Kreis Ludwigsburg „Nichts hat wirklich funktioniert“

Von Helena Hadzic
Für Jennifer M. galt Zeit: Nur Diätkost kommt in den Magen. Foto: IMAGO/Zoonar/Sirijit Jongcharoenkulchai

Viele Menschen leiden an Übergewicht. Dass dadurch die Lebensqualität eingeschränkt wird und eine Magenverkleinerung häufig die letzte Möglichkeit sein kann, erzählt eine Betroffene im Gespräch.

Die Kilos auf der Waage haben mein Leben komplett bestimmt“, sagt die 45-jährige Jennifer M. (Name geändert) aus dem Kreis Ludwigsburg, die seit ihrer Kindheit an starkem Übergewicht litt. Bundesweit sind etwa 50 Prozent der Bevölkerung von Übergewicht und Adipositas, also übermäßigem Übergewicht, betroffen. Nach einer im Jahr 2023 im Landkreis durchgeführten Haushaltsbefragung, haben lediglich 48 Prozent aller Befragten einen normalen Body-Mass-Index, über 35 Prozent sind übergewichtig und bei fast 14 Prozent liegt Adipositas vor – in der Summe also die Hälfte der Bevölkerung im Kreis.

Jennifer M. war eine von ihnen – bis sie sich vor zwei Jahren einer Magenverkleinerung unterzog. Als Kind übergewichtiger Eltern, habe sie zuvor fast jede Diät ausprobiert, doch „nichts hat wirklich funktioniert“, meint sie. Im Gespräch erzählt Jennifer M., wie sie die Zeit als übergewichtige Person empfunden und wie sich ihr Leben seit ihrem Gewichtsverlust verändert hat.

40 Kilo zu viel auf der Waage

„Eigentlich habe ich nie so extrem fettig oder viel gegessen. Das war nicht anders als bei anderen“, sagt Jennifer M.. Ein Teufelskreis, der Jennifer M. bereits als junges Mädchen begleitete, und später dann als Teenager. Diesem zu entkommen und Sport zu treiben, empfand sie als unlösbare Herausforderung. „Gerade wenn man 40 Kilos zu viel auf der Waage hat, fällt es einem noch schwerer, sich zu bewegen, einfach weil man schnell außer Atem ist“, erzählt sie. Das habe sie in ihrer Jugend sehr eingeschränkt.

Während ihre Freunde zum Sport gingen oder auch nur auf Achse in die Stadt, blieb Jennifer M. daheim. „Ich habe viele Dinge nicht gemacht, die für andere in dem Alter normal sind“, sagt sie. Shoppen war eine Qual, weil es schlicht zu wenig Auswahl gab. Stets auf der Suche nach weiten und unauffälligen Klamotten, konnte es sich Jennifer M. nicht leisten, nach modischer Kleidung Ausschau zu halten – es ging nämlich nur um Kaschierung. „Das hat sich natürlich auch auf mein Selbstbewusstsein ausgewirkt, ich fühlte mich nicht schön.“ Um den Spiegel hat sie daher viele Jahre einen großen Bogen gemacht. Die chronische Unzufriedenheit mit dem eigenen Spiegelbild und die Schmerzen an Gelenken und Knien führten dazu, dass Jennifer M. nahezu jede Diät ausprobierte. Mal versuchte sie, nur die Hälfte von dem zu essen, was sie ansonsten zu sich nimmt, ein anderes Mal mit Diät-Shakes, dann wieder mit Diätkost wie Salaten. Zuhause hatte sie stets Block und Stift parat, um die Kalorien aufzuschreiben und zu zählen. „Das Thema war immer präsent, es gab keine Sekunde, in der ich nicht an Kalorien gedacht habe“, meint sie. Auf jede kurzzeitige Gewichtsabnahme folgte nach zwei Monaten der berüchtigte Jo-Jo-Effekt – die alten Kilos kamen zurück und packten hinzukommend noch weitere oben drauf. Auch Personal-Training im Fitness hat sie ausprobiert, sogar bei einer Ernährungs - Therapeutin suchte sie sich Hilfe. „Die sagte auch, dass ich ernährungstechnisch nicht viel falsch mache“, erinnert sich Jennifer M.. Die fünf Sitzungen wurden zu einem Teil von der Krankenkasse bezahlt, 250 Euro gingen auf ihre Kappe.

Ihr Übergewicht habe sich auch auf ihre Gesundheit ausgewirkt, vermutete sie. Denn Jennifer M. ist Dialyse-Patientin. Als ihr Arzt ihr mitteilte, dass sie eine Nieren-Transplantation benötigt, hieß es: Die Kilos müssen runter. „Die Magenverkleinerung war die Voraussetzung für die Operation“, erzählt sie. Die Verkleinerung wurde vor zwei Jahren durchgeführt, die Transplantation steht noch aus. Seither hat Jennifer M. aber so viele Kilos verloren, dass sie nun Normalgewicht hat. „Shoppen macht endlich Spaß. Ich kann nun aktiv sein und vieles unternehmen, ohne eingeschränkt zu sein“, erzählt sie und lächelt.

Mit der Magenverkleinerung habe man ihr Lebensqualität geschenkt, auch wenn der Eingriff lediglich der Gesundheit geschuldet war. Für Jennifer M. jedenfalls ist klar: „Das Leben ohne Übergewicht ist buchstäblich leichter und macht mehr Spaß, weil man nicht ausgebremst wird.“

 
 
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