Kreis Ludwigsburg Wenn junge Menschen mitreden dürfen

Von Jennifer Stahl
Ungefähr 160 Jugendliche haben im vergangenen Jahr am Jugendforum in Sachsenheim teilgenommen. Hier können sich junge Menschen austauschen sowie Wünsche und Kritik äußern. Foto: /Martin Kalb

In immer mehr Kommunen gibt es eine Kinder- und Jugendbeteiligung. Neben Jugendforen existieren in einigen Städten Jugendgemeinderäte.

Der Gemeinderat einer Kommune trifft sich regelmäßig und bespricht Themen, die die Gemeinde aktuell und in Zukunft beschäftigen. Auch junge Menschen können sich einer solchen Verantwortung unterziehen, seit 2015 müssen Jugendliche sogar bei Vorhaben, die sie betreffen, in angemessener Weise beteiligt werden.

Laut einer Studie der Landeszentrale für politische Bildung (LpB) ist die Zahl der Kommunen mit einem Jugendbeteiligungsangebot von 53 auf 68 Prozent seit der letzten Befragung im Jahr 2018 gestiegen, in der Kinderbeteiligung stieg der Zuwachs von 23 auf über 55 Prozent noch stärker an. Von 1101 Kommunen im Land Baden-Württemberg haben sich laut LpB 988 an der Studie beteiligt. Die Erhebung fand im Zeitraum von Dezember 2022 bis Juni 2023 statt.

Aus dem Landkreis Ludwigsburg haben alle 39 Kommunen an der Studie teilgenommen und bei jeder davon ist die Kinder- und Jugendbeteiligung Bestandteil. Bei den Angeboten handelt es sich beispielsweise um Jugendforen, also Veranstaltungen, bei denen Kinder und Jugendliche ihre Wünsche und Kritik einbringen können. Die BZ hat drei Kommunen aus dem Landkreis bezüglich ihrer Formate der Kinder- und Jugendbeteiligung befragt.

Sachsenheim

Die Stadt Sachsenheim bietet Jugendforen als Form der Jugendbeteiligung an, am Jugendforum im vergangenen Jahr sollen circa 160 Jugendliche teilgenommen haben.

Der Gemeinderat hat zudem 2020 eine Satzung für die Schaffung eines Jugendbeirats verabschiedet. Acht stimmberechtigte Jugendliche sitzen im Gremium, dabei sollen laut Satzung zwei Sachsenheimer Jugendliche, die keine Schule vor Ort besuchen, sowie je ein Vertreter der weiterführenden Schulen und ein Besucher des Jugendhauses dabei sein.

„Um gewählt zu werden, müssen die Jugendlichen mindestens 14 und dürfen höchstens 20 Jahre alt sein“, sagt Nico Blum, kommunaler Jugendreferent der Stadt Sachsenheim. Ab März wechselt er in die Stadtverwaltung Ludwigsburg und übernimmt dort im Fachbereich „Bildung und Familie“ die Abteilung „Jugend“ (die BZ berichtete).

Mindestens viermal im Jahr finden Sitzungen statt, weitere Treffen sind freiwillig. Es gibt auch Bildungsreisen und Fortbildungen, meint Blum. Der Ablauf sei wie bei jeder anderen Gemeinderatssitzung auch. „Es gibt eine Tagesordnung, Anträge werden formuliert und so weiter.“ Wichtig seien den Jugendlichen beispielsweise die Ausstattung von Sportplätzen und die Erweiterung von Freizeitangeboten. „Ein Impuls zur Stadtverschönerung kam auf. Gemeinsam mit einem Graffiti-Künstler haben die Jugendlichen im vergangenen Sommer die Großsachsenheimer Bahnunterführung verschönert“, erinnert sich Blum.

