Seit Montag muss sich Anna W., eine 24-jährige ehemalige angehende Notfallsanitäterin, vor dem Landgericht Heilbronn verantworten. Die junge Frau soll in der Rettungswache des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Vaihingen versucht haben, drei ihrer Kollegen in fünf Fällen zu vergiften (die BZ berichtete). Ihr wird vorgeworfen, zwischen Oktober 2023 und April 2024 verschreibungspflichtigen Medikamenten, vor allem aufgelöstes Atropin, in Getränke gemischt zu haben. „Zumindest“, so die Staatsanwaltschaft, „hat die Angeklagte eine mögliche Intoxikation der Geschädigten und eine daraus resultierende Todesfolge billigend in Kauf genommen.“
Kreis Ludwigsburg Versucht, Kollegen zu vergiften?
Seit Montag muss sich in Heilbronn eine 24-jährige ehemalige Notfallsanitäterin verantworten, die versucht haben soll, drei ihrer Kollegen vergiftet zu haben.
Negativ aufgefallen
Leitender Richter und Vorsitzender der Schwurgerichtskammer am Landgericht Heilbronn, Dr. Martin Liebisch, war auf die Vita der Frau eingegangen, die zuvor in Illingen im Enzkreis gewohnt hatte. Demnach habe Anna W. 2012 ihre Ausbildung als Notfallsanitäterin beim DRK Vaihingen begonnen, habe allerdings im Laufe der kommenden drei Jahre fachlich nicht immer überzeugen können und sei mehrfach negativ aufgefallen. Auch habe sie Medikamente gestohlen, weshalb ihre Ausbilder sie wiederholt ermahnt hatten, dies zu unterlassen.
In allen fünf Anklagepunkten hätten die geschädigten Kollegen, damals zwischen 23 und 25 Jahre alt, immer die gleichen Symptome einer Vergiftung gezeigt – vor allem Herzrasen, Kopfschmerzen, Kontrollverlust beim Gehen, trockenen Mund, Gedächtnisverlust und deutlich erhöhte Pulsfrequenz.
Der Rechtsanwalt der Angeklagten, Jan Smollich, ging auf den Werdegang der im Jahr 2000 im bulgarischen Varna geborenen jungen Frau ein, die im Alter von wenigen Monaten von einer Illinger Familie adoptiert worden sei. Nach der Grundschule und dem Besuch des Gymnasiums habe sie nach dem Abitur und einem Jahr als FSJlerin ihre Ausbildung zur Notfallsanitäterin begonnen.
Drei Zeugen sagen aus
Diese sei durch die Kündigung des DRK Vaihingen beendet worden. Anschließend habe sie eine weitere Ausbildung zur Pharmazeutisch-technischen Assistentin begonnen, „mit einem bemerkenswerten Zwischenzeugnis“, die aufgrund der Untersuchungshaft seit Januar ruhe. Etwas Licht in die ganze Angelegenheit sollten dann die ersten Zeugenanhörung bringen.
Am Montag sagten die Lebensgefährtin des geschädigten Ausbilders, dessen Mutter sowie der damals diensthabende Polizeibeamte aus. Alle drei Zeugen hoben den schlechten gesundheitlichen Zustand hervor, den der Geschädigte vor allem beim zweiten angeblichen Vergiftungsversuch erlitten habe. Wie die Lebensgefährtin hervorhob, habe er schwere körperliche Ausfallerscheinungen gezeigt, und habe im Krankenhaus sediert werden müssen, damit sich der Organismus habe erholen können. Der diensthabende Chefarzt am Krankenhaus Mühlacker habe von einer „ernsthaften Lebensgefahr“ gesprochen, sagte die Lebensgefährtin aus. Dies konnten weder die Mutter des Geschädigten noch der Polizeibeamte bestätigen.
Der Notfallsanitäter habe an Herzrasen, einen wesentlich erhöhten Puls und anderen Symptome gelitten, die auf eine Vergiftung „durch Drogenmissbrauch oder aber durch verdorbene Lebensmittel oder eine Überdosis eines starken Medikaments“ schließen ließen, vermutete der Arzt damals.
Drogentest war negativ
Da ein Drogentest jedoch negativ ausfiel und auch das von zu Hause mitgebrachte, von seiner Lebensgefährtin zuvor gekochte Essen, keinen Anlass zur Erhärtung des Verdachts gegeben hatten, konnte nur eine nicht unerhebliche Menge an Atropin der Auslöser gewesen sein.
Heute, so die Lebensgefährtin, befinde sich ihr Freund nach wie vor in psychologischer Behandlung – „er hat zu Anfangszeiten bei Nachtschichten auf der Wache mit seinem Bett die Tür verbarrikadiert“ – und habe vor einiger Zeit seine Versetzung von Vaihingen nach Enzweihingen beantragt. Der Prozess wird am Mittwoch um 9 Uhr fortgesetzt.
