Kreis Ludwigsburg Steillagen stürzen weiter ab

Von Jörg Palitzsch
Immer weniger Steillagen im Kreis werden noch bewirtschaftet. Foto: /Martin Kalb

Programme, Projekte und Strategien sollen Weinbergsteillagen im Kreis Ludwigsburg sichern.  

Die terrassierten Weinbergsteillagen im Landkreis stehen unter Druck. Sinkende Weinpreise, steigende Produktionskosten und ein wachsender Rückzug von Weinbaubetrieben gefährden zunehmend eine Kulturlandschaft, die das Bild der Region seit Jahrhunderten prägt. Wie aus der Fortschreibung des Maßnahmenpapiers „Erhalt der terrassierten Steillagen“ hervorgeht, hat sich die Situation 2025 nochmals verschlechtert, wie im Kreis-Ausschuss für Umwelt und Technik deutlich wurde. Wenn man jetzt nicht handle, sei es vorbei. „Und wir reden hier nicht von Jahren oder Monaten, sondern von Tagen“, beschrieb der Mundelsheimer Bürgermeister Boris Seitz (FW) die schwierige Situation.

Ablesbar werde dies teilweise am Traubengeld. Für die Lese 2025 soll es wohl nur rund 0,25 Cent je Kilogramm Trauben geben, so die Kreisverwaltung. Dieser Betrag decke nicht einmal den Einsatz von Maschinen und die Pflanzenschutzmittel ab. Vor zehn Jahren gab es noch ein bis 1,20 Euro pro Kilogramm Trauben, je nach Sorte und Qualität, derzeit befinden sich die Preise im freien Fall.

284 Hektar noch bewirtschaftet

Hinzu kommt der Rückgang an Flächen. Stand Ende Dezember 2024 wurden laut Weinbaukartei noch 284 Hektar Steillagen bewirtschaftet. Das ist ein Verlust von rund 32 Hektar in vier Jahren. 2013 bis 2020 waren es nur rund 15 Hektar Flächenverlust. Hier zeige sich die Dynamik des aktuellen Wandels.

In der Sitzung des Ausschusses hob man die Arbeit der Ehrenamtlichen hervor. Schon lange gehe es nicht mehr ums Geldverdienen, man müsse mehr Menschen für den Wein begeistern und die Arbeit der Ehrenamtlichen wertschätzen. Da könne man mehr machen, sagte Colin Sauerzapf von der SPD. Viola Noack (FDP) ergänzte, man könne die Arbeit der Ehrenamtlichen auf den Kreis ausweiten. Als Peter Schimke (LuV) forderte, man müsse brach liegende Weinberghänge bewalden, widersprach Wengerter Stephan Muck (FW). Die Bäume würden dazu beitragen, dass die Weinbergmauern einstürzen, Schimkes Vorschlag sei „nicht zielführend.“

Besonders betroffen vom Kahlschlag sind die arbeitsintensiven terrassierten Steillagen entlang von Neckar und Enz. Viele größere Betriebe haben die Bewirtschaftung bereits aufgegeben, so die Kreisverwaltung. Die Pflege der Flächen liege zunehmend in den Händen von Familienbetrieben, Hobbywinzern und lokalen Initiativen. Gleichzeitig kämpfen zahlreiche Weingärtnergenossenschaften mit wirtschaftlichen Problemen.

Der Landkreis versucht schon seit einiger Zeit gegenzusteuern. Im Mittelpunkt stehen neue Fördermöglichkeiten, Unterstützung für Kommunen sowie alternative Nutzungskonzepte. So haben inzwischen drei Kommunen eigene Förderprogramme nach der Agrar-Freistellungsverordnung verabschiedet, weitere befinden sich in Abstimmungen. Der Kreis beteiligt sich finanziell an diesen Programmen.

Alternative Pflanzungen

Auch bei alternativen Nutzungen der Flächen wurden Anpassungen vorgenommen. Im Maßnahmenpapier wurden die Regelungen zu Photovoltaikanlagen präzisiert, nachdem Vereinfachungen im Genehmigungsverfahren ausblieben. Zudem veröffentlichte die Kreisverwaltung ein überarbeitetes Merkblatt für alternative Pflanzungen in Steillagen.

Ein weiteres Problem sind aufgegebene Weinberge. Baden-Württemberg reagiert auf die zunehmende Verbuschung mit neuen Regelungen in der Verordnung des Weinrechts. Diese ermöglichen Rodungsanordnungen für brachliegende Rebflächen. Gleichzeitig arbeitet der Kreis gemeinsam mit dem Landschaftserhaltungsverband an einem Pilotprojekt zur Offenhaltung der Steillagen.

Der Landkreis werde finanziell und genehmigungsrechtlich seinen Teil zum Erhalt der Steillagen beitragen, sagte Landrat Dietmar Allgaier. Aber, dass Teile aufgegeben würden, sei auch ein Teil der Entwicklung.  Jörg Palitzsch

 
 
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