Kreis Ludwigsburg Tiertafel ist in schwieriger Situation

Von Lisa Lorenz
Beisitzerin Michaela Kroker (links) und Vorsitzende Bettina Reichel mit Hündin Luna im Lager in Oberstenfeld. Wie lange sie hier noch Futtervorrat lagern können, ist ungewiss, denn auf dem Gebiet soll neu gebaut werden. Nicht zu wissen, wann man ausziehen muss, sei eine belastende Situation. Foto: /Oliver Bürkle

Die Tiertafel Ludwigsburg/Heilbronn kümmert sich um Haustiere, deren Halter in finanzielle Not geraten sind. Vom aktuellen Stand und den Sorgen des Vereins.

Hauptsächlich sind es Bürgergeldempfänger, Menschen, die eine kleine Rente bekommen, Sozialhilfe erhalten oder auch solche, die zwar einen Job haben, der jedoch finanziell nicht ausreicht, denen die Tiertafel hilft. Die Tiertafel Ludwigsburg/Heilbronn ist ein Verein, der mit Zuschüssen bei Futter, Zubehör und Tierarztkosten hilft. Wichtig ist dabei, erklärt die Vorsitzende Bettina Reichel, dass das Tier schon da gewesen ist, bevor man in die schlechte finanzielle Lage geraten ist. Wer sich in einer solchen Lage befindet, also bedürftig ist, wird mit Einkommensnachweis geprüft.

Individueller Futterbedarf

Zur Zeit hilft die Tiertafel 85 Tieren, davon sind zwei Drittel Katzen. Drei Vögel und ein Hase finden sich ebenso, der Rest sind Hunde. Das Verhältnis der Tierarten variiere, sagt Reichel, aber es seien immer mehr Katzen als Hunde. Während Katzenhalter häufiger Unterstützung bei Tierarztkosten bräuchten, benötigten Hundehalter eher Futter, von dem man, je nach Größe des Hundes, eine ganze Menge braucht. Übernommen werden zwei Drittel des Futterbedarfs, erklärt Beisitzerin Michaela Kroker. Mithilfe einer Tabelle und dem Körpergewicht des Hundes wird dieser ausgerechnet. Damit ist es aber nicht getan, denn das Futter wird für jedes Tier individuell zusammengestellt: Das eine hat Allergien, das nächste braucht getreidefreies Futter, und wieder eines ist krank und bekommt Spezialfutter. Seit die Gebührenordnung für Tierärzte 2022 eine größere Reform erhielt, im Zuge derer viele Gebührensätze um 50 bis 100 Prozent angehoben wurden, sei der Besuch beim Tierarzt wesentlich teurer geworden – was die Tiertafel unter anderem daran merkt, dass zunehmend Anfragen von Tierhaltern kommen, die nicht bedürftig sind und sich ihr Tier eigentlich leisten können, jedoch bei den Tierarztkosten dennoch Probleme bekommen. Neben den Standardleistungen der Tiertafel bei Tierarztkosten – Impfungen, Beteiligung an Kastration, Einschläferung – komme es jede Woche vor, dass ein Tier dringend zum Tierarzt muss – zuletzt war es ein Kater mit verletzter Pfote.

Bei eigenen Tierhaltern, also solchen, die längerfristige Unterstützung erhalten, wird dann auch bei Notfällen alles versucht – inklusive Spendenaufrufen und Posts auf Facebook und Instagram. Gehört der Tierhalter nicht zu den Eigenen, könne es schon mal eine Absage geben. Und auch, wenn man trotzdem Tipps zu anderen Anlaufstellen mitgibt: „Jemandem abzusagen, fällt besonders schwer.“ Aber wenn der Tierhalter nicht als bedürftig gilt, dürfe die Tiertafel ihn gar nicht unterstützen.

Unter den Bedürftigen finden sich seit dem Beginn des Ukrainekriegs viele Geflohene, die mit ihren Tieren nach Deutschland kamen, erzählt Kroker. Auswirkungen der Coronapandemie, während derer sich viele ein Haustier angeschafft hatten, merkt die Tiertafel nicht, wem die Kosten hier zu hoch wurden, der habe sein Tier wohl eher ins Tierheim gegeben als zur Tiertafel zu kommen. Generell seien die Anfragen relativ konstant, es gebe zwar immer wieder welche, aber der Bedarf steige nicht stark an. „Wir freuen uns, wenn jemand geht“, sagt Reichel, beispielsweise, weil der Halter wieder einen Job gefunden hat. Man habe ein gutes Verhältnis zu den Tierhaltern und fühle dann auch mit.

Zu wenig aktive Mitglieder

49 Mitglieder hat die Tiertafel derzeit – die meisten davon sind jedoch ‚nur’ zahlend, aktiv seien etwa 40 Prozent. Das könnten mehr sein, vor allem auch Jüngere. Es brauche dringend jemanden, der sich um die Website kümmert, und auch für Werbung an Infoständen und zum Präsenz zeigen fehlen Leute – und sei es nur, etwas zum Kuchenverkauf beizusteuern. Die Mitgliederzahl an sich sei mittlerweile kein Problem mehr, aber in der Öffentlichkeitsarbeit seien es zu wenig, und die ist nun mal notwendig, um Tierhalter und Spender überhaupt erreichen zu können.

Ein weiteres Sorgenkind ist das Lager der Tiertafel: Das Gebäude in Oberstenfeld habe man für eine sehr günstige Miete bekommen, erzählt Kroker. Aber das Gelände soll mit einem Wohngebiet neu bebaut werden, dann müsste die Tiertafel ausziehen. Schon länger ist man deshalb auf der Suche nach einem Ausweichquartier. Beim Roten Kreuz in Ludwigsburg habe man zwar schon ein kleineres, dort liegt das Zubehör. Es wäre aber zu klein für das, was noch in Oberstenfeld lagert. Wie lange sie noch dort bleiben können, wissen sie nicht – fest steht nur, dass eine Kündigung des Mietvertrags lebensbedrohlich für den Verein wäre, wenn man dann keine Alternative hat.

Finanziell kommt die Tiertafel zurecht, sagt Reichel, auch wenn im letzten Dreivierteljahr die Spenden extrem zurückgegangen seien. Die Weltpolitik und die Unsicherheit der Menschen machten sich bemerkbar. „Es tut noch nicht doll weh, aber man kann weniger großzügig sein als früher“, so die Vorsitzende. In die Zukunft blicke sie nicht ausschließlich negativ, aber auch nicht himmelhochjauchzend, grundsätzlich sei die Stimmung leicht positiv: „Wir haben noch etwas Potenzial.“ Jedes Tier, dem man helfen könne, freue sie, und auch von den Haltern bekomme man viel Dankbarkeit zurück.

Vor Kurzem gab es eine kleine positive Nachricht: Frida, eine Hündin, die Probleme mit der Schilddrüse und eine Futterallergie hat, stand im Verdacht, einen Tumor entwickelt zu haben. Die Halterin der Hündin, der es ebenfalls persönlich sehr schlecht gehe, gehört zu den ersten Tierhaltern, die von der Tiertafel unterstützt wurden. Vor ein paar Tagen kam dann die erleichternde Nachricht, erzählt Kroker: Frida hat keinen Tumor.

 
 
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