Besonders wichtig sei ihm, dass die Jugendlichen ernst genommen werden und dass sie an Entscheidungen beteiligt sind. Die Stadt sollte sich jedoch auch auf Formen der Beteiligung für Kinder fokussieren: „Es ist einfach wichtig, dass junge Menschen schon früh mit eingebunden werden.“

Vaihingen

In Vaihingen gibt es einen Jugendgemeinderat, dieser hält sich schon seit 1995 ohne Unterbrechung. Um gewählt werden zu können, muss man zwischen 14 und 19 Jahre alt sein und seit mindestens drei Monaten mit Hauptwohnsitz in der Stadt gemeldet sein. „Die Jugendlichen können ihren Bewerbungsbogen an den Schulen, in den örtlichen Verwaltungsstellen oder im Rathaus abgeben“, sagt Miriam Schulze von der Geschäftsstelle des Gemeinderates Vaihingen.

Gewählt werden 20 Räte per Briefwahl von den Vaihinger Jugendlichen, die Amtszeit ist auf drei Jahre festgelegt. Mindestens drei Mal pro Jahr wird getagt, „im Schnitt finden aber zwischen sechs und acht Sitzungen statt“, meint Schulze. Das erste Großprojekt der Jugendlichen sei die alljährliche Wunschbaumaktion zugunsten finanziell benachteiligter Kinder gewesen. „Im April findet der erste Vaihinger Band-Contest in der Stadthalle statt – hier sind unsere Räte neben anderen Beteiligten in der Organisation involviert.“ Während der Pandemie soll die Motivation einiger Jugendlichen ins Wanken gekommen sein, das derzeitige Gremium beweise laut Schulze aber das genaue Gegenteil: „In den Sitzungen sind sie ideenreich, bunt und motiviert.“

Vorsitzende aus Vaihingen

Lias Walker ist 18 Jahre alt und der 1. Vorsitzende des Vaihinger Gemeinderats. „Aufmerksam darauf wurde ich durch einen Freund, der damals durch die Schulen ging und über die Neuwahlen berichtete.“ Der 18-jährige Hugo Gremmelspacher ist Walkers Stellvertreter, beide wurden in der ersten offiziellen Sitzung des neuen Gremiums gewählt.

„Ich erlebe ein wahnsinnig gutes Engagement seitens der Jugendgemeinderäte“, sagt Walker. Gremmelspacher betont, dass sie als gewählte Vertreter von der Stadt ernst genommen werden, „mich stört allerdings das geringe Interesse der Vaihinger Jugend an unserer Arbeit. Sitzungen werden nicht oder kaum von Zuhörern besucht“, kritisiert er.

Ludwigsburg

Der Jugendgemeinderat in Ludwigsburg besteht aus 21 Mitgliedern. Wählen und gewählt werden können alle Jugendlichen zwischen 14 und 20 Jahren. Das erklärt Hannah Junginger vom städtischen Fachbereich Bildung und Familie, Geschäftsstelle Jugendgemeinderat. Ordentliche Sitzungen finden in Ludwigsburg einmal pro Quartal statt, bei Bedarf kann es aber weitere Sitzungen geben.

Die Stellung kostenloser Menstruationsprodukte an allen weiterführenden Schulen war eines der Projekte, das vom Jugendgemeinderat ins Leben gerufen wurde. „Ein Arbeitskreis hat zu Produkten und Herangehensweisen in anderen Kommunen recherchiert und Gespräche mit Schulleitungen und Stadtverwaltung geführt“, erklärt sie. Die Idee wurde daraufhin vom Fachbereich Bildung und Familie aufgegriffen und zu Beginn des aktuellen Schuljahres umgesetzt. Neben den typischen Formen der Jugendforen werden auch Grundschulkinder in verschiedenen Formaten eingebunden.

Wichtig sei der Stadt vor allem, jungen Menschen eine Stimme zu geben. „Der Jugendgemeinderat bildet eine Möglichkeit, sich auf vielfältige Art zu beteiligen und möglichst viel Mitwirkung zu erzielen“, sagt Junginger. Das Interesse der Jugend zeige sich dahingehend: Bei der vergangenen Wahl hätten über 50 Jugendliche für die 21 Plätze kandidiert.

 
 
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