Wir sind sehr dankbar, dass bei der Allgemeinen Schuldnerberatung keine Stelle gestrichen wird“, sagt die Geschäftsführende Vorständin der Sozialberatung Ludwigsburg, Daniela Saramat. Derzeit teilen sich vier Mitarbeiterinnen und ein Mitarbeiter drei Vollzeitstellen. Dass der Landkreis einen Zuschuss von 15.000 Euro für Ehrenamtliche streicht, können sie und Fachbereichsleiterin Bettina Würth angesichts der finanziellen Lage zwar nachvollziehen. Dennoch werde die Arbeit der Schuldnerberatung dadurch erschwert.
Kreis Ludwigsburg Schuldnerberatung: Acht Monate Wartezeit
Im Team der Sozialberatung wird zwar keine Stelle gestrichen, aber die Unterstützung durch Ehrenamtliche droht wegzufallen.
Jede Woche melden sich allein in der offenen Sprechstunde der Schuldnerberatung in der Ruhrstraße 10/1 in Ludwigsburg acht bis zehn Personen, die neu auf die Beratungsliste der Sozialberatung kommen. Waren es im Jahr 2024 noch 327 Klienten, stieg die Zahl bis Ende September 2025 bereits auf 360. „Es werden immer mehr“, sagt Saramat.
Auch das Landratsamt und die Kreisdiakonie bieten Schuldnerberatungen an. Während die Sozialberatung noch eine Außensprechstunde in Ditzingen hat, betreut die Diakonie ebenfalls mit drei Vollzeitstellen Vaihingen und Bietigheim-Bissingen, das Landratsamt mit 5,5 Stellen Ludwigsburg und Marbach.
Acht Monate Wartezeit
Zu ihnen kommen zum Beispiel Menschen, denen der Strom abgestellt, die Wohnung gekündigt wurde oder bei denen eine Lohn- oder Kontopfändung ansteht. Doch nach dem Erstgespräch heißt es für sie erst einmal warten: „Die Wartezeit auf einen Beratungstermin beträgt derzeit acht Monate, die Tendenz ist steigend“, sagt Bettina Würth. „Der Beratungsbedarf wächst und die Fälle werden komplexer“, sagt sie.
„Es macht keinen Sinn, ad hoc ein Insolvenzverfahren anzustoßen“, sagt Saramat. Um ihren Klienten nachhaltig zu helfen und nach tragfähigen Lösungen zu suchen, arbeitet die Schuldnerberatung eng mit vielen Kooperationspartnern zusammen – wie etwa der Fachstelle für Wohnungssicherung, der Sucht- oder Migrationsberatung. „Wir hören auch nicht auf, wenn es einen Rückfall gibt“, sagt sie.
Wichtig sei die Anerkennung, dafür, dass jemand seine Schulden bezahlen wolle und dafür, was er schon alleine hinbekommen habe. Dann gehe es aber vor allem darum zu schauen, „was tatsächlich Schritt für Schritt möglich ist“, sagt Saramat. Würth rät potenziellen Klienten, möglichst frühzeitig in die offene Sprechstunde zu kommen. „Sobald man die zweite oder dritte Kreditrate nicht mehr zahlen kann oder die erste Mahnung gekommen ist“, sagt sie.
Ein bewährtes Hilfsmittel, um Geldprobleme besser in den Griff zu bekommen, ist bei der Schuldnerberatung ein Haushaltsplan, bei dem sich die Klienten überlegen müssen, wofür sie ihr Geld ausgeben. Den Klienten helfe es weiter, wenn sie aufgezeigt bekommen, welche konkreten Sparmöglichkeiten es für sie gibt.
