Kreis Ludwigsburg Vor allem Katzen landen im Tierheim

Von Jennifer Stahl
Bisher wurden in den Ferien insbesondere Katzen in den Tierheimen Ludwigsburg und Vaihingen abgegeben. Auch Timani Foto: /Tierheim Ludwigsburg

Nicht selten werden Haustiere über die Urlaubszeit abgegeben oder sogar ausgesetzt. Wie gehen die Tierheime in der Region mit der aktuellen Situation um?

Immer wieder hört man von Tierheimen, die überlastet sind. Einer Trendumfrage des Deutschen Tierschutzbundes zufolge berichten 69 Prozent der Tierheime davon, dass ihre Auslastung mindestens sehr hoch ist. 49 Prozent davon geben an, dass sie sogar übervoll sind. Ein Auslöser dürften die Folgen des Corona-bedingten Haustier-Booms sein, unüberlegte Tierkäufe, gefolgt von allgemeinen Kostensteigerungen. Nicht selten kommt es vor, dass Tiere während der Sommerferien abgegeben oder gar ausgesetzt werden. Die BZ hat bei den Tierheimen im Kreis nachgefragt. „Die Zahlen der Tiere, die während der Sommerferien zu uns kommen, decken sich bisher ziemlich genau mit denen von 2024“, sagt die Leiterin des Tierheims Ludwigsburg, Ursula Gericke. Auch in den Pfingstferien sei das Tierheim immer ziemlich ausgelastet.

Viele Katzen aufgenommen

„Bei uns wurden bislang so viele Hunde abgegeben wie üblich. Vor allem bei den Katzen sieht das aber anders aus – da sind wir ziemlich voll“, erklärt sie. Abgelehnt werden die Tiere in Ludwigsburg nicht, sagt Gericke. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien dankbar, wenn jemand die abgegebenen Haustiere in Pflege nimmt. Grund für die Abgabe seien ihrer Aussage nach unter anderem zu hohe Tierarztkosten. Auch Kleintiere, wie Kaninchen, und Vögel, würden aktuell vermehrt im Tierheim landen. Erst vor kurzem sollen zwei Hähne im Wald gefunden und in das Ludwigsburger Tierheim gebracht worden sein, so die Leiterin. Selten würden die Menschen ihre Lieblinge allerdings abgeben, weil sie in den Urlaub fahren. „Vielmehr landen sie bei uns, weil die Tiere krank sind, kaputte Zähne haben und die Kosten nicht gedeckt werden können oder ähnliches.“

Ursula Gericke ist es besonders wichtig, auf die Katzenschutzverordnung aufmerksam zu machen. Diese soll die zunehmende Population verwilderter und frei lebender Katzen verringern. In der Regel müssen Halter von frei laufenden und fortpflanzungsfähigen Haus- und Rassekatzen die Tiere nämlich ab einem Alter von fünf Monaten auf eigene Kosten mittels Mikrochip kennzeichnen, in einem Haustierregister registrieren und durch Kastration unfruchtbar machen. Weiterhin sagt Gericke, dass unbedingt mit der Züchterei aufgehört werden muss. Das sei ein weiterer Aspekt, aus dem immer mehr Tiere im Tierheim landen. Den Menschen, die sich ein Haustier anschaffen möchten, sollte laut Gericke außerdem unbedingt vorab klar sein, dass es sich um ein Familienmitglied handelt. „Man muss wissen, dass man das Tier nicht außen vor lassen darf und sich kümmern muss“, sagt sie.

Oft auch kurzfristig Anfragen

Ähnlich sieht es im Tierheim in Vaihingen aus. Leiterin Anneliese Petzold sagt, dass immer zur Urlaubszeit und meist auch sehr kurzfristig Anfragen zur Aufnahme von Hunden, Katzen oder Kaninchen kommen würden. „Leider sind wir derzeit, wie fast das ganze Jahr über, vollständig ausgelastet“, sagt Petzold. Pflegetiere könne das Tierheim aus Kapazitätsgründen nicht aufnehmen. In der Mehrzahl werden in Vaihingen, wie in Ludwigsburg auch, Katzen abgegeben. Hunde würden meist aus anderen Gründen ins Tierheim gebracht werden, beispielsweise, weil ein Familienmitglied eine Allergie hat.

Bei der Abgaben eines Tieres komme es schließlich darauf an, ob im Tierheim überhaupt noch Platz ist. „Derzeit ist leider alles vollständig belegt“, sagt Petzold. Probleme machen dem Tierheim die vielen Katzen, die meist tragend als Fundtiere ankommen. „Wir sind alle ehrenamtlich tätig und tun immer unser Bestes, kommen aber auch an unsere Grenzen“, sagt sie.

Unklar, ob wegen der Ferien

Es sei schwer zu sagen, ob die Abgabe der Tiere tatsächlich wegen der Sommerferien zunimmt, „die Besitzer finden meistens andere Gründe.“ Doch für die Haustiere hat das oft psychische Folgen: „Ein Umzug aus dem gewohnten Umfeld, von den gewohnten Menschen, ist immer mit viel Stress für die Tiere verbunden“, sagt Petzold. „Die fressen dann oftmals tagelang nicht, bekommen Durchfall oder ähnliches.“

Anneliese Petzold rät jedem, der mit dem Gedanken spielt, sich ein Haustier anzuschaffen, sich einen Plan B zurechtzulegen. Krankheit, Urlaub und andere Aspekte sollten unbedingt vor der Aufnahme beachtet werden, „wir fragen immer nach dem Plan B.“ Zudem sollten die Menschen stets rechtzeitig nach einer Vertretung schauen. So sei schon oft vorgekommen, dass Haustierbesitzer für zwei Tage in den Urlaub fahren und sich niemand Zuhause um das Tier kümmert.

 
 
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