Kreis Ludwigsburg Tourismus unter Sparzwang

Von Jörg Palitzsch
Die Steillagen im Kreis sind eine wichtige Attraktion für den Tourismusbetrieb. Die Kulturlandschaft bringt viele Besucher in den Kreis. Foto: /Martin Kalb

Die dritte Fortschreibung des Maßnahmenkatalogs Landkreis Ludwigsburg setzt auf bewährte Schwerpunkte. Einige Projekte wurden wegen Sparmaßnahmen verschoben.

Nach einem einstimmigen Beschluss im Ausschuss für Umwelt und Technik, bleibt es das Ziel, die touristische Arbeit im Kreis dauerhaft strategisch auszurichten, bewährte Strukturen zu erhalten, Doppelstrukturen zu vermeiden und bestehende Stärken weiter auszubauen, so Fachbereichsleiterin Stefanie Bartzsch. Besondere Aufmerksamkeit soll künftig der gezielten Bewerbung der Dachmarke „Echt.Schön.Schräg.“ sowie dem Thema Steillagen gewidmet werden.

In der Sitzung zeigte sich, dass es zwar viele Impulse gibt, aber auch der Tourismus unter Sparzwängen leidet. So müsse man den Kosten-Nutzen-Faktor immer hinterfragen, sagte Boris Seitz (FW). In den anderen Fraktionen stellte man grundsätzliche Fragen. Etwa ob es sinnvoll sei, so viele Schwerpunkte zu formulieren, gab Klaus Reitze (CDU) zu bedenken, während Ernst-Peter Morlock (SPD) meinte, die Kürzungen mit rund 93.000 Euro seien nachvollziehbar, während das gesamte Tourismus-Budget mit 160.000 Euro auch den Schulen gutgetan hätte. Den Maßnahmenkatalog solle man jedenfalls nicht weiter ausbauen.

Rotstift auch beim Tourismus

So konnten aufgrund der Haushaltskonsolidierung unter dem Namen „(Re-)Set 2026“ und den damit verbundenen Einsparungen bei den Personal- und Sachmitteln viele Ideen derzeit nicht weiterverfolgt werden. Ein Blick in den Maßnahmenkatalog zeigt dann auch, wie viele gute Vorsätze dem Rotstift zu Opfer fielen. Drei Beispiele:

Die Koordinierungsstelle Metterradweg wurde vom Landratsamt Anfang 2025 übernommen. Aufgrund der Sparmaßnahmen wurde die Personalstelle hierfür eingespart. Die Aufgabe wird ab 2026 nicht mehr weitergeführt.

Bei den Steillagen wollte man die Machbarkeit eines gemeinsamen „Steillagenevents“ überprüfen und ein Konzept für Veranstaltungen erstellen. Die Personalstelle und Sachmittel hierfür wurden eingespart.

Personalkapazität gibt es auch nicht für das Ziel, Anreize zu schaffen, um Wandern, etwa durch Wandertage, attraktiver zu gestalten, ebenso bei den Steillagen Schulklassen als Zielgruppe einzubinden.

Touristische Angebote sichern

Trotz eingeschränkter Mittel bleibt aber das Ziel, die touristischen Angebote des Kreises – insbesondere die Radwege und die Steillagen-App – zu sichern und durch die wirtschaftlich angespannten Jahre hindurch aufrechtzuerhalten. Genannt wurden dabei vier Schwerpunkte, die in der aktuellen Fortschreibung nochmals konkretisiert wurden:

Die terrassierten Weinsteillagen entlang von Neckar und Enz bleiben ein Markenzeichen des Landkreises. Sie sollen weiterhin unter „Echt.Schön.Schräg.“, der Dachmarke, vermarktet und deren Bekanntheit gezielt gesteigert werden. Digitale Angebote sollen ausgebaut und stärker in die Vermarktungsstrategien integriert werden. Die touristischen Radwege bleiben ebenso ein fester Bestandteil der Arbeit, wobei Kooperationen mit überregionalen Partnern intensiviert werden sollen. Im Bereich Qualitätssicherung und Service wird die koordinierende Rolle des Landkreises weiter gestärkt, um die Zusammenarbeit zwischen den touristischen Akteuren zu fördern und Folgekosten zu vermeiden.

„Die Maßnahmen müssen auch ankommen“, forderte Viola Noack von der FDP, die auf exakte Zahlen pochte. Diese konnte die Kreisverwaltung nicht liefern, weil man etwa Tagestouristen nicht verlässlich messen könne. Laut Kreisrat Seitz seien in Hessigheim manchmal bis zu 500 Personen unterwegs, es stelle sich trotzdem die Frage, ob man noch mehr machen solle. Seine Antwort: „Wir werden manche Dinge nicht retten können, so gern wir es hätten.“

Steillagenweinbau ohne Lobby

Joachim Kölz (CDU) machte auf den Weinverkauf der Genossenschaften und Wengerter aufmerksam, ohne die es den Tourismus im Neckartal gar nicht geben würde. Nachdem Carmen Dötterer (FDP) auf die Steillagen als Kulturlandschaft hinwies und Förderungen von Land und Bund einforderte, sagte Landrat Dietmar Allgaier, der Steillagenweinbau habe keine Lobby, „weder in Berlin noch in Brüssel.“ Er rief vielmehr dazu auf, den Wein nicht beim Discounter, sondern vor Ort zu kaufen.

Ein besonderer Schwerpunkt in Sachen Tourismus wird 2026 die Teilnahme am Landwirtschaftlichen Hauptfest in Stuttgart sein. Der Landkreis Ludwigsburg wird sich dort gemeinsam mit seinen touristischen Partnern präsentieren, um gezielt für die Angebote der Region zu werben. Die nächste Fortschreibung des Touristischen Maßnahmenkatalogs ist für das Jahr 2028 geplant.

 
 
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