Kreis Ludwigsburg Volles Haus bei Deutschland-Spielen

Von unserer Redaktion
Jubel beim Sieg der Türkei über Österreich im EM-Achtelfinale am Dienstag in der Lamabar: Betreiber Selim Rataj (vorne links) freut sich auch auf das Viertelfinale Deutschland-Spanien am Freitag. Foto: /Martin Kalb

Die Fußballeuropameisterschaft sorgt für gute Stimmung bei den Fans. Für die Gastronomen im Kreis fällt das Ergebnis bislang aber ziemlich gemischt aus.

Die Stimmung während der Fußball-Europameisterschaft im Land ist prächtig. Doch profitiert auch die Gastronomie von diesem sportlichen Großevent? Die BZ hat im Verbreitungsgebiet nachgefragt.

Beim Public Viewing in den Biergärten Bietigheim-Bissinge ns fällt die Bilanz für den EM-Sommer durchwachsen aus. Schuld daran sei das Wetter, so Sasko Zaovski, der den Biergarten Rössle am Bürgergarten betreibt. Das sei diese Saison extrem unbeständig. „Es geht immer von null auf 100, von 100 auf null. Du kannst einfach nicht mehr richtig planen“, sagt Zaovski. Wenn es regnet, kommen kaum Kunden, sobald sich die Sonne zeige, sei der Biergarten voll.

Das mache sich auch bei den Spielen der Fußball-EM bemerkbar, für die der Wirt extra zwei große Fernseher angeschafft hat. Ob die Fans kleinerer Mannschaften seinen Biergarten besuchen, sei extrem wetterabhängig. Die deutsche Nationalelf sei hingegen ein relativ zuverlässiger Umsatzbringer; ebenso Teams mit starker Fanbase wie etwa Kroatien. „Da waren viele da“, sagt Zaovski. Für das Viertelfinale zwischen Deutschland und Spanien am Freitag hofft er auf gutes Wetter.

Das gilt aus für Selim Rataj, der in unmittelbarer Nachbarschaft die Lamabar betreibt. Für das Viertelfinale sei sein Betrieb bereits ausgebucht. Ratajs Vorteil: Bei ihm können die Fans zur Not auch drinnen Fußball schauen wie beim Achtelfinale Türkei-Österreich, das wettermäßig ziemlich ins Wasser fiel.

Umsatzbringer seien vor allem die Spiele der deutschen Nationalmannschaft. „Aber auch beim türkischen, spanischen und italienischen Team kommen viele zum Schauen“, sagt Rataj. Und natürlich bei Albanien, so der Wirt, der selbst albanische Wurzeln hat. Generell sei der Sommer aber wirtschaftlich gut.

Das bestätigt auch Marcos Angas. Er ist stellvertretender Hoteldirektor des Schlosshotels Monrepos sowie Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) im Kreis Ludwigsburg. Der Juli sei grundsätzlich ein starker Geschäftsmonat im Gastronomie- und Hotelleriegewerbe. „Das Wetter hat der Branche dieses Jahr aber massiv einen Strich durch die Rechnung gemacht“, sagt Angas.

Die Europameisterschaft habe dennoch für einen Schub gesorgt. Das betreffe nicht nur sein eigenes Haus, in dem das belgische Team bis zu seinem Ausscheiden im Achtelfinale gegen Frankreich am Montag logierte. Obwohl: „Wir hätten die gerne noch etwas länger bei uns gehabt“, gibt Marcos Angas zu. Für die Fußballer aus Belgien hatte das Schlosshotel umfassend modernisiert, unter anderem eine Ölheizung durch Wärmepumpen ersetzt und war von den Stadtwerken Ludwigsburg-Kornwestheim ans Breitbandnetz angeschlossen worden. Die EM sei ein guter Anlass für diese Vorhaben gewesen.

Angas sieht in dem Turnier aber auch einen Gewinn für das Gastgewerbe der gesamten Region. „Das ist eine unbezahlbare Marketingmaßnahme“, sagt der Dehoga-Vertreter. Er ist überzeugt, dass es künftig viel mehr Besucher aus den Benelux-Staaten geben werde. „Die hatten den Kreis Ludwigsburg bisher gar nicht auf der Karte.“

Einziger Wermutstropfen: „Es wäre schön gewesen, das Thema Public Viewing noch besser zu bespielen“, sagt Angas. Erstmalig während dieser Europameisterschaft wird es am Freitag in Ludwigsburg auf dem Rathaushof ein organisiertes Public Viewing geben (siehe Infobox). Für das Spiel Deutschland gegen Spanien fährt die Stadt groß auf, was sicherlich einige Fußball-Fans anlocken wird.

