Kreis Ludwigsburg So verhält man sich im Brandfall

Von Yannik Schuster
Bei einem Brand kommt es darauf an, ruhig zu bleiben. Helfen kann es, das Szenario vorab gedanklich durchzuspielen. Foto: Chempic/Imago

Kreisbrandmeister Andy Dorroch erklärt, warum die Flucht aus der eigenen Wohnung unter Umständen die falsche Entscheidung ist, wie man einen Notruf absetzt und mehr.

Wenn es in den eigenen vier Wänden brennt, dann fällt es verständlicherweise schwer, ruhig zu bleiben. Doch im schlimmsten Fall könnte das eigene Überleben genau davon abhängen. Die BZ hat mit Kreisbrandmeister Andy Dorroch darüber gesprochen, wie man im Ernstfall reagieren sollte, und wie man sich auf so eine Ausnahmesituation vorbereiten kann.

Wie setzt man korrekt einen Notruf ab?

So schnell wie möglich alle wichtigen Informationen weitergeben, so lautet die Devise beim Notruf – oder etwa doch nicht? Nein, sagt Andy Dorroch. Stattdessen gelte: „Einfach zuhören und antworten.“ Der Disponent in der Leitstelle frage alle wichtigen Informationen ab. Dabei werde ein Fragebogen abgearbeitet. Muss der Disponent dabei zwischen Themen hin und her springen dauere es in der Regel länger, weiß der Kreisbrandmeister. „Es bringt nichts, wenn die Leute in den Hörer schreien oder sagen: ‚Kommt schnell!’ Wir kommen immer schnell.“

Flucht oder Ausharren in der eigenen Wohnung?

Brennt es in der eigenen Wohnung, so ist die Flucht, sofern möglich, die naheliegende und korrekte Entscheidung. Brennt es im Haus, jedoch außerhalb der eigenen vier Wände, so hänge es davon ab, ob der Fluchtweg frei ist. Ist dieser, etwa das Treppenhaus eines Mehrfamilienhauses, verraucht, dann wird die Flucht zur eigentlichen Gefahr. Unter Umständen könne diese sogar tödlich enden. Vor wenigen Wochen habe Dorroch bei einem Einsatz in Schwieberdingen erlebt, wie die Bewohner des Gebäudes sich vorbildlich verhalten hätten. In solchen Fällen gelte nämlich das Gebot, in der eigenen Wohnung zu bleiben und die Türe zum Treppenhaus geschlossen zu halten, sie jedoch nicht abzuschließen. „Hätte jemand versucht, durch den verrauchten Treppenraum zu flüchten, wäre es wahrscheinlich zu einem Personenschaden gekommen.“

In Neubauten seien Türen und Wände stets mit einem ausreichenden Feuerwiderstand ausgestattet um die Zeit bis zum Eintreffen der Feuerwehr problemlos zu überbrücken, sagt Dorroch. Zur Sicherheit könne man zusätzlich die Eingangstür mit einem feuchten Handtuch abdichten. Selbst Zimmertüren halten in aller Regel den Rauch und die Flammen lange genug zurück, um eingesperrte Personen zu retten, weiß der Kreisbrandmeister. „Wir haben Brände, da ist hinter einer verschlossenen Türe nichts mehr davon zu sehen.“ Um den Sachschaden im Brandfall möglichst gering zu halten, empfiehlt er deshalb bei längerer Abwesenheit, alle Türen in der Wohnung zu schließen.

Auch der Balkon sei in der Regel ein sicherer Ort, zumal die Feuerwehr diesen praktisch immer erreichen kann. Mit Strickleitern versuchen, sich abzuseilen sollte man hingegen sein lassen. „Klar: Wenn es brennt, kommen einem fünf Minuten ewig vor, aber wir sind im Kreis so gut aufgestellt, dass die Feuerwehr überall schnell da ist.“

Im Falle der Flucht aus der Wohnung sollte man, wenn möglich, das eigene Haustier mitnehmen, auch sei es sinnvoll, das Handy und den Geldbeutel griffbereit zu halten. Schlussendlich seien materielle Besitztümer aber allesamt ersetzbar, sagt Dorroch. In Gefahr begeben solle man sich dafür nicht.

Wann sollte man selbst versuchen, zu löschen?

Fragt man den Kreisbrandmeister, ob man kleinere Brände versuchen solle, selbst zu löschen, stellt dieser in der Regel eine Gegenfrage: „Wissen Sie überhaupt, wie ein Feuerlöscher funktioniert?“ Sich zumindest theoretisch mit dessen Funktionsweise vertraut zu machen, empfiehlt Andy Dorroch deshalb jedem. Grundsätzlich gelte natürlich immer: Sich selbst nicht in Gefahr bringen, immer lieber die Feuerwehr rufen. „Da ist niemand böse, wenn der Brand am Ende doch nicht so groß ist.“

So kann man sich auf den Notfall vorbereiten

Im Brandfall ist es wichtig, Ruhe zu bewahren. Dabei helfen kann es, so Dorroch, sich vorab Gedanken darüber zu machen: Was mache ich, wenn es brennt? Wo sieht mich die Feuerwehr? Welches Fenster kann man gut anleitern? Auch mit Kindern könne man diese Fragestellungen einmal durchspielen. Die häufigsten Fehler würden schließlich durch Panik entstehen, sagt der Kreisbrandmeister. Darüber hinaus empfiehlt er die Anschaffung von Rauchmeldern. „Die sind nicht nur Pflicht, sondern auch sinnvoll.“ Ein Feuerlöscher müsse nicht zwangsläufig in jeder Wohnung vorhanden sein. Ein Gerät pro Mehrfamilienhaus sollte es aber schon sein.

Ein weiterer wichtiger Punkt sei es, darauf zu achten, dass Fluchtwege nutzbar sind. Es gebe noch immer Mehrfamilienhäuser, die nachts abgeschlossen werden. Dafür hat Dorroch kein Verständnis. Ebenso wie wenn Treppenräume zu Garderoben avancieren. Kinderwagen und Pflanzen werden im Baurecht auch in Treppenhäusern toleriert, „aber Mobiliar gehört faktisch nicht in den Treppenraum.“ Er macht deutlich: „Der Treppenraum ist meine Lebensversicherung.“

Wie empfängt man die Feuerwehr richtig?

Hat man es aus dem Haus geschafft, so sollte man sich sichtbar positionieren und die Feuerwehr empfangen. Nützliche Informationen für den Einsatzleiter seien etwa, ob Nachbarn noch im Haus sind, ob diese womöglich gerade im Urlaub oder anderweitig außer Haus seien. Auch den Wohnungsschlüssel sollte man bei dieser Gelegenheit der Feuerwehr übergeben, sagt Dorroch.

 
 
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