Eine Gewitterzelle hat am Freitagmorgen gegen 5 Uhr die Region zwischen Markgröningen, Bietigheim-Bissingen und Freiberg getroffen. Die Feuerwehren wurden laut Landratsamt zu rund 100 Einsätzen mit umgestürzten Bäumen, überfluteten Straßen und Wasser in Kellern gerufen. Personen seien nach aktuellem Kenntnisstand nicht zu Schaden gekommen. „So etwas habe ich in 30 Jahren noch nicht gesehen“, sagte der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Ingersheim, Bernhard Burk.
Kreis Ludwigsburg Unwetter: Feuerwehren rücken rund 100 Mal aus
Am Freitag ist ein Gewitter von Markgröningen über Bietigheim-Bissingen bis nach Freiberg gezogen und hat zahlreiche Straßen überflutet. Die Wehren waren zum Teil im Dauereinsatz.
Mit dem ersten Donnerschlag hätten Sturm, Hagel und Regen eingesetzt. Seit 6 Uhr war die Wehr im Dauereinsatz, sagte Burk auf BZ-Anfrage. Vor allem in Großingersheim seien Dächer abgedeckt worden, ein Fitnessstudio stehe 80 Zentimeter unter Wasser. „Wir öffnen gerade den Parkettboden“, sagte Burk. Kleiningersheim sei noch glimpflich davon gekommen. Neben dem Vollalarm in der Gemeinde habe die Feuerwehr die Wehr in Bietigheim-Bissingen unterstützt, unter anderem in der Gustav-Rau-Straße und an der Bahnhofsunterführung.
Unterführung gesperrt
Unter der Brücke am Bietigheimer Bahnhof musste die Straße gesperrt werden, weil der Ablauf verstopft war und die Wassermassen nicht abfließen konnten. In Bietigheim-Bissingen wurde die Freiwillige Feuerwehr zu vielen kleinen Einsätzen mit voll gelaufenen Kellern und abgebrochenen Ästen gerufen. Von den Folgen des Gewitters seien viele betroffen worden, zum Glück sei aber nichts Schlimmes passiert.
„Das neue Entwässerungssystem an der Bietigheimer Bahnhofsunterführung hat nicht versagt“, sagte der Leiter des Baureferats-West im Regierungspräsidium Stuttgart (RPS), Andreas Klein. Bei dem Gewitter habe es Dreck und Schlamm mit jeder Menge Regen dort hinein gespült, was zu der Verstopfung geführt habe. An der Geisinger Straße seien Erde und Schotter weggespült worden, doch das sei für die B 27-Baustelle nicht kritisch. Der neue Belag der Auwiesenbrücke (die BZ berichtete) sei vor dem Gewitter trocken gewesen, „der Regen hat den Belag nur geputzt“, sagte Klein. Auch wenn der Starkregen dort Pfützen hinterlassen habe, „die Entwässerung hat funktioniert.“
Baum stürzt auf ein Haus
In Markgröningen hatten sich zwei Schäferinnen und zwei Schäfer für dieses Jahr zum Leistungshüten, dem Auftakt zum Schäferlaufwochenende, angemeldet. Die ersten beiden Teilnehmerinnen konnten den sieben-Punkte-Parcours mit der Schafherde des Stadtschäfers noch absolvieren, dann musste der Wettbewerb wegen des heftigen Unwetters mit zahlreichen Blitzen und starkem Regen abgebrochen werden. „Es tut uns sehr leid, dass wir es beenden müssen, aber Sicherheit geht vor“, erklärte Bürgermeister Jens Hübner dem Publikum. Die Gewitterfront stehe direkt über dem Gelände und ziehe nicht so schnell ab, wie erhofft. Regen an sich wäre dabei für die Schäfer und Schafherde kein Problem gewesen, der gehört zum Arbeitsalltag, aber einen Blitzeinschlag mit möglichen Verletzten wolle niemand riskieren.
Florian Scheidt, Gerätewart der Freiwilligen Feuerwehr Markgröningen, berichtete von sechs Einsätzen, die mit dem Unwetter am Freitagvormittag in Verbindung standen. „Wir hatten neben dem Einsetzen von Gullydeckeln noch einen Baum, der auf ein Privathaus gestürzt war und eine Flutung eines weiteren Hauses. Hier konnten sich die Eigentümer aber selbst helfen.“ Alles in allem sei das Unwetter in der Schäferlaufstadt jedoch glimpflich verlaufen, so Scheidt.
Sturmböen und Starkregen
Auch das Stadtgebiet Ludwigsburg wurde von der Gewitterzelle gestreift. Die Feuerwehr musste deshalb zwischen kurz vor 5 und 7 Uhr zu insgesamt fünf Einsätzen ausrücken. Im Vorfeld hatten die Warn-Apps für das Stadtgebiet teilweise die Warnstufe 3 angezeigt. Die Auswirkungen des Unwetters blieben in Ludwigsburg jedoch vergleichsweise gering, teilt die Feuerwehr mit. Schwerpunkt der Einsätze waren zwei umgestürzte Bäume sowie zwei Wasserschäden. Darüber hinaus unterstützte die Feuerwehr Ludwigsburg im Rahmen einer Überlandhilfe die Feuerwehr Bietigheim-Bissingen mit einer Drehleiter. Insgesamt waren vier Feuerwehrfahrzeuge aus Ludwigsburg im Einsatz. Nach rund zwei Stunden war das Einsatzgeschehen im Stadtgebiet weitgehend beendet.
Laut Angaben des Deutschen Wetterdienstes wurde das Gewitter von Sturmböen mit Geschwindigkeiten um die 80 Stundenkilometer, Hagel und Starkregen mit Niederschlagsmengen zwischen 15 und 25 Liter pro Quadratmeter pro Stunde begleitet.