In die Schuldnerberatung kommen Menschen jeden Alters und jeder sozialen Schicht. 2025 waren rund 30 Prozent der Klienten zum Beispiel Angestellte und Beamte. Die Geldprobleme seien nicht immer selbst verschuldet. Zu den steigenden Lebenshaltungskosten kommen hohe Stromkosten, diese treffen auf Jobverluste, Kurzarbeit, ausbleibende Prämienzahlungen, Scheidung oder Krankheit. Plötzlich könnten Kredite nicht mehr bedient werden, man rutsche ins Arbeitslosengeld II oder ins Bürgergeld, „ohne es selbst verschuldet zu haben“, sagt Saramat.
Auch die zunehmenden „Kaufe jetzt, zahle später“-Angebote führten dazu, dass viele Menschen ihre Ausgaben nicht mehr im Blick haben würden – nicht zuletzt weil man das spätere Bezahlen mit hohen Zinsen erkaufen müsse, was vielen nicht klar sei. Beim bargeldlosen Bezahlen gehe zudem das Gefühl dafür verloren, was wie viel kostet.
Vor allem wenn auch Kinder betroffen sind, werde oft versucht, den Lebensstandard weiterhin zu halten, „aber irgendwann funktioniert es nicht mehr“, sagt Saramat: „Wir versuchen Familien im Abwärtsstrudel aufzufangen.“
Eigenmittel werden weniger
„Auch die Nachsorgeberatungen nehmen immens zu“, sagt Würth. Der Beratungsbedarf sei hoch, eigentlich könnte die Schuldnerberatung eine zusätzliche Stelle gebrauchen, auch wenn die beiden Frauen wissen, dass das ein utopischer Wunsch ist.
Im kommenden Jahr wird die Schuldnerberatung voraussichtlich auf den Einsatz von Ehrenamtlichen verzichten müssen, da der Landkreis die 15.000 Euro gestrichen hat, die für das Einlernen und Schulen der Ehrenamtlichen nötig ist. Diese hatten Klienten zum Beispiel auf die Bank begleitet, um ein Konto zu eröffnen. Eine Querfinanzierung dieser Arbeit sei nicht möglich, sagt Saramat. „Wir kommen aus der Wohlfahrt“, sagt sie, „auch unsere Eigenmittel werden weniger.“ Während der Kreis 90 Prozent der Kosten trage, beläuft sich die Eigenbeteiligung auf zehn Prozent. Auch Geldzuweisungen aus Bußgeldern seitens der Gerichte würden bei der Sozialberatung mittlerweile rund 30 bis 40 Prozent weniger ausmachen als noch in den Vorjahren, schätzt sie. Doch sie sei dankbar über die Zuwendungen der Bürgerstiftung.
Und wie wird es weitergehen? Bettina Würth rechnet damit, dass es künftig noch mehr Insolvenzanträge geben wird, „weil den Leuten nichts anderes übrig bleibt“, sagt sie. Als Schuldnerberatung nehme sie eine ausgleichende Rolle zwischen Schuldner und Gläubiger ein. Dieser Ausgleich werde aber immer schwieriger. Umso mehr schätzen Saramat und Würth die gute Atmosphäre und den Austausch im Beratungsteam, die dazu beitragen, dass man auch angesichts der schwierigen Entwicklungen die Motivation und die Begeisterung für die Beratung von Schuldnern nicht verliere.
Die Schuldnerberatung
der Sozialberatung bietet überschuldeten Personen mit Wohnsitz im Kreis kostenfreie Beratungen an. Sie hilft bei Konto- oder Lohnpfändung oder bei existenzsichernden Maßnahmen. Sie unterstützt die Klienten bei Fragen rund um das persönliche Budget (Haushaltsplanung und Geldverwaltung). Sie erarbeitet die persönlichen Stärken, um eine erneute Verschuldung zu verhindern. Die Beraterinnen und der Berater finden Wege, damit die Klienten mit den Schulden besser umgehen können. Sie nehmen Kontakt mit Gläubigern auf, setzen sich für Ratenzahlungen und Vergleichsvereinbarungen ein. Sie begleiten die Klienten in das Insolvenzverfahren. Die offene Sprechstunde findet mittwochs von 8 bis 11 Uhr in der Ruhrstraße 10/1 in Ludwigsburg statt.
