Kreis Ludwigsburg Volkshochschulen müssen sparen

Von Uwe Mollenkopf
Das aktuelle VHS-Programm steht unter dem Titel „Glück“. Wie sich die Sparanstrengungen zukünftig auf die Außenstelle im Bietigheimer Schloss auswirken (im Bild der Eingangsbereich), kann laut Kreisverwaltung noch nicht abgesehen werden. Foto: Oliver Bürkle

Als Teil der Kreisverwaltung muss auch die Schiller-VHS einen Konsolidierungsbeitrag für den Haushalt leisten. Dazu werden unter anderem Personalstellen abgebaut und Gebühren erhöht.

Die finanzielle Misere, in die der Kreishaushalt geraten ist, hat auch Auswirkungen auf eine Bildungsinstitution, die dieses Jahr auf ihr 80-jähriges Bestehen zurückblicken kann. Die Schiller-Volkshochschule Landkreis Ludwigsburg wurde am 6. Januar 1946 gegründet, „inmitten der Trümmer und der Unsicherheit der Nachkriegszeit“, wie Landrat Dietmar Allgaier in seinem Grußwort im aktuellen VHS-Heft hervorhebt. Nun ist ausgerechnet im Jubiläumsjahr Sparen angesagt, um den Kreishaushalt wieder ins Lot zu bringen.

Wie hoch sind die Kosten der Schiller-VHS?

Für die Schiller-Volkshochschule als Teil der Kreisverwaltung wurde im Haushaltsplan 2026 ein Nettoressourcenbedarf von 1,69 Millionen Euro veranschlagt. Nach Abzug des veranschlagten kalkulatorischen Ergebnisses von rund 933 000 Euro ergibt sich ein Zuschussbedarf von rund 757.000 Euro. Dies seien rund 0,069 Prozent der geplanten ordentlichen Aufwendungen im Ergebnishaushalt 2026 des Kreises, beschreibt Dr. Andreas Fritz, der Sprecher des Landratsamtes, die Dimensionen.

Wie viel Geld soll eingespart werden?

Laut Fritz hatte die Schiller-VHS, wie alle anderen Fachbereiche der Kreisverwaltung auch, im Rahmen der Haushaltskonsolidierung unter dem Titel „(Re-)Set 2026“ eine Einsparvorgabe bekommen. Um diese zu erreichen, hatte die Volkshochschule Handlungsempfehlungen mit einem Volumen von 761.475 Euro vorgeschlagen. Diese Empfehlungen seien dem Kreistag von der Haushaltskommission zur Umsetzung empfohlen worden, so Fritz. Der Kreistag beschloss im vergangenen Jahr die Umsetzung.

Durch welche Maßnahmen sollen die Einsparungen erreicht werden?

Um auf den anvisierten Betrag zu kommen, wurden zum einen die Gebühren zum Frühjahrssemester dieses Jahres erhöht. Laut dem Sprecher ergibt sich dadurch ein Mehrertrag von 92.000 Euro. Weiter werden möglichst viele Integrationskurse im Bereich Deutsch als Fremdsprache angeboten, wofür es Fördermittel gibt. Die zusätzlichen Einnahmen werden auf 450.000 Euro beziffert. Auf der anderen Seite wird auch der Rotstift angesetzt. Dazu zählt die Streichung/Reduktion von Fortbildungen für Mitarbeiter, Kursleiter und örtliche Vertretungen, um den Sachaufwand um rund 9000 Euro zu verringern. Auf 5400 Euro belaufen sich die Einsparungen beim Programmheft, 10.000 Euro spart man durch die Nicht-Besetzung einer FSJ-Stelle. Durch Personalkosteneinsparungen sollen die Kosten um 195.000 Euro reduziert werden. „Die Maßnahmen sind alle bereits in Umsetzung“, so Fritz gegenüber der BZ. Es seien 1,65 Vollzeitstellen gestrichen und 0,9 befristete Stellen beendet worden.

Wie wirken sich die Sparmaßnahmen auf die Kurse aus?

Die Kursplanung wird laut Andreas Fritz auf gut laufende Kurse konzentriert, der Vortragsbereich schrumpfe. Im laufenden Semester seien die Teilnehmerzahlen aber bislang stabil. Die langfristige Entwicklung sei schwer abzusehen, da die Entscheidung der Teilnehmer, einen Kurs oder eine Veranstaltung zu buchen, von vielen Faktoren abhänge, sagt Fritz. Die allgemeinen Kostensteigerungen führten dazu, dass die Teilnehmer sich ganz genau überlegten, wofür sie Geld ausgeben. Fritz: „Hier ist die Qualität der Lehre und die Weiterführung von Angeboten mit teils jahrzehntelang stabilen Gruppen ein wichtiger Faktor bei der Schiller-VHS.“

Inwiefern sind davon auch die Außenstellen, wie diejenige in Bietigheim-Bissingen, betroffen?

Die Schiller-VHS musste laut dem Sprecher aufgrund der Einsparungen bereits die Außenstelle in Vaihingen schließen. Wie sich die Entwicklung auf die Außenstellen in Bietigheim-Bissingen und Marbach am Neckar auswirkten, könne noch nicht abgesehen werden. Im gesamten Landkreis sei die Schiller-Volkshochschule zudem von Raummangel betroffen, so Fritz. Ziel sei es, weiterhin eine sehr gute Servicequalität für die Teilnehmer zu bieten – von der telefonischen Beratung zum passenden Kurs „bis hin zur Umsetzung konkreter Teilnehmerwünsche vor Ort“.

Wirkt sich die Bundespolitik auf die Integrationskurse aus?

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hat den staatlich finanzierten Zugang zu Integrationskursen stark eingeschränkt, nach Koalitionsstreitigkeiten und Kritik von Verbänden im Frühjahr dann aber wieder einen teilweisen Rückzieher gemacht. Laut Fritz haben die Einschränkungen der Förderungen bestimmter Personengruppen, wie zum Beispiel Asylbewerber, Geduldete, Unionsbürger und Menschen aus der Ukraine, innerhalb der Integrationskurse durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) aktuell geringe Auswirkungen im Landkreis Ludwigsburg. Obwohl die BAMF-Fragebögen länger geworden seien und weniger Personal bei der VHS zur Verfügung stehe, gelinge es, die Einstufungen in die Kurse vorzunehmen.

Ist das Thema Fusion von Volkshochschulen im Kreis ein Thema?

Im Landkreis Ludwigsburg gibt es insgesamt vier Volkshochschulen – neben der Schiller-VHS des Kreises und der Ludwigsburger Volkshochschule auch die Volkshochschulen in Gerlingen und Korntal-Münchingen. In der Vergangenheit war angesichts von Sparzwängen etwa in Ludwigsburg auch schon über eine Fusion diskutiert worden. Aus dem Kreishaus heißt es dazu, diese Struktur sei historisch gewachsen und habe sich aufgrund der wohnortnahen sowie bedarfsorientierten Bildungsarbeit bewährt. Die Schiller-VHS sei in den übrigen 36 Kommunen des Landkreises tätig und arbeite dort eng mit den Städten und Gemeinden zusammen. „Der Landkreis steht Kooperationen offen gegenüber, die zu einer Stärkung der Angebote der Volkshochschule beitragen“, erklärt Landrat Dietmar Allgaier zu der Fusionsfrage. „Ob daraus künftig eine Fusion entstehen könnte, lässt sich derzeit nicht beantworten.“ Grundsätzlich sei man jedoch gesprächsbereit, so der Landrat. 

 
 
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