Es ist eine Erfolgsgeschichte der Caritas Ludwigsburg-Waiblingen-Enz mit einem Projekt, das 2019 begonnen wurde und in dem sich die Wohlfahrtsorganisation als Wohnraumvermittler betätigt. „TürÖffner“ heißt die Idee, mit dem Ziel, Leerstände als Wohnraum für Menschen mit geringem Einkommen zu vermitteln. Die Zahlen, die Ellen Eichhorn-Wenz, die als Fachleiterin Solidarität zusammen mit ihrer Kollegin Roswitha Bodenhöfer diese Herausforderung stemmt, sind beachtlich: 494 Personen, davon sind 184 Kinder und Jugendliche, in den Landkreisen Ludwigsburg und Waiblingen vermittelt werden.
Kreis Ludwigsburg Ungewöhnlich und erfolgreich
Mit dem seit 2019 laufenden Projekt „TürÖffner“ gelingt es der Caritas Ludwigsburg-Waiblingen-Enz bisherige Leerstände als Wohnraum für Menschen mit geringem Einkommen zu vermitteln.
Leerstand auf dem Wohnungsmarkt bringen
„Die Wohnungsnot ist so groß geworden und präsent, wir mussten uns diesem Thema annehmen, obwohl es nicht unsere Aufgabe ist“, sagt Eichhorn-Wenz im Gespräch mit der BZ. Im November 2018 wurde von der Caritas ein Konzept entwickelt, im Folgejahr haben die Caritas Ludwigsburg-Waiblingen-Enz und die katholischen Dekanate Ludwigsburg und Rems-Murr „TürÖffner“ ins Leben gerufen. Der Grundgedanke: Leerstand auf den Wohnungsmarkt bringen.
Die Caritas akquiriert Wohnraum im Landkreis Ludwigsburg und im Rems-Murr-Kreis. Wichtig ist dabei zunächst, dass sich die Wohlfahrtsorganisation und die künftigen Vermieter und die zu vermietende Wohnung kennenlernen. Ziel ist es, dass die Caritas einen Mietvertrag über die aus einem Leerstand kommende Wohnung abschließt. Dadurch ist für den Vermieter nicht nur zuverlässig die Mietzahlung sichergestellt, „mit dem Mietvertrag übernimmt die Caritas für den Eigentümer auch viel Service“, erklärt Eichhorn-Wenz, denn ihre Organisation schreibt die Wohnungen aus, sichtet und priorisiert die Bewerbungen. „Wir sind die Ansprechpartner in allen Anliegen rund um das Mietverhältnis.“
Sozialarbeiter begleiten Mieter jeder Wohnung
Bei der Auswahl der Mieter werden die Wohnungseigentümer, wenn sie dies wollen, einbezogen. Eichhorn-Wenz: „Dreh- und Angelpunkt ist eine gute Passung von Mietern und Vermietern.“ Inzwischen gebe es für jede Wohnung einen Sozialarbeiter, der die Mieter begleitet. Diese Begleitung sei wichtig und habe das Ziel der Hilfe zur Selbsthilfe. „Wir vermieten diese Wohnungen weiter an verschiedene Menschen“ sagt Eichhorn-Wenz. Sie unterscheiden sich in ihrer kulturellen und religiösen Zugehörigkeit, in Geschlecht, Lebensform, sexueller Identität, Alter, Weltanschauung, körperlichen Merkmalen, sozialem Status, Bildung und vielem mehr. Zum Kreis der Mieter gehören unter anderem alleinerziehende Elternteile mit ihren Kindern, Personen, die von Wohnungslosigkeit bedroht sind, Menschen mit Migrationshintergrund, Alleinstehende und Familien mit geringem Einkommen sowie Menschen mit Handicap.
Idealerweise schließt die Caritas Mietverträge mit den Eigentümern über einen Zeitraum von drei Jahren ab. „Ziel ist es, dass es danach ein direktes Mietverhältnis zwischen Mieter und Vermieter gibt“, ergänzt Eichhorn-Wenz.
Der Finanzbedarf für die Serviceleistungen von „TürÖffner“ für Mieter und Vermieter beträgt jährlich rund 240.000 Euro, der Großteil in Höhe von 100.000 Euro wird bisher aus dem Fond für bezahlbaren Wohnraum von der Diözese Rottenburg-Stuttgart bestritten, 15.000 Euro kommen aus den Landkreisen.
„Die Kirche hat massiv mitfinanziert und hat eines der wichtigsten Themen unserer Zeit priorisiert“, betont Eichhorn-Wenz. Die Finanzierung von „TürÖffner“ sei – auch mit Eigenmittel der Caritas – bis Ende 2026 gesichert. Die Kirche werde sich, so Eichhorn-Wenz, weiter beteiligen, aber mit einem geringeren Betrag. „Jetzt müssen wir schauen, wo wir Mittel herbekommen“, und man sei mit Hochdruck dabei, sicherzustellen, dass „TürÖffner“ weitergeführt werden kann. „Ein Projekt, dass so nah an dem Problem der Zeit ist, kann nicht eingestampft werden“, sagt Eichhorn-Wenz.
