Die Vorgaben zur Einsparung auf Landkreisebene betrifft auch den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Beim Sommergespräch im Landratsamt Ludwigsburg am Donnerstag hatte der Erste Landesbeamte und Verkehrsdezernent Jürgen Vogt die unliebsame Aufgabe zu erklären, was diese Vorgaben für den Landkreis bedeutet.
Kreis Ludwigsburg ÖPNV-Angebot: Fokus auf Qualität
Die VVS-Geschäftsführerin forderte beim ÖPNV-Sommergespräch am Donnerstag unter anderem klare Aussagen zur Weiterführung des Deutschandtickets.
Senioren-Projekt wird eingestellt
So wird zum 31. Dezember das 2015 gestartete Projekt „Seniorenticket gegen Fahrerlaubnis“ eingestellt. Seniorinnen und Senioren erhielten dabei ein ÖPNV-Ticket, wenn sie auf ihren Führerschein verzichteten. Die Teilnehmerzahl lag laut Vogt bei 3740.
Zurückstellungen gibt es bis Ende 2026 auch bei geplanten Verkehrsverbesserungen im Busverkehr. Zurückgestellt oder gestrichen ist die Busspur Marbach-Murr, auch Busbeschleunigungsmaßnahmen, etwa eine bevorzugte Ampelregelung, ebenso die dynamische Fahrgastinformationen. Trotz knapper Kassen konzentriere man sich auf die Stabilisierung des vorhandenen Angebotes. Man habe ein dichtes Busnetz aufgebaut, angesichts der Haushaltslage werden es aber nicht einfacher, befürchtet Vogt.
So legt man durch neue Vergaben verstärkt auf Qualität. Früher waren solche Vergabeentscheidungen beim ÖPNV zu 100 Prozent noch vom Angebotspreis abhängig. „Künftig soll nicht mehr nur der Preis entscheiden, sondern die Qualität der Leistung.“ Der Verkehrsdezernent zählte als Qualitätsmerkmale etwa einen geringeren Einsatz von Subunternehmern und auch gute Kenntnisse des Fahrpersonals im Fahrgebiet auf. „Wirtschaftlich statt billig“ heiße, man werde bei Ausschreibungen den Preis mit 70 Prozent gewichten, die Qualität mit 30 Prozent.
Fokus auf Nebenbahnen
Interessierte Verkehrsunternehmen können so ihre Angebote mit drei Konzepten anbieten. Fahrzeugkonzept, Personalkonzept und Qualitätskonzept. Vogt: „Kleine und mittelständische Unternehmen aus der Region können ihre Expertise dann wertungsrelevant einbringen.“ Einen Augenmerk wurde beim Sommergespräch auf das Thema Nebenbahnen gelegt. So wird bei der Strohgäubahn der Bahnhof Heimerdingen modernisiert, der Umbau des Bahnhofes in Korntal steht noch aus. Bei der Bottwartalbahn hat der Kreistag in Heilbronn Vorzugsvarianten entlang der alten Trasse über Ilsfeld und Talheim festgelegt. Bis zum Frühjahr 2026 gibt es Untersuchungen zur Vorbereitung einer standardisierten Bewertung der Strecke, die einmal von Marbach nach Heilbronn führen soll.
Mit Spannung erwartet wurden die Anmerkungen des Verkehrsdezernenten zur Ludwigsburger Stadtbahn, die heftig unter Beschuss geraten ist. Alle Varianten müsse man prüfen, der Zeitplan stehe, wie beschlossen, so Vogt. Im Sommer 2026 soll mit dem Planfeststellungsverfahren begonnen werden, der erste Streckenabschnitt von Markgröningen bis Ludwigsburg soll 2031 in Betrieb gehen. Weiter äußerte sich Vogt nicht dazu.
Erschließung durch VVS-Rider
Besonders hervorgehoben wurde dagegen der VVS-Rider im Landkreis. Der fährt Besigheim, Kirchheim, Gemmrigheim und Walheim montags von 6 bis 19 Uhr an, am Wochenende und an Feiertagen von 8 bis 17 Uhr. Bietigheim-Bissingen und Tamm werden in den Nächten auf Samstag und Sonntag sowie an Feiertagen von 22 bis 5 Uhr bedient (die BZ berichtete). Mit dem Rider wird der ÖPNV in schlecht erschlossenen Bereichen verbessert, bislang gab es tagsüber 15.800 Fahrten, nachts 4300. Ein Dauerthema in Sachen ÖPNV ist das Deutschandticket, mit dem man Kunden binden wolle, sagte VVS-Geschäftsführerin Cornelia Christian. Laut Bilanz sind die Menschen im VVS vor allem mit dem allgemeinen D-Ticket unterwegs. Gut 42 Prozent nutzen das Angebot für 58 Euro pro Monat. Schüler und Auszubildende, die das D-Ticket „JugendBW“ haben, machen 36 Prozent der Abonnenten aus.
Finanzierung steht auf der Kippe
Die jüngsten Beschlüsse des Bundeskabinetts über drei Milliarden Euro zur Finanzierung des Deutschlandtickets im Jahr 2026 reichen laut Geschäftsführerin Christian jedoch nicht aus, um die bestehenden Verkehre im kommenden Jahr zu finanzieren.
Darüber hinaus fehle noch immer eine klare politische Vereinbarung zur langfristigen Finanzierung, Christian nannte als Zeithorizont bis 2030. Bleibe es bei den drei Milliarden Euro, wäre eine erneute, spürbare Preiserhöhung für das Deutschland-Ticket unumgänglich, so der VVS in seiner Bilanz. Ebenso mahnte die Geschäftsführerin ein neues Regionalisierungskonzept an, ein Planungs- und Steuerungsinstrument, das festlegt, wie der ÖPNV in einer Region organisiert, finanziert und weiterentwickelt wird.
