Wir planen so, dass es nur ganz selten Engpässe gibt“, sagt er.

Tägliche Belieferung mit Blutkonserven

Blutkonserven werden bei Datenbanken und Blutspendediensten regelmäßig bestellt, erklärt er. „Wir werden täglich beliefert.“ Dieser Sollbestand, wie Baum ihn nennt, hält, würde er nicht ständig neu aufgefüllt, im Normalfall zehn Tage, passieren wenige Unfälle sogar 40 Tage.

Von jeder Blutgruppe ist im Optimalfall Blut in Relation der Blutgruppe in der Bevölkerung, im Vorrat. „Nur von der Blutgruppe 0 Rhesus negativ brauchen wir mehr Vorrat“, sagt der Arzt. Denn: Dieses Blut kann transferiert werden, ohne dass man die Blutgruppe des Patienten kennt, was laut Baum meistens der Fall ist. „Deswegen wird bei uns bei einer Blutung zuerst 0 Rhesus negativ gegeben“, sagt Baum. Das sei auch so durch die Richtlinien der Hämotherapie für Krankenhäuser vorgesehen.

Bei Schwangeren mit akuter Blutung, aber auch Frauen im gebärfähigen Alter greife man immer auf 0 Rhesus negativ zurück, wenn man die Blutgruppe nicht kennt, weil es bei Schwangeren nach Gabe anderer Blutgruppen unter Umständen zu Antikörperbildung kommen könne. Nur sechs bis acht Prozent der Bevölkerung haben die Blutgruppe 0 Rhesus negativ, „aber in Relation dazu brauchen wir viel mehr Blutkonserven dieser Gruppe, eben aus dem Grund, dass dieses Blut sofort verabreicht werden kann, weil es fast jeder verträgt“. Für Schwangere habe man aber immer eine Notreserve mit 0 Rhesus negativ zur Verfügung.

Im Sommer merke man schon, dass weniger Menschen Blut spenden. „Da müssen wir oft extra Blut bei den Blutbanken der Kliniken Stuttgart und Karlsruhe oder bei den Blutspendeeinrichtungen wie dem DRK organisieren.“ Insgesamt sei die Versorgung an den RKH-Kliniken aber gut, eben weil man das Blut aus mehreren Depots oder Blutbanken beziehe.

Nora Löhlein vom DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg-Hessen spricht zwar von einer „stabilen Versorgungslage“, ruft aber gleichzeitig auf, dass mehr junge Leute spenden sollen. „Alleine in Baden-Württemberg werden jeden Tag 2000 Blutkonserven benötigt“, sagt sie.

Laut DRK-Blutspendedienst liegt das durchschnittliche Spender-Alter in Baden-Württemberg zwischen 45 und 46 Jahren. Die Menschen, die am häufigsten spenden, sind aber deutlich älter. Rund 27 Prozent aller Blutspenden kommen laut DRK-Blutspendedienst von den 55- bis 65-Jährigen. „Das Blutspende-Fundament der Baby-Boomer-Generation bröckelt, denn immer mehr kommen in das Alter, in dem sie aus gesundheitlichen Gründen kein Blut mehr spenden dürfen“, erklärt Nora Löhlein. Gleichzeitig kämen jüngere Menschen nicht nur unregelmäßiger, sondern insgesamt seltener zu Blutspende-Terminen. Grund zur Panik bestehe allerdings nicht, die Zahl der Blutspenden sei immer noch ausreichend. Wünschenswert sei aber auf lange Sicht, dass mehr jüngere Menschen regelmäßig zur Blutspende gehen.

Tripsdrill: 3800 Spender auf einen Streich

Deshalb versucht das DRK durch spezielle Aktionen wie seit Jahren mit der größten Blutspendeaktion Deutschlands mit 3800 Spendern vor dem Freizeitpark Tripsdrill (die BZ berichtete) neue Spender zu akquirieren – durch Gutscheine für den Freizeitpark oder woanders mit Einkaufsgutscheinen und anderen Prämien. Eine einzige Blutspende könne drei Menschen das Leben retten, sagt Nora Löhlein.

