Kreis Ludwigsburg „Wir steuern alles, was auf der Autobahn Strom braucht“

Von Claudia Mocek
An der Zufahrt zur Weströhre gilt weiterhin noch Tempo 40. Foto: /Martin Kalb

Wann gilt auf der A 81 ein Tempolimit, wann wird der Seitenstreifen frei gegeben? Die BZ hat bei der Autobahn GmbH nachgefragt. 

Warum darf man auf der A 81 nur Tempo 80 fahren, obwohl kein Stau zu sehen ist? Und wieso ist der Seitenstreifen nicht für den Verkehr freigegeben, obwohl sich auf den anderen Spuren alles drängelt? Warum gilt am Eingang zur Weströhre des Engelbergtunnels weiterhin die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 40 Stundenkilometer? Die BZ hat bei der Autobahn GmbH nachgefragt.

„Wir sind für die Sicherheit und die Leichtigkeit des Verkehrs zuständig“, sagt die Abteilungsleiterin Verkehrszentrale und Telematik bei der Autobahn GmbH Südwest, Dr. Marion Mayer-Kreitz: „Dabei steuern wir alles, was auf der Autobahn Strom braucht und blinkt.“ Mit ihrem Team informiert sie Verkehrsteilnehmer mithilfe von Schilderbrücken zum Beispiel über Staus, steuert die Tempovorgabe, leitet durch Baustellen und steuert Geräte, die das Verkehrsaufkommen zählen. Außerdem ist sie zuständig für die Überwachung von Tunneln, die länger als 400 Meter sind.

Die Steuerung der Tempovorgabe erfolgt „zum großen Teil automatisch“, sagt Bauingenieurin Mayer-Kreitz. Den anderen Teil übernehmen die 25 Operatorinnen und Operatoren in der Verkehrszentrale Südwest in Feuerbach, die an 365 Tagen rund um die Uhr besetzt ist. Noch werden die Verkehrsteilnehmer über Netz- und Streckenbeeinflussungsanlagen informiert. „Im Moment brauchen wir die noch“, sagt Mayer-Kreitz. Denn die Autobahn GmbH müsse dafür sorgen, dass ihre Informationen alle Verkehrsteilnehmer rechtssicher erreichen. Mayer-Kreitz geht davon aus, dass es in fünf bis zehn Jahren einen Technologiewechsel geben wird und die Infos dann über Navigationssysteme verteilt werden. Erste Pilotphasen dazu gebe es bereits.

Ein Autofahrer fährt in Mundelsheim mit dem Ziel Leonberg auf die A 81. Er wundert sich, dass in Ludwigsburg-Nord Tempo 80 vorgegeben wird, obwohl kein Stau in Sicht ist. Wenn auf der Strecke irgendwo ein Stau entsteht, erfährt das die Autobahn GmbH über ihre Messanlage, erläutert Mayer-Kreitz. An verschiedenen Stellen werden Menge und Geschwindigkeit der Fahrzeuge gemessen und berechnet. Die Anlage zeigt nicht nur einen bereits vorhandenen Stau an, sie zeige auch an, wenn an einer Stelle bald ein Stau entstehen wird. Wenn sich, wie so oft im Feierabendverkehr, bei Feuerbach ein Stau ankündigt, werde die Geschwindigkeit ab Ludwigsburg Nord verringert, damit niemand ungebremst auf das Stauende zurast. Wenn man an der Stelle ankommt, an der der Stau entstanden war, „hat sich dieser idealerweise schon wieder aufgelöst“, sagt sie.

Weil man dies als Autofahrer dann aber gar nicht mitbekomme, wundere man sich, warum es eine Tempo 80-Vorgabe gab. „Wir sind bundesweit vernetzt, die Verkehrsteilnehmenden dürfen darauf vertrauen, dass unsere Tempoangaben und Warnhinweise sinnvoll sind – auch wenn man den Grund dafür nicht unbedingt sofort erkennt“, versichert Pressesprecherin Petra Hentschel.

