Bei Matteo wurde vor der Geburt eine gestaute Blase erkannt, die einen Rückstau in die linke Niere verursachte. „Die rechte Niere ist aber gesund, sodass die Nierenfunktion insgesamt normal ist“, erzählt Daniel Tridico, Vater des heute bald zehn Monate alten Babys. Die junge Familie aus Asperg bekam die relativ seltene Diagnose eines Nierenreflux höchsten Grades, wodurch die Infektionsgefahr deutlich erhöht ist.
Kreis Ludwigsburg Wie der Verein Aufwind kranken Kindern hilft
76 Familien von Frühgeborenen und erkrankten Kindern hat das Ludwigsburger Nachsorgeteam 2025 betreut.
Mit dieser Diagnose und nach seiner komplizierten Geburt, einer Präeklampsie (ernste Erkrankung mit hohem Blutdruck) der Mutter und einer Neugeboreneninfektion waren seine Partnerin und Baby Matteo drei Wochen im Olgahospital Stuttgart. „Das war nicht so eine schöne Zeit für uns“, sagt Tridico, auch wenn das Paar mit der Betreuung in der Kinderklinik sehr zufrieden war.
Hilfe nach dem Klinikaufenthalt
Um die 100 Familien sind pro Jahr im Kreis Ludwigsburg laut des Vereins Aufwind plötzlich einer veränderten Lebenssituation ausgesetzt, weil ihr Kind zu früh auf die Welt kommt, schwer oder chronisch krank ist. In den ersten Wochen und Monaten nach dem Klinikaufenthalt unterstützt Aufwind die betroffenen Familien im Kreis Ludwigsburg wie die des kleinen Matteo. Aufwind Bunter Kreis Ludwigsburg ist eine von 92 Nachsorgeeinrichtungen, die zum Bundesverband Bunter Kreis gehören. Der Verband engagiert sich seit den 80er-Jahren in der sozialmedizinischen Nachsorge der Kinderheilkunde.
Die Tridicos erhielten die sozialmedizinische Unterstützung von einer Kinderkrankenpflegerin des Vereins Aufwind. „Ihre Hilfe war für uns sehr gut“, erzählt der 38-Jährige dankbar. „Sie kam schnell zu uns, nachdem wir vom Krankenhaus zu Hause waren.“ Die Nachsorgerin von Aufwind habe die Familie umfassend unterstützt. „Es war super hilfreich für uns, dass sie einen so großen medizinischen Sachverstand mitbringt und so viel Erfahrung hat mit Kindern, die ein Krankheitsbild haben.“ Die ersten zwei Monate kam die Nachsorgerin einmal wöchentlich für bis zu zwei Stunden, dann etwa alle zwei Wochen. „Sie war immer für uns da. Wir führten viele Gespräche und sie versorgte uns mit allen Infos zu weiteren Anlaufstellen“, so Tridico. Sie habe die eigentliche Hebamme ersetzt, die der Familie in der Zeit nicht helfen konnte. „Sie hat uns ein gutes Gefühl der Sicherheit gegeben,“ sagt der Vater des kleinen Matteo über die Unterstützung der Aufwind-Mitarbeiterin.
Die Nachsorgerin ist wie viele Mitarbeiter bei Aufwind auch in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim beschäftigt, mit dem der Verein in enger Kooperation steht. So ist Prof. Dr. Jochen Meyburg, der ärztliche Direktor der Kinderklinik Ludwigsburg erster Vorsitzender des Hilfsvereins. „Ich schätze sehr die enge Anbindung der Klinik mit dem Verein.“ So sei ein fließender Übergang bei der Betreuung von Familien mit schwer kranken Kindern gesichert.
76 Familien aus dem Kreis hat der Verein 2025 nach dem Klinikaufenthalt betreut, darunter waren fast die Hälfte früh geborene Kinder. Andere häufige Diagnosen bei den betroffenen Kindern sind Herzfehler, genetische Erkrankungen oder Diabetes Typ 1.
Auf Spenden angewiesen
„Wir kümmern uns um eine Anbindung der Familie an weitere Frühfördermaßnahmen, unterstützen sie bei sozialrechtlichen Anträgen und vermitteln zu Selbsthilfegruppen“, zählt Katrin Neureuter auf, die seit 2015 als Sozialarbeiterin in der Nachsorge und Elternbegleitung von Aufwind tätig ist. Auch entlastende Gespräche seien wichtig. „Wir helfen, dass die Familie trotz der einschneidenden Erlebnisse in einen guten Alltag findet.“
Aufwind helfe allen betroffenen Familien, sagt Chefarzt Meyburg, unabhängig vom Gang der Unterstützungsleistung der Krankenkassen. Diese genehmigten meist 20 Stunden Nachsorge, oft würden aber mehr benötigt. „Es ist eine Lücke im deutschen Gesundheitssystem, dass nur rund die Hälfte der finanziellen Aufwendungen von Krankenkassen für die Nachsorge bei kranken Kindern bezahlt wird“, sagt Meyburg. Deshalb sei der Verein stark auf Spenden angewiesen.
Dem kleinen Matteo aus Asperg geht es heute gut, „er wächst rasant“, sagt sein Vater lachend. Alle drei Monate fährt die Familie zur Kinderklinik für die Nierenfunktionsmessung. Ob eine Operation wegen des Reflux nötig ist, wird sich noch herausstellen.