Blutbeutel und Teströhrchen werden nach der Spende sofort im gekühlten Transporter in eines der DRK-Zentrallabore gefahren. Sofort nach Eintreffen in den Instituten beginnt die Weiterverarbeitung. Jede Blutspende wird mit modernster Labordiagnostik auf folgende durch Blut übertragbare Krankheiten getestet:  virusbedingte Leberentzündungen (Hepatitis-B und -C), HIV-Infektion, Antikörper gegen den Erreger der Syphilis, gegen Hepatitis A und Parvovirus B 19. Falls bei den Untersuchungen ein Befund von der Norm abweichen sollte, wirst der Spender über den Hausarzt schriftlich über dieses Ergebnis informiert. Im Rahmen der Diagnostik wird auch die Blutgruppe bestimmt, das Blut wird auf Antikörper getestet, die gegen körperfremde Blutzellen gerichtet sind und bei Bluttransfusionen Zwischenfälle verursachen können.

Die Blutkonserven werden in Kisten in die sogenannte Produktionsabteilung gebracht, in der das Blut durch Zentrifugieren mit 3500 Umdrehungen pro Minute in die einzelnen Bestandteile aufgeteilt wird. Nach zirka 20 Minuten werden die unterschiedlichen Schichten sichtbar: Das Blutplasma schwimmt ganz oben, die roten Blutkörperchen unten und dazwischen sind weiße Blutkörperchen (Leukozyten) und die Blutplättchen (Thrombozyten) zu sehen.

Nach der Zentrifugation erfolgt das Auftrennen der einzelnen Blutbestandteile in die unterschiedlichen Beutel an speziellen Maschinen, den sogenannte Compomaten. Dabei ist das bei der Blutspende verwendete Beutelsystem so konstruiert, dass die einzelnen Blutkomponenten in separate, bereits fest verbundene Beutel überführt werden können, ohne dass das System geöffnet werden muss. Dadurch können Reaktionen mit der Luft und Verunreinigungen vermieden werden.

Anschließend an die Auftrennung der Blutbestandteile wird der Beutel mit dem Plasma tiefgefroren und geht für mehrere Monate in Quarantäne, bevor er an die Krankenhäuser abgegeben wird. Durch erneutes Zentrifugieren und maschinelles Separieren des Buffycoat werden die Blutplättchen (Thrombozyten) gewonnen.

Aus den Blutkörperchen werden die weißen Blutkörperchen (Leukozyten), deren Keime und Bakterien für den Empfänger des Blutpräparates schädlich sein können, herausgefiltert, um so das Konzentrat aus roten Blutkörperchen (Erythrozytenkonzentrat) zu gewinnen. Aus dem noch verbleibenden Bestandteil, dem Buffycoat, werden schließlich die Blutplättchen (Thrombozyten) gewonnen. Dafür ist ein erneutes Zentrifugieren und maschinelles Separieren von Leukozyten notwendig.

Die umfangreiche Aufbereitung der Blutspende ermöglicht, dass jeder Patient die Komponente bekommt, die er benötigt. Darüber hinaus gewährleistet die Auftrennung eine bessere Lagerfähigkeit. Denn die einzelnen Blutprodukte sind unterschiedlich haltbar: die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) sind bei 4° bis zu 35 Tage, das Blutplasma bei -40° bis zu zwei Jahre und die Thrombozyten bei 20 bis 24° nur vier Tage haltbar. Innerhalb von 24 Stunden stehen die aufbereiteten Blutprodukte an sieben Tagen die Woche rund um die Uhr für den Transport in die Krankenhäuser bereit.

Folgende Blutspendetermine bietet das DRK in der nächsten Zeit an: Oberstenfeld-Gronau, Mehrzweckhalle: 28. August.Tamm, Bürgersaal: 2. SeptemberPattonville, Bürgerhalle: 5. SeptemberBönnigheim-Hohenstein, Wiesentalhalle: 8. SeptemberWalheim, Gemeindehalle: 10. SeptemberVaihingen-Horrheim, Metertalhalle: 11. September.

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