Was die Gastronomie in der Barockstadt betrifft, ist der Gästeandrang etwas angestiegen, erklärt Orhan Özbagci, Inhaber vom Uferstüble Ludwigsburg. Hereingelassen werden trotzdem nur so viele, wie es der Platz erlaubt, ab 1000 ist Schluss. „Leider muss ich manchmal Gäste wegschicken, weil wir volles Haus haben“, erklärt der Ludwigsburger. Im Vergleich zum Alltagsgeschäft oder den Live-Musik-Veranstaltungen, bewege sich die Anzahl der Gäste ungefähr im gleichen Bereich. Lediglich die Deutschland-Spiele reißen es heraus. Ob der Umsatz deswegen angestiegen ist? „Ich mache ein Minusgeschäft“, sagt Özbagci. Zusätzliches Personal, die Kosten für die vielen TV-Geräte oder auch der Sicherheitsdienst bei Deutschland-Spielen werden durch den Umsatz nicht aufgefangen, erklärt er. Mehr Kosten, die sich seiner Ansicht nach aber lohnen. „Die geniale Stimmung bei den Deutschland-Spielen, die ist mir die Kosten wert. Ich bekomme Gänsehaut, wenn meine Gäste zusammen die Nationalhymne singen und bei den Toren jubeln“, erzählt Özbagci. Einen kleinen Vorteil brachte das letzte Deutschlandspiel gegen Dänemark ein – während der Unterbrechung aufgrund des Regens im Stadion sind mehr Getränke bestellt worden. „Also gerne wieder Unterbrechungen“, sagt der Ludwigsburger Gastronom und lacht.

Ähnlich sieht es im Wirtshaus Zum Badgarten Ludwigsburg aus. Zwar macht der Biergarten kein Minusgeschäft, dafür gehe man mit einer glatten Null heraus, erklärt Predrag Sredan. „Die Kosten, die dadurch entstehen, sind höher als erwartet“, so Sredan.

Übertragen werden zwar alle Spiele, am gefragtesten seien aber die Deutschland-Spiele. Sredan könne daher keine Reservierungen annehmen, bei dem Gästeandrang wäre die Organisation schwierig, meint er. Zudem sollen jedem Fan die gleichen Chancen eingeräumt werden. Eine beliebte EM-Location sei der Badgarten wegen der Großbildleinwand, die von jedem Platz aus sichtbar sei. „So sieht jeder etwas“, meint Sredan. Im Übrigen auch die Gäste, die keinen der 350 Plätze im Außenbereich ergattern können. „Viele bringen ihre Decken oder Campingstühle mit und schauen von den Rasenflächen aus Fußball“, erklärt er.

An diesen Tagen gilt daher Selbstbedienung vom Grill- oder Bierstand, das entzerre die Wartezeiten. „Es muss schneller gehen, immerhin läuft das Spiel ja weiter“, betont Sredan lachend. Welchen Vorteil der Badgarten aus der EM ziehen kann? Viele neue Gäste, die den Biergarten vorher nicht gekannt haben, sagt Sredan.

„Bei uns ist die Stimmung immer toll“, sagt Despina Papadopoulou von der Kultkneipe Stromberg am Bönnigheimer Marktplatz. Solange ein Spiel läuft, versammeln sich die Gäste in und um die Gaststätte. Papadopoulou: „Wir sorgen aber auch für gute Stimmung mit günstigen Getränkepreisen während der Spiele und einem Shot bei jedem deutschen Tor.“

Neben den günstigen Preisen gibt es im Stromberg unter anderem auch Verlosungen. „Wir sind da schon sehr einfallsreich“, merkt die Wirtin an. Bei den Spielen der deutschen Nationalmannschaft kommen bis zu 150 Gäste – viele kämen spontan ohne Reservierung, um die Fußballspiele gemeinsam zu erleben. Im Stromberg werden alle Begegnungen der EM gezeigt, in der Gaststätte und davor.

 
 
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