Kreis Ludwigsburg Stiftungszweck: Hilfe für die Schwächsten in der Gesellschaft

Von Uwe Mollenkopf
Zogen anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Stiftung „Jugendförderung, Arbeit und Soziales“ der Kreissparkasse Ludwigsburg Bilanz (von links): Landrat Dietmar Allgaier, Heide Werth-Groß, Markus Schmitt und Vorstandsvorsitzender Dr. Heinz-Werner Schulte. Foto: /Martin Kalb

Die Stiftung für „Jugendförderung, Arbeit und Soziales“ der Kreissparkasse wird 30 Jahre alt. Ein Schwerpunkt ist die Sprachförderung.

Seit neun Jahren ist Heide Werth-Groß ehrenamtlich als Sprachpatin an der Kelterschule in Neckarrems im Einsatz, wie sie betont „immer noch hochmotiviert“. Zwar stellten sich bei den Kindern aus Zuwandererfamilien, die sie betreut, die Fortschritte oft nur ganz langsam ein, doch ohne Sprachförderung hätten diese Kinder, deren Eltern mitunter Analphabeten seien, gar keine Chance, sagt sie. Ermöglicht wird das Projekt „Sprachförderpaten“ von der Stiftung für „Jugendförderung, Arbeit und Soziales“ der Kreissparkasse Ludwigsburg, die am 30. November 30 Jahre alt wird – Anlass für die Verantwortlichen, eine Bilanz der Stiftungstätigkeit zu ziehen.

Kinder und Jugendliche im Fokus

Stiftungszweck sei es, „Hilfe für die Schwächsten“ in der Gesellschaft zu leisten, sagte Landrat Dietmar Allgaier, der Stiftungsvorsitzende, am Montag. Dazu gehören die Altenhilfe, die Fürsorge für Strafgefangene und ehemalige Strafgefangene, der Schutz von Ehe und Familie, die Vergabe von Stipendien an bedürftige junge Menschen mit sportlicher Begabung, Maßnahmen und Projekte für behinderte, pflegebedürftige, sozial schwache und obdachlose, schutzbedürftige und schwerkranke Menschen. Vor allem aber liegt das Augenmerk der Stiftung auf der Förderung von Kindern und Jugendlichen aus dem Landkreis. Diese sollten „faire Chancen, gute Bildung und eine starke Grundlage für ihre Zukunft erhalten“, sagt Allgaier. Das sei gerade jetzt, im Zeichen der Haushaltskonsolidierung im Kreis, besonders wichtig, so der Landrat.

Stiftungskapital: 20 Millionen

Im vergangenen Jahr schüttete die Stiftung für „Jugendförderung, Arbeit und Soziales“ 326.140 Euro aus, seit ihrem Bestehen flossen 5,67 Millionen Euro für die Stiftungszwecke, berichtete Dr. Heinz-Werner Schulte, der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse. Möglich macht es ein Stiftungskapital, das über die Jahre immer weiter erhöht wurde. Zum Jahresende 2025 umfasst es 20 Millionen Euro (Vorjahr: 19 Millionen Euro). Begonnen hatte man 1995 mit einer Million Euro. Die Jugendstiftung ist damit die größte unter den fünf Stiftungen der Kreissparkasse, die rechtlich eigenständige Institutionen sind und deren Gesamtkapital sich auf 43 Millionen Euro beläuft.

Das Stiftungsgeld resultiert aus dem öffentlich-rechtlichen Auftrag der Kreissparkasse. Geld aus den Gewinnen des Instituts solle wieder an die Menschen im Kreis zurückfließen, erläutert Allgaier.

Wer in den Genuss einer Förderung kommt, entscheidet der Stiftungsrat auf Antrag. Dem Stiftungsrat der Jugendstiftung gehören neben Allgaier und Schulte das Vorstandsmitglied der Kreissparkasse, Thomas Geiger, und die Mitglieder des Verwaltungsrats Heinz Reichert und Ralf Trettner an.

Fördermittel gibt es unter anderem für die Familienberatung und Kinderfürsorge des Kinderschutzbundes, den Kinderhospizdienst, den Kreisseniorenrat, für die Kreisverkehrswacht, für Streetworker der Caritas-Drogenhilfe, für Gewaltpräventionsprojekte an Schulen, das Projekt „Wir lernen Familie“ der evangelischen Jugendhilfe Hochdorf und die Jobbrücke Freiberg. Pro Jahr sind es etwa 40 Projekte, die unterstützt werden, der Anteil der abgelehnten Anträge beträgt laut Schulte etwa zehn bis 20 Prozent.

Ein deutlicher Schwerpunkt der Stiftungsaktivität ist laut dem Vorstandschef der Kreissparkasse die Sprachförderung in Kindergärten und Grundschulen sowie für neu zugewanderte Jugendliche und junge Erwachsene. Darunter ist, für den Bereich Grundschule, das Projekt Sprachförderpaten, das seit zwölf Jahren gefördert wird. Der aktuelle Förderzeitraum läuft vom 1. September 2025 bis 31. August 2029.

Mittel aufgestockt

Pro Jahr gewährte die Jugendstiftung bislang 50.000 Euro für das Projekt, jetzt wurde der Betrag auf 65.000 Euro aufgestockt. Davon erhalten Ehrenamtliche, die an Grundschulen Kindern beim Deutschlernen helfen, eine Entschädigung von zehn Euro pro (Schul-)Stunde. Das geschieht in Einzelförderung, Kleingruppen oder in Vorbereitungsklassen, erklärt Markus Schmitt, der Leiter des Bildungsbüros im Landratsamt Ludwigsburg. Aufgrund der gestiegenen Zuwandererzahlen habe der Bedarf zugenommen. Derzeit seien 76 Ehrenamtliche in kreisweit 50 Grundschulen aktiv. In diesem Jahr nahmen 742 Kinder an den Angeboten teil.

Erst seien viele Kinder aus dem arabischen Sprachraum gekommen, später dann aus der Ukraine, sagt Heide Werth-Groß. Oft seien sie ohne jede Deutschkenntnisse, im normalen Unterricht würden diese Kinder nicht viel mitbekommen. Sie unterrichtet ihre Schützlinge in Kleingruppen von zwei bis drei beziehungsweise sechs Kindern und ist überzeugt, dass die sprachliche Förderung entscheidend dafür ist, dass die Kinder eine Chance auf eine gute Bildung und damit auf ein erfolgreiches Leben haben.

Fünf Stiftungen der Kreissparkasse Ludwigsburg

Die Stiftung für „Jugendförderung, Arbeit und Soziales“ wurde 1995 als dritte Stiftung der Kreissparkasse gegründet. Inzwischen sind es insgesamt fünf Stiftungen mit einem Gesamtkapital von 43 Millionen Euro (2024: 41 Millionen Euro). Jährlich stockt die Bank das Stiftungskapital um zwei Millionen Euro auf.

Mit einem Kapital von 20 Millionen Euro ist die Stiftung für „Jugendförderung, Arbeit und Soziales“ die größte Kreissparkassenstiftung. Die weiteren Stiftungen sind: „Kunst, Kultur und Bildung“ (zehn Millionen Euro), „Umwelt und Naturschutz“ (acht Millionen Euro), „Gesundheit“ (fünf Millionen Euro) und „Schullandheim Strümpfelbrunn“ (6,71 Millionen Euro laufende Kosten seit 1970). Alle Stiftungen zusammengenommen, werden 500 bis 600 Projekte im Jahr gefördert.

 
 
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