Kreis Ludwigsburg Vom Arbeiterkind zum Landtagsabgeordneten

Von Yannik Schuster
Tayfun Tok vor der Kulisse der Besigheimer Altstadt. Neben Städten wie Wien und Wiesbaden gehört auch die Stadt an Enz und Neckar zu den Favoriten der 39-Jährigen. Foto: /Martin Kalb

Grünen-Kandidat, Tayfun Tok erzählt über seinen Werdegang und seine Leidenschaft für Geschichte, Stadtarchitektur und Fußball.

Unterschiedlicher hätten die Nominierungsveranstaltungen der Grünen für Tayfun Tok nicht laufen können: Vor der Landtagswahl 2021 hatte er den amtierenden Landtagsabgeordneten Daniel Renkonen in einer Kampfkandidatur denkbar knapp geschlagen. Fünf Jahre später, in denen Tok den Wahlkreis 14 (Bietigheim-Bissingen) als direkt gewählter Abgeordneter vertrat, stimmten 24 von 25 Delegierten für eine erneute Kandidatur des 39-Jährigen.

Als Enkelkind türkischer Gastarbeiter und Sohn einer alleinerziehenden Mutter, die viele Jahre in einer Großbäckerei gearbeitet habe, sei er ein „klassisches Arbeiterkind“, so Tok. Er wurde in Ludwigsburg geboren, besuchte die Grundschule in Steinheim, und erlangte zunächst einen Hauptschulabschluss, machte die mittlere Reife und schließlich das Abitur an der Robert-Franck-Schule in Ludwigsburg.

Nach der Schule studierte Tok politische Ökonomie und Geschichte auf Lehramt, brach das Studium jedoch ab. Damals sei das für ihn eine kleine Krise gewesen, die ihn, so sagt er es heute, stark geprägt habe. „Irgendwann fliegt jeder mal auf die Schnauze. Meine Aufgabe ist es, den Leuten die Hand zu reichen.“ Schließlich absolvierte Tok eine Weiterbildung zum Betriebswirt. Vor seinem Engagement als Abgeordneter war Tok für eine gesetzliche Krankenkasse tätig und beriet Unternehmen in betrieblicher Gesundheitsförderung.

Eine große Rolle im Leben von Tayfun Tok spielt sei jeher der Fußball: Lange war der VfB-Fan im Fußballverein in seiner Heimatgemeinde Murr aktiv, zunächst in der Jugend, dann in der ersten Mannschaft und zuletzt bei den Alten Herren (AH). Auch eine große Schwäche für Geschichte und Stadtarchitektur zählt der Abgeordnete zu seinen Leidenschaften. Besonders begeistert hätten ihn Städte wie Wien oder Wiesbaden mit ihrem Klassizismus aber auch Besigheim zählt er zu seinen Lieblingsstädten.

Politisiert durch Terroranschläge vom 11. September

„Politisiert hat mich der der 11. September“, sagt der 39-Jährige. Muslime seien damals unter Generalverdacht gestellt worden. Die Grünen jedoch hätten keinen Unterschied gemacht, woher jemand komme, deshalb sei er in die Partei eingetreten. Dabei habe er als Arbeiterkind eigentlich wenig Berührungspunkte mit dem Kernthema der Partei – der Ökologie – gehabt. Die Natur habe er erst später richtig zu schätzen gelernt, sagt Tok heute. Vielmehr gehört die Wirtschaft zu den Spezialgebieten des Abgeordneten. „Mit grünen Ideen schwarze Zahlen schreiben“, lautet sein Credo. Auch die Stärkung lebenswerter Ortsmitten gehört zu seinen Kernanliegen.

Als Tayfun Tok 2021 für den Landtag kandidieren wollte, habe seine Familie aufgrund des zunehmenden Rechtsrucks im Land zunächst Bedenken geäußert. Doch von ein paar bösen E-Mails abgesehen, sei er nie Bedrohungen ausgesetzt gewesen, sagt Tok. Dass er erneut antritt, sei für ihn immer klar gewesen. „In der ersten Legislatur lernt man viel, baut Kontakte auf. Jetzt will ich nochmal eine Schippe drauflegen.“ Und: „Ich will den Menschen, die so heißen wie ich, zeigen, dass in Baden-Württemberg alles möglich ist.“

Für den Wahlkampf hat sich Tayfun Tok einiges vorgenommen. Neben Infoständen und viel Haustürwahlkampf wird demnach auch Politik-Prominenz erwartet: Franziska Brantner, Bundesvorsitzende der Grünen, Ricarda Lang, ehemalige Bundesvorsitzende der Partei, sowie ein Überraschungsgast werden erwartet. „Ich will hinhorchen, wo bei den Leuten der Schuh drückt.“

Kretschmann, Schopenhauer und Mayer als prägende Figuren

Er sei optimistisch, wieder in den Landtag einziehen zu können, im Zweifel über die Landesliste der Grünen. „Ich will das Mandat verteidigen und werde alles dafür geben. Aber es gibt auch ein Leben nach der Politik.“ Geprägt habe ihn in den vergangenen fünf Jahren Ministerpräsident Winfried Kretschmann, dessen innere Ruhe und Kompass ihm Orientierung gegeben habe. Aber auch Philosophen wie Arthur Schopenhauer oder der Marbacher Astronom Tobias Mayer hätten großen Einfluss auf ihn gehabt, sagt Tok.

Für eine mögliche zweite Legislatur hat sich Tayfun Tok vorgenommen, den Wahlkreis voranzubringen, den Wirtschaftsstandort zu stärken, Firmen bei Forschung und Bürokratieabbau zu unterstützen und sich für mehr Sprachförderung in Kindergärten einzusetzen.

Hier geht’s zu mehr BZ-Kandidatenporträts zur Landtagswahl 2026:

Ingrid Petri (Die Linke)Daniel Haas (SPD)

 
 
- Anzeige -