Kreis Ludwigsburg Trockenheit setzt auch den Igeln zu

Von Corinna Müller
Igel leiden unter dem warmen Wetter. Foto: /Corinna Müller

Die ohnehin bedrohten stacheligen Tiere haben aktuell besonders zu kämpfen und sind auf Hilfe angewiesen. 

Wer kennt sie nicht, die kleinen stacheligen Gesellen, die ihre Nase keck in die Luft recken und des Nachts oft lärmend durch die Gärten ziehen? Jetzt benötigen die auf der internationalen roten Liste der Weltnaturschutzunion „als potenziell gefährdet“ eingestuften Igel vermehrt menschliche Hilfe.

„Es werden immer weniger Igel“, bedauert Jörg Altmann, Vorsitzender des Nabu Neckar-Enz, „denn sie werden nicht nur zahlreich überfahren, auch der Lebensraum nimmt drastisch ab.“ Versiegelungen der Bodenflächen und intensive landwirtschaftliche Nutzung der verbleibenden Grünflächen sind häufige Ursachen. „Nun kommt noch die enorme Trockenheit dazu“, gibt Altmann zu bedenken. Igel können zur Paarung oder Futtersuche zwar weite Strecken zurücklegen, sind im Grunde aber reviertreu. Sie verteidigen dieses mit aller Kraft gegen Igel, die nicht zu „ihrer Familie“ gehören, sodass es insbesondere für schwache oder junge Igel schwierig ist, an Futter oder Wasser zu gelangen. Und Igelmütter, mit ihren zwischen Juni und September geborenen Jungtieren, sind besonders auf nestnahe Wasserstellen angewiesen.

Flache Wasserschalen jeglicher Art

Der Nabu bittet deshalb darum, flache Schalen jeglicher Art aufzustellen und täglich mit Wasser zu füllen, selbst wenn keine Igel zu sehen sind. „Ein Igel, der scheinbar genüsslich an einem Apfel nagt, hat einfach nur unsagbaren Durst,“ weiß Altmann, „Igel vertragen einzig tierisches Eiweiß“. In erster Linie ernähren sie sich von Laufkäfern, Spinnen und Insektenlarven. Nur im Notfall greifen sie auf Schnecken zurück, was oft den Tod der kleinen Stacheltiere bedeutet. Denn Schnecken dienen den Lungenwürmern als Zwischenwirt, ehe sie bei Igeln in Herz und Lunge wandern und letztlich zum Tod durch Ersticken führen, erklärt ein Tierarzt, der sich mit Wildtieren intensiv befasst, der BZ.

„Auf gar keinen Fall darf den Igeln Milch gefüttert werden“, warnt Altmann eindringlich. Sie würden daran sterben. Möglich sei es dagegen, Katzentrockenfutter zur Verfügung zu stellen, da dieses eiweißhaltiger ist als Hundefutter. Auch Katzennassfutter, allerdings ohne Gelee, sei geeignet. Um das Futter vor Katzen zu schützen, könne eine kleine Kiste mit Igelzugang darüber gestülpt werden. Trockenfutter könne einige Tage liegen bleiben, Nassfutter sollte tagsüber entfernt werden.

Wichtig sei es zudem, in den Gärten vorsichtig zu agieren, betont Altmann. Denn Igel schlafen während des Sommers gerne unter Stauden oder im weichen Gras. Bei Gartenarbeiten werden sie daher leicht verletzt, sodass vor den Arbeiten überprüft werden sollte, ob ein Igel in Gefahr ist. Mähroboter sollten ausschließlich bei Tageslicht verwendet werden.

Kranke Igel verhalten sich anders

Ob ein Igel am Verhungern ist, zeigt sich häufig an den eingefallenen Flanken und einer tiefen Hungerfalte im Nacken. Igel sind von Natur aus rundlich und rollen sich zum Schutz zusammen, wenn man auf sie zukommt. Nur von Hand aufgezogene oder kranke und verwundete Igel verhalten sich anders. In letzterem Fall „sollte man mit dem Tierheim Ludwigsburg in Verbindung treten“, erklärt Helmut Fischer aus Besigheim, Vereinsmitglied des Nabu und BUND. Er verweist an Ursula Gericke, Leiterin des Tierheims, die zwar derzeit viele Jungvögel aufzieht aber dennoch Hilfe für Igel anbietet.

Corinna Müller

 
 
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