Bereits im Mai erreichte den Landessportverband Baden-Württemberg (LSVBW) erstmals offiziell die Information, dass Sport und Sportförderung durch die neue Landesregierung Baden-Württembergs künftig im Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen angesiedelt werden sollen, und dies zudem noch ohne Nennung des Sports im Ministeriumsnamen. Schnell wurde deutlich, dass eine komplette Herauslösung des Sportreferats aus dem bisher zuständigen Ministerium für Kultus, Jugend und Sport aufgrund der Themenkomplexität und der Förderlogiken so nicht möglich sein würde.
Kreis Ludwigsburg/Sersheim „Es gibt eine Diskrepanz zwischen Worten und Taten“
Der Sport soll nach dem Willen der Landesregierung aus dem Kultusministerium herausgelöst werden.
„Belastung für das Ehrenamt“
Zudem sei zu befürchten, dass hierdurch die bislang so erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Politik und Sport nicht ohne zusätzliche Belastungen für das Ehrenamt fortgesetzt werden könne. Die BZ hat bei Jürgen Scholz, der nicht nur der Bürgermeister von Sersheim, sondern auch der LSVBW-Präsident ist, nachgefragt, wie der aktuelle Stand der Gespräche mit der Landesregierung ist. „Wir warten immer noch, und dies seit mittlerweile 13 Wochen, auf eine Stellungnahme“, sagt Scholz. Und weiter: „Wir haben von Beginn an Offenheit gegenüber den neuen politischen Verantwortlichen signalisiert.“
Dass man hierzu, wie erwähnt, von Cem Özdemir bis dato noch keine Antwort erhalten habe, entspreche nicht der Stellung der größten zivilgesellschaftlichen Personenvereinigung des Landes und werde auch dem Engagement im Ehrenamt im Sport nicht gerecht. „Offensichtlich“, so der Präsident weiter, „gibt es hinsichtlich der Politik des Gehörtwerdens sowie der Pläne zum Bürokratieabbau eine Diskrepanz zwischen Worten und Taten.“ Seine Forderung an die Landesregierung: „Für uns steht im Mittelpunkt, dass wir aus der Phase der Neusortierung politischer Verantwortlichkeiten heraus wieder ins Handeln kommen. In Baden-Württemberg konnten wir in der Vergangenheit stets auf eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen dem organisierten Sport und der Politik setzen.“
Für verlässliche Strukturen
Diese müsse nach der Regierungsneubildung neu aufgesetzt werden. Daher habe man die Regierung darum gebeten, sich in Abstimmung mit den bisher oder jetzt neu zuständigen Ministerien dafür einzusetzen, wieder verlässliche Strukturen, Verantwortlichkeiten und Ansprechpartner für den organisierten Sport zu etablieren. Man blicke grundsätzlich in Baden-Württemberg auf eine sehr enge und wertschätzende Zusammenarbeit zwischen Sport und Politik zurück und sei sicher, dass man diese auch in der jetzigen Legislaturperiode fortführen werde.
Die Grundlage dafür sei mit dem „Solidarpakt Sport V“ geschaffen, der die Rahmenbedingungen bis in das Jahr 2031 festsetze. „Unbefriedigend war für uns zuletzt jedoch die Tatsache, dass die Verkündung neuer ministerieller Zuständigkeiten für den Sport eine Phase der Unsicherheit und des Stillstands auf beiden Seiten hervorgerufen hat, die noch immer andauert.“ Man habe dazu die fachliche Expertise angeboten und Lösungsvorschläge eingebracht.
Die national beispielgebenden Erfolge im Breiten- und Leistungssport Baden-Württembergs basierten unter anderem auf einer engen Verzahnung von Schul- und Vereinssport. „Diese war auf politischer Ebene durch die Verankerung des Sports im bisherigen Ministerium für Kultus, Jugend und Sport abgebildet. Bei einem Wechsel des Sports ins Bauministerium müssen neue Wege gefunden werden, diese enge Verzahnung aufrechtzuerhalten“, so Scholz.
Erhöhter Abstimmungsbedarf
Man gehe davon aus, dass durch geteilte Zuständigkeiten – Schulsport im Kultusministerium, Vereins-/Leistungssport im Bauministerium – auf beiden Seiten ein erhöhter Abstimmungsbedarf entstehe. Die zurückliegenden Wochen zeigten bereits, dass diese Veränderungen nicht ohne Herausforderungen und Schnittstellenprobleme vonstatten gehen werden. Über die Beweggründe der Pläne der Landesregierung kann der Präsident nur mutmaßen: „Uns liegen hierzu keine offiziellen Erläuterungen vor. Wir sehen inhaltlich keine Anknüpfungspunkte für die Entscheidung und gehen davon aus, dass sie rein politischer Natur ist.“