Freigabe des Seitenstreifens

Einen ähnlichen Effekt gibt es bei der temporären Seitenstreifenfreigabe, also der zusätzlichen Fahrspur, die die Autobahn GmbH bei hohem Verkehrsaufkommen freigeben kann. Die sei „ein sehr schönes Werkzeug, um den Verkehrsfluss kurzfristig zu verbessern und Staus zu vermeiden“, findet Mayer-Kreitz. Auch hier schlage das System aufgrund der Messungen eine Freigabe vor, doch diese erfolge nicht automatisch, ein Mitarbeiter muss zunächst den betroffenen Bereich mithilfe von Kameras überprüfen. „Der Operator muss zu hundert Prozent sicher sein, dass der Seitenstreifen frei ist“, sagt Mayer-Kreitz.

Wenn die Spur durch verlorene Ware oder Pannenfahrzeuge blockiert sei oder aufgrund von starkem Regen nicht überprüft werden könne, darf sie nicht freigegeben werden. Wenn zum Beispiel ein Lkw in der Nothaltebucht steht, gebe es einen Ermessensspielraum, erläutert die Bauingenieurin, je nachdem, wie groß der Abstand zum Seitenstreifen sei. Natürlich würde immer wieder der Streckendienst die Polizei über rechtswidrig abgestellte Fahrzeuge informieren. Doch die Tatsache, dass es zu wenig Lkw-Stellplätze gebe, sei ein nicht leicht zu lösendes Thema. „Lkw-Fahrer sind diejenigen, denen wir das Leben erleichtern sollten“, findet Mayer-Kreitz.

Zu wenig Stellplätze für Lkw

Wenn ein Lkw-Fahrer, der seine Ruhezeit einhalten muss, sein Fahrzeug an der Zufahrt eines Parkplatzes abstellt, aus Angst, keinen anderen Parkplatz mehr zu finden, stelle er eine mögliche Gefahr für die anderen Autofahrer dar. Die Polizei könne diesen Lkw zwar wegschicken, doch aufgrund der Stellplatz-Problematik dauere es erfahrungsgemäß nur kurze Zeit, bis der nächste Lkw an der gleichen Stelle halte. Daher gebe es nun zum Beispiel an der Tank- und Rastanlage Denkendorf eine LED-Warnanzeige, die aktiviert werde und auf das Hindernis hinweisen.

Außerdem würden telematische Parkverfahren erprobt, dabei werden Lkw mithilfe von dynamischen Anzeigen in Parkreihen hintereinander sortiert parkend angeordnet, um den Parkraum möglichst effektiv zu nutzen. Erste Versuche gibt es dazu derzeit unter anderem in Bayern.

Zu den Aufgaben der Autobahn GmbH zählt auch die Überwachung und Wartung von längeren Tunneln. „Ein Brand wie im Engelbergtunnel im März, ist mit das Schlimmste, was in einem Tunnel passieren kann“, sagt Hentschel. Während des Brandes habe die Verkehrszentrale unter anderem die Einsatzkräfte koordiniert, auch die Autobahnmeisterei sei vor Ort gewesen. Ihr Fazit: „Beim Brand im März hat das Rettungsmanagement sehr gut funktioniert.“

Und warum gilt bei der Einfahrt in die Weströhre weiterhin Tempo 40? Derzeit würden noch Brandschäden behoben, am Tunneleingang müsse noch die adaptive Beleuchtung installiert werden, die die Helligkeit automatisch an den Sonnenstand und die Verkehrslage anpasst. Darüber hinaus dauerten die regulären Sanierungsmaßnahmen bei laufendem Betrieb noch an. Hentschel rechnet damit, dass die Brandschäden Anfang des vierten Quartals behoben sein werden und die Gesamtsanierung im vierten Quartal dieses Jahres abgeschlossen sein wird.

 
 
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