An heißen Sommertagen bietet für viele Menschen das Freibad willkommene Abkühlung. Hier kann man sich im kühlen Nass erfrischen und in Ruhe auf der Wiese liegen – im Normalfall. Immer wieder machen jedoch Schlagzeilen die Runde, in denen von respektlosen Badegästen, manchmal gar schweren Straftaten die Rede ist. Einige Freibäder setzten daher bereits zusätzliches Sicherheitspersonal ein.
Kreis Ludwigsburg Wenn der Respekt im Freibad fehlt
Manch ein Freibad greift an besucherstarken Tagen auf externes Sicherheitspersonal zurück, andere sehen dafür bislang keinen Anlass.
So auch die Stadtwerke Bietigheim-Bissingen im Badepark Ellental. An besonders besucherstarken Tagen seien demnach zwei Mitarbeiter einer externen Security-Firma vor Ort, sagt Bäderleiter Thilo Dittmann. Dadurch soll sich der Schwimmmeister auf seine eigentlichen Aufgaben konzentrieren können. Besagte Security würde im Freibad Streife laufen und Präsenz zeigen. Schon allein das schrecke den ein oder anderen ab, sagt Dittmann.
Und trotzdem komme es immer wieder zu Vorkommnissen, die ein Eingreifen des Sicherheitspersonals rechtfertigen würden, wenngleich es sich in aller Regel eher um Störungen als ernsthafte Straftaten handele. Dittmann nennt zum Beispiel Badegäste, die Blödsinn auf der Rutsche treiben, die ohne Rücksicht auf andere Gäste Fußball auf der Wiese spielen oder auch die gelegentlichen Zaunkletterer, die versuchen, kostenlos ins Freibad zu kommen. „Insgesamt hat der Respekt gnadenlos nachgelassen“, so sein Urteil.
Arte eine Situation aus oder sei ein Gast besonders uneinsichtig, dann hole man die Polizei dazu. An jedem zweiten heißen Tag komme das in etwa vor, sagt Dittmann. Insgesamt fünf Hausverbote habe man in der laufenden Badesaison bislang ausgesprochen. Unterm Strich sei die Stimmung im Freibad aber nach wie vor gut, „Berliner Verhältnisse“ habe man in Bietigheim keine, betont der Bäderleiter.
Wie sieht es in anderen Freibädern im Kreis aus? Als Familien- und Freizeitbad mit entsprechendem Publikum komme man im Mineralfreibad Bönnigheim noch sehr gut ohne Security aus, sagt German Thüry, der als Betriebsleiter Stadtwerke auch für das Freibad zuständig ist. Schwierige Badegäste seien in der Minderheit. Thüry: „Das Hausrecht wird vom Bäderpersonal ausgeübt. Bei einzelnen negativen Vorkommnissen sprechen wir zum Schutz unserer Badegäste auch Hausverbote aus.“
Bürgermeister Boris Seitz hat für das Freibad Mundelsheim eine eindeutige Einschätzung: „Bei uns funktioniert noch das Wort des Bademeisters und die soziale Kontrolle, wir haben eigentlich keine Probleme dieser Art.“
„Unsere Bademeister achten auf das Wohlergehen unserer Badegäste und es gab bislang keinen Anlass, einen Sicherheitsdienst zu beauftragen“, sagt Bürgermeister Robert Feil zum Freibad Löchgau. Hilfreich sei hierfür sicherlich die Ausrichtung des Bads mit seiner familiären Atmosphäre. Dementsprechend sei im Löchgauer Freibad kein Security-Dienst im Einsatz.
Fachbereichsleiter Roland Hauber erklärte auf Nachfrage, dass im Mineral-Parkfreibad Besigheim zur Entlastung des Personals zuletzt an den Wochenenden mit der extremen Hitze Security im Einsatz war.
Im Schloss-Freibad in Sachsenheim wird derzeit keine Security eingesetzt. Der Trägerverein hält das, wie er mitteilt, aktuell nicht für erforderlich: „Die wenigen Vorkommnisse, die während des Badebetriebs auftreten, halten sich in einem überschaubaren Rahmen und können vom Team der Schwimmmeister und den weiteren Mitarbeitern vor Ort gut bewältigt werden“, so Vorstand Nicole Klingler. Die Mitarbeiter seien während des Betriebs präsent, sorgten für die Einhaltung der Hausordnung und sprächen Gäste bei Bedarf an. Dieses Vorgehen habe sich bisher bewährt.
Laut der Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Ludwigsburg, Yvonne Schächtele, gab es in dieser Freibadsaison im Landkreis Ludwigsburg 35 Einsätze in Schwimm- und Freibädern. Zum Vorjahr liegen keine Daten vor. Elf der Einsätze waren Diebstahlsdelikte, bei denen beispielsweise Geldbeutel, Handys oder Rucksäcke im Freibad gestohlen wurden. In zehn der Einsätze war ein zu hoher Alkoholkonsum ursächlich für Streit zwischen Gästen untereinander oder mit dem Personal, den die Polizei schlichten musste. Bedrohungen, Beleidigungen oder Körperverletzungen kamen sechs mal vor, und vier Mal wurde die Polizei wegen sexueller Belästigung oder Exhibitionismus in ein Freibad gerufen.
Die 35 Einsätze verteilen sich auf Freibäder in Bietigheim-Bissingen, Bönnigheim, Asperg, Vaihingen, Oberstenfeld, Steinheim an der Murr, Sachsenheim und Ludwigsburg. Am häufigsten ist es, so Schächtele weiter, in den Nachmittags- und Abendstunden zu Einsätzen gekommen, außerdem an den Wochenenden.
Die Streifendienste kontrollieren laut dem Polizeipräsidium auch die Frei- und Schwimmbäder.
