Ich bin ein ungeduldiger Mensch“, sagt Anselm Laube. Nach 7,5 Jahren verlässt einer der Geschäftsführer Ende März die Ludwigsburg Energieagentur Kreis Ludwigsburg (Lea). Der 38-Jährige wird Leiter der Stadtwerke Vaihingen und Geschäftsführer der dortigen Stadtbau GmbH. Im Gespräch mit der BZ zieht der Ingenieur, der in Karlsruhe lebt und mit Bahn und Rad zu seinen Termine im Kreis pendelt, Bilanz.
Kreis Ludwigsburg „Wir haben ganz gute Arbeit gemacht“
Anselm Laube, einer der Geschäftsführer der Energieagentur Lea, wechselt zu den Stadtwerken Vaihingen. Im Gespräch mit der BZ zieht er nach 7,5 Jahren Bilanz.
„Es war Zeit für eine Veränderung“, sagt Laube. Doch wer sich mit dem Mann, der am hessischen Vogelsberg aufgewachsen ist, unterhält, merkt rasch: von Amtsmüdigkeit keine Spur, im Gegenteil. Laube denkt nicht nur schnell und vernetzt, er sprüht vor Ideen, besitzt ein breites Wissen und interessiert sich für viele Themen – von Energie über EDV bis hin zu Eisenbahngüterwagen, die er nach dem Abitur bei der Bahn distribuierte. Das gesellschaftliche Klima sei nicht nur in der Energiepolitik rau, sagt Laube, der sich zu Fragen des gesellschaftlichen Zusammenhangs im Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung engagiert.
Als er 2018 zur Lea kam, wurde der gemeinnützige Verein neu aufgestellt, Mitarbeiter wurden eingestellt. Im Mittelpunkt standen nun nicht mehr nur Hausbesitzer oder die Frage, wie man das Energiesystem etwas effizienter gestalten kann. Heute besteht die Lea aus 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, „wir haben eine konsequente vier Tage-Woche“ sagt Laube. Die Inhalte wurden auf eine breite Basis gestellt, neben der Energie- und Wärmeberatung von Kommunen und Privatleuten stehen Bildungsprogramme im Mittelpunkt, seit September wird erstmals ein Energieberater ausgebildet. „Im Kleinen wie im Großen geht es auch um die politische Dimension, um das, was wir als kommunalen Klimaschutz zusammenfassen“, sagt Laube: „Der Neustart 2018 ist genau in die richtige Zeit gefallen.“ Fridays for Future, Energiepreiskrise und die Corona-Pandemie, „mit diesen Veränderungen ist unser gestärktes Team dann in eine hohe Nachfrage hineingelaufen.“
Über Windkraft diskutieren
Mittlerweile habe sich die Nachfrage konsolidiert, 38 der 39 Kreisgemeinden sind Mitglied bei der Lea. „Aber wir merken, es hat sich massiv was verändert“, sagt Laube. Das Ziel der Klimaneutralität im Blick, „haben wir ganz gute Arbeit gemacht im Landkreis“, sagt Laube selbstbewusst. In fast allen Bereichen gebe es Standards, „die vor sieben, acht Jahren fast so etwas wie eine Utopie waren“. Zwei Drittel der Stromerzeugung sei erneuerbar. Und: „Wir dürfen im Kreis über Windkraft diskutieren“, sagt Laube und lacht. Das sei 2018 noch undenkbar gewesen.
Bei der CO2-Einsparung sei der Strombereich richtig gut. „Wir müssen jetzt einfach nur mehr vom Gleichen machen“, ist Laube überzeugt. Unter anderem mit großen Batteriespeichern könne technisch auch die Ungleichheit von Erzeugung und Verbrauch gelöst werden. Im Strombereich gebe es eine technische Klarheit, die sich auch international durchgesetzt habe. Die Lea sei dafür zwar nicht verantwortlich, habe es in den fast acht Jahren aber gut geschafft, diese Transformation des Energiesystems zu erklären. „Wir sehen uns ein Stück weit in der Übersetzungsfunktion“, sagt Laube.
„Wir sind in der Region nie die großen Erneuerbaren-Fans gewesen, aber es gibt einen Regionalplan, der jetzt gilt“, freut er sich. Dass dabei der Naturschutz das Nachsehen habe, sei der „Verhinderungsplanungen der vergangenen Jahrzehnte geschuldet“, ist er überzeugt. Jetzt habe der Regionalplan rasch reformiert werden müssen, weil das Landesgesetz es vorschreibt.
„Wir sind extrem weit im bundesweiten Vergleich“
Die Windenergie biete den Kommunen auch finanziell eine Chance. Die stabilen Gewerbesteuereinnahmen von 0,2 Cent pro Kilowattstunde seien auch der Grund, warum viele Kämmerer die Projekte in der Region unterstützten.
Mit Blick auf die Stadtwerke Stuttgart, die sich für Windrad-Projekten in der Region interessieren, stehe nun die Verteilungsfrage im Vordergrund. „Hier fordere ich auch ein Stück weit ein kommunales Selbstbewusstsein ein, Projekte der Energieversorgung selbst zu machen.“
Wie das gehen kann, hat die Lea früh mit Modellprojekten in Tamm (2021) und Steinheim (2019) gezeigt. „Da hat Wärme bis auf wenige Ausnahmen kaum jemanden interessiert.“ Der Kreis sei beim Thema Wärmenetz relativ stark, doch diese seien zunächst nicht als kommunale Aufgabe verstanden worden. Das habe sich auch dank der Lea geändert: „Das hat auch ganz viel mit gesellschaftlicher Autonomie zu tun“, findet Laube. Die meisten Kommunen liegen mit ihrer Wärmeplanung in den letzten Zügen, „wir sind extrem weit im bundesweiten Vergleich“, sagt er. Inzwischen bereitet die Lea eine interkommunale Servicegesellschaft für den Wärmebereich vor – für die Betriebsführung und Abrechnung.
„Ein Wärmenetz ist im Grunde genommen nichts anderes als eine etwas größere Heizungsanlage“, sagt Laube. Als Ingenieur sei er zwar vorbelastet, aber dass er so mit dem Heizungsbau sympathisiere, liege daran, „dass ich ganz viel im Heizungskeller bin. Ich habe vor der Technik keine Angst.“ Künftig werde es normal sein, dass jedes Dorf in Teilen durch ein Wärmenetz versorgt werde.
Ohne wirtschaftlichen Druck
Die Lea habe den Vorteil geboten, dass sie als gemeinnütziger Verein ohne wirtschaftlichen Druck Projekte entwickeln konnte, „wir wollen nichts verkaufen – außer Ideen“. Zu umfangreichen Fachkenntnissen käme eine hohe Erwartungshaltung an sich selbst und die Mitarbeiter. Die Konsolidierungsphase, die mit seinem Weggang nun eintrete, „ist gut für die Lea“, sagt der Vater einer Tochter.
Als Leiter der Stadtwerke wartet auf Laube in Vaihingen „alles, was für den Bürger da ist – Trinkwasser, Wärme, Bauhof.“ Mit den technischen Diensten „sind es vielleicht die Stadtkümmerer“. Als Geschäftsführer der Stadtbau GmbH versteht er sich als jemand, der den Wettbewerb bei der Stadtentwicklung und im kommunalen Wohnungsbau ergänzt. Er freue sich auf die Gartenschau, die „als Experimentierfeld eine wundervolle Dynamik in die Stadt bringt“, sagt er. Und man ahnt, dass es schon viele Ideen gibt, die er dazu beisteuern wird